À Jamais (2016)

À Jamais (2016)

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Filmkritik: Die Geister, mit denen ich schlief

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Wellen- und Spaziergang.
Wellen- und Spaziergang. © Studio / Produzent

Der Filmemacher Rey (Mathieu Amalric) schnappt sich sich die Performance-Künstlerin Laura (Julia Roy) und düst mit seinem Motorrad in eine schmucke Villa an der portugiesischen Atlantik-Küste. Dort hat es das Paar schön am Strand und im Bett, und Rey vergisst Schritt für Schritt seine eigentliche Frau Isabelle (Jeanne Balibar). Er schreibt aber auch an einem neuen Drehuch, auf das sein Produzent schon sehnsüchtig wartet.

Welcher Klingelton solls sein?
Welcher Klingelton solls sein? © Studio / Produzent

Als Rey mehr Geld für die Vollendung des Buches verlangt, wird ihm dies vom Produzenten nicht gewährleistet, wenn nicht Isabelle wieder beim kreativen Prozess involviert wird. Rey wird so wütend, dass er mit seinem Töff einen tödlichen Unfall verursacht. Allein im Haus am Atlantik zurück bleibt Laura, die zwar schon früher seltsame Geräusche in der Villa hörte, nun aber denkt, dass Rey als Geist zu ihr zurückkehrt.

Der eklektische Franzose Benoît Jacquot schwurbelt sich auch durch sein neuestes Werk. Halb Altherren-Fantasie, halb uninspirierter Geisterfilm, wie ihn wohl nur dieser Filmemacher zustande bringt, sollte À Jamais wohl mal ein Psychodrama werden, was aber trotz dick auftragender Musik nie richtigen Thrill hervorbringt. Das einzig neue: Julia Roy, welche die Rolle der rothaarigen Muse für Jacquot von Isild Le Besco übernommen hat. Ansonsten: "Nie wieder!" in der Tat.

Benoît Jacquot ist ein Stammgast am Festival von Venedig und hat sich weder mit L'Intouchable noch 3 Coeurs Freunde innerhalb der OutNow.CH-Redaktion geschaffen. 2016 zeigt er nun À Jamais. Zwar wird nun der Schreibende als fünfter Kritiker auf Jacquots Werke losgelassen. Aber auf Gegenliebe stösst auch das neueste Werk nicht.

Die Kritikpunkte bleiben dieselben. Die ultrakurze Synopsis im Presseheft ist genauso ein Geschwurbel wie der Film. Die eingesetzte Filmmusik suggeriert Spannung, wo keine ist. Und die Geschichte scheint eine nur wenig kaschierte Wunschvorstellung des Regisseurs zu sein. Wo vor zehn Jahren noch lsild Le Besco die Muse von Jacquot war, hat nun Julia Roy die Rolle übernommen, immer mal wieder lasziv in die Kamera zu gucken.

Mit portugiesischen Geldern finanziert, spielt der Film in einem schönen Haus an der Atlantik-Küste. Der wilde Filmregisseur - man beachte den potenten Töff des wie immer fiebrigen Mathieu Amalric - holt sich eine viel jüngere Dame ins Haus, und fertig ist die Altherren-Fantasie. Es gibt ein paar unwitzige Ideen wie diejenige, das iPhone in einen Sarg zu stecken, um es während der Abdankung klingeln zu lassen, bevor die "thrillerige" Phase des Drehbuchs beginnt. Dann erkennt man dann auch die Buchvorlage sporadisch - "The Body Artist" von Don DeLillo. Das Skript soll übrigens auf Befehl des Regisseurs von Roy verfasst worden sein.

Der einzig normale Charakter in diesem Film ist ein Vermieter, der dem ganzen Luftschloss von einer Geschichte ein Ende setzt und die Chose mit folgender Festellung einem Reality-Check unterzieht. Jemand sollte gefälligst auch mal Miete bezahlen für die schöne Immobilie, worin der Film spielt!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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