Jack Reacher: Never Go Back (2016)

Jack Reacher: Never Go Back (2016)

Jack Reacher: Kein Weg zurück
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  3. 118 Minuten

Filmkritik: Never Stop Reaching

"Wo ist mein Minority Report?"
"Wo ist mein Minority Report?" © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Jack Reacher (Tom Cruise) ist kein gesuchter Mann mehr. Mit leichtem Handgepäck reist er durch die USA und klärt Verbrechen auf. Der Ex-Major der Militärpolizei hilft seinem alten Arbeitgeber gelegentlich aus. Als er seine Kontaktperson Major Susan Turner (Cobie Smulders) bei der Arbeit besuchen will, muss Reacher feststellen, dass sie wegen Spionageverdachts im Gefängnis sitzt. Klar, dass sich der Profiermittler nicht damit abfinden kann. Bereits ein Treffen mit Turners Anwalt reicht aus, um ihn tief in eine Verschwörung zu verwickeln.

Niemand rennt schneller!
Niemand rennt schneller! © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Bei seinen Nachforschungen stösst Jack nicht nur auf ein verdächtiges privates Militärunternehmen, sondern auch auf die 15-jährige Samantha (Danika Yarosh), die angeblich seine Tochter sein soll. Alle stehen auf der langen Abschussliste. Verfolgt von einem Auftragskiller (Patrick Heusinger) muss Reacher auf der Flucht nicht nur den Fall, sondern auch die Probleme seiner Teenagertochter lösen.

Never Go Back ist ein weiteres Abenteuer für seinen Titelhelden, aber trotzdem ein eigenständiger Film. Reacher ist eine unkomplizierte Heldenfigur: ein Übermensch, der stets auf der richtigen Seite steht. Die Handlung ist genauso unkompliziert, man erlebt die übliche Verschwörung mit den gesichtslosen Bösewichten. Die harte und gut inszenierte Action beschränkt sich fast ausschliesslich auf den Nahkampf. Der unnahbare Reacher lässt nur seine Gegner an sich heran. Freundin, Tochter und der Zuschauer müssen sich mit einer kaum funktionierenden Figurenkonstellation und vielen Klischees abfinden.

Tom Cruise gehört, genau wie der Mid-Budget-Film, zu einer aussterbenden Art in Hollywood: der eine Star, der die Zuschauer garantiert ins Kino lockt und einen ganzen Film trägt. Jack Reacher: Never Go Back vereint beides. Bei der zweiten Romanadaption über Lee Childs Heldenfigur gab es einen Wechsel auf dem Regieposten. Edward Zwick (The Last Samurai) ersetzt Christopher McQuarrie, der im letzten Jahr zusammen mit Cruise Mission Impossible - Rogue Nation drehte.

Im letzten Jahrzehnt gab es für Tom Cruise kaum eine andere Rolle als den Superagenten, der in 120 Minuten die Vereinigten Staaten, wenn nicht sogar die Welt, retten muss. Dass hinter diesem Konzept eine gewisse Formel steckt, wird in Never Go Back sehr deutlich. Jack Reacher bietet immer noch harte Nahkampfaction in heruntergekommenen Lagerhäusern, Diners und Motels. In gefährlichen Situationen hat Reacher stets einen humorvollen Spruch auf Lager. Ansonsten bekommt man allerdings einen sehr generischen Actionfilm. Es ist die bekannte Verschwörung mit dem gesichtslosen Bösewicht im Hintergrund. Egal, wie schnell Jack Reacher rennt, seine Gegner sind schon dort. Der Versuch des namenlosen Auftragskillers, das Katz- und Mausspiel auf eine persönliche Ebene zu bringen, scheitert ganz und gar.

Die Figur der Susan Turner schwankt ständig zwischen Love Interest und einer weiblichen Version des Titelhelden, die natürlich nicht an das Original heranreichen darf. Der Mann kümmert sich um die Bösen und die Frau passt auf die Kinder auf. Da ein Sidekick nicht ausreicht, hat man mit Reachers angeblicher Tochter Samantha noch eine weitere Figur, die krampfhaft versucht, Jack Reacher menschlich wirken zu lassen. Die Teenagerin bedient nicht nur sämtliche Klischees der Filmwelt, sondern nimmt auch viel Tempo und Spannung aus dem Film.

Die Kameraführung, stets mit nahen und halbnahen Einstellungen, und der Score, treibend und dramatisch, passen zur Routine von Never Go Back. Allenfalls die Rückblenden in Afghanistan und Reachers Visualisierung von begangenen Verbrechen stechen optisch ein wenig heraus. Die an der Ostküste verteilten Schauplätze werden nicht ausreichend genutzt, sodass viele Handlungsorte einfach unspektakulär sind. Besonders das Finale enttäuscht und kann nicht mit dem des ersten Teils mithalten.

Am Ende hat man zu wenig Action im Verhältnis zur Laufzeit von 118 Minuten. Der unnahbare Knochenbrecher Reacher funktioniert nicht auf der menschlichen Ebene, egal, wie viele Frauen man ihm an die Seite stellt.

Sven Martens [sma]

Sven schreibt seit 2015 als Freelancer bei OutNow. Seine Sehnsucht nach Amerika reicht von Martin Scorseses New York über die weiten Steppen von John Ford bis hin zu Howard Hawks' Traumfabrik in Hollywood. In seiner Freizeit guckt er gerne Filme von Éric Rohmer.

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Kommentare Total: 4

bloodout

Sorry was soll der Scheisss ,wie gross ist TOM CRUISE 1.69 ???Sorry schlechtester Film den ich in den letzten Monaten gesehen habe !

Greef_ch

Ein eigenständiger Film als Les Grossman ist überfällig und würde seine Karriere vielleicht in eine neue Bahn lenken ;)

muri

Cruise scheint wirklich nur noch eine Art von Rolle zu spielen. Bei M-I ist wenigstens das drumherum noch interessant, bei Reacher eher weniger...

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