I Am Not Your Negro (2016)

I Am Not Your Negro (2016)

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  2. 95 Minuten

Filmkritik: Raise your fist for black power!

67. Internationale Filmfestspiele Berlin 2017
Gewalt gegen Minderheiten ...
Gewalt gegen Minderheiten ... © Studio / Produzent

Auf dem unvollendeten Essay "Remember this House" von James Baldwin basierend, zeigt Raoul Peck in dieser Dokumentation die Entwicklung des Rassismus in Amerika. Angefangen während der Zeit der Sklaverei bis hin zu aktuellen Fällen wie Ferguson 2014, dokumentiert Peck den Hass gegen und die Diversität zwischen der schwarzen und der weissen Bevölkerung.

... ist für diese Herren, und viele andere, untolerierbar.
... ist für diese Herren, und viele andere, untolerierbar. © Studio / Produzent

Als Stützen von Baldwins Werk dienen die drei Bürgerrechtler und Kämpfer für Gleichheit und Gerechtigkeit Medgar Evers, Martin Luther King und Malcolm X. In diversen Ausschnitten aus Interviews und Reden kommen sie zu Wort und zeichnen ein Bild eines tiefen Grabens zwischen Menschen verschiedener Ursprünge mit derselben Herkunft.

Eine wuchtige Informationswelle in schwarz-weiss überrollt die Zuschauer in I Am Not Your Negro, in welchem Raoul Peck sich mit Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung in Amerika beschäftigt. Als Grundlage dienten ihm die Schriften Baldwins, welcher sich seinerseits auf Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers bezog. Eine imposante, oscarnominierte Dokumentation mit vielen originalen und zeitgenössischen Aufnahmen und Fotografien.

Mit dem Rassismus, den die schwarze Bevölkerung in den USA immer wieder erlebt, ist eine lange Leidensgeschichte verbunden. Diverse Filme wurden bereits darüber gedreht, seien dies nun Biografien grosser Freiheitskämpfer der Bürgerrechtsbewegung (Selma, Malcolm X), sei es über direkte Übergriffe der amerikanischen Staatsmacht auf schwarze Bürger (Fruitvale Station). Regisseur Raoul Peck orientierte sich für seine oscarnominierte Dokumentation an den Schriften des Sozialkritikers James Baldwin, welcher sich in seinem unvollendeten Essay "Remember This House" selbst auf drei Grössen im Kampf gegen die Rassendiskriminierung berief, welche alle ein gewaltsames Ende fanden: Medgar Evers, Martin Luther King und Malcolm X.

Mit der tiefen, beruhigenden Erzählstimme von Samuel L. Jackson wird erzählt, aufgearbeitet und der Bevölkerung den Spiegel vorgehalten. Dies tut Peck mit Hilfe vieler zeitgenössischer Dokumente und Belege, welche er in seine Dokumentation einfliessen lässt: Filmaufnahmen von Interviews mit Baldwin, ebenso aber mit Malcolm X, King und Evers. Er lässt sie selbst zu Wort kommen, ihre Standpunkte vermitteln, anklagen, um dann wieder zu beschwichtigen, dass der Schwarze den Weissen nicht hasse. In seiner Dokumentation geht es Peck nicht um Hass, sondern um die Jahrhunderte währende Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung. Dabei werden auch Zeitdokumente aus Fernsehen und Zeitungen gezeigt: wie eine erzürnte Menschenmasse 1957 versuchte, schwarze Schüler am Besuch der Highschool zu verhindern. Oder Berichterstattungen über die Morde an Doctor King, Michael X und die Ereignisse in Ferguson im Jahre 2014. Diese Archivaufnahmen erzeugen zusammen mit Fotografien und Filmausschnitten eine wahnsinnig starke Kraft und Botschaft.

Der Dokumentarfilm ist in Kapitel gegliedert, welche in massiven schwarzen und weissen Lettern auf komplementärem Hintergrund prangen. Dazwischen tippt eine Schreibmaschinenschrift Zitate auf schwarzen Grund, welche aufzeigen, wie drastisch die amerikanische Geschichte von der Sklaverei, der Unterdrückung der dunkelhäutigen Minderheit bis zum heute noch existenten Rassismus geprägt wurde und wird. Es ist eine Wucht, die den Zuschauer mitten ins Gesicht trifft, nichts beschönigt und gnadenlos ein trauriges Kapitel Menschheitsgeschichte aufzeigt.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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Kommentare Total: 2

sma

"The story of the Negro in America is the story of America, and it is not a pretty story."

Basierend auf einem unvollendeten Buch des Schriftstellers James Baldwin analysiert Raoul Peck den Rassismus in den Vereinigten Staaten. Und Baldwin erzählt seine Geschichte, die Geschichte seiner Landsleute, anhand seiner ermordeten Freunde. Es ist ein beeindruckender Film, der sein komplexes Thema nuanciert betrachtet. Die Bilder unterstützen Baldwins Worte und Schriften, sie geben ihnen nicht mehr Kraft, weil Baldwins Aussagen kraftvoll genug sind. I Am Not Your Negro ist die Art von Film, die man gesehen haben muss. Ein Meisterwerk über Rassismus und seine Folgen, die ein ganzes Land auch 50 Jahre später zersetzen.

yab

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