Hidden Figures (2016)

Hidden Figures (2016)

Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
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  2. 127 Minuten

Filmkritik: Die Formel geht auf

"...and the Oscar goes to..."
"...and the Oscar goes to..."

USA, 1961: Die drei afroamerikanischen Frauen Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughn (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) arbeiten als Mathematikerinnen bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Da die Russen vor kurzem erfolgreich einen Satelliten in den Weltraum geschossen haben, drohen die Amerikaner momentan etwas ins Hintertreffen zu geraten. Man muss jetzt unbedingt die Russen im Rennen um den ersten bemannten Raumflug schlagen. Al Harrison (Kevin Costner), der Leiter der Space Task Group, holt sich deshalb die überaus smarte Katherine in sein Team, die es jedoch aufgrund von Vorurteilen und dem rassistischen Verhalten ihrer weissen und männlichen Kollegen äusserst schwer hat.

Langeweile bei der Nasa führt zu "Real-Life-Leiterlispiel".
Langeweile bei der Nasa führt zu "Real-Life-Leiterlispiel".

Währenddessen versucht Dorothy kämpferisch an eine Beförderung zu kommen, die aber aufgrund ihrer Hauptfarbe unterreichbar scheint. Auch Mary könnte eigentlich viel mehr leisten als man ihr zutraut, doch würde sie für ihre Ziele ein Ingenieur-Diplom benötigen. Um an ein solches zu kommen, müsste sie eine Schule für Weisse besuchen, was ihr jedoch nicht zusteht. Doch keine der drei Frauen denkt so schnell ans Aufgeben. Sie beginnen mit ihren brillanten Köpfen für ihre Ziele zu kämpfen.

Hidden Figures ist ein gelungenes Feel-Good-Movie über Heldinnen aus der zweiten Reihe, die hier ins Scheinwerferlicht treten. Regisseur Theodore Melfi zeigt mit dem nötigen Respekt und einer Prise Humor ein bisher unbekanntes Kapitel amerikanischer Geschichte, das einmal mehr klarmacht, dass man gemeinsam weiterkommt als mit Ausgrenzung und Diskriminierung. Unterhaltsam und wichtig.

Der Kampf gegen den Rassismus findet jedes Jahr um die Oscar-Saison auch in den Kinos statt. Nicht, dass dagegen was einzuwenden wäre. Nur hat es schon eine gewisse Berechenbarkeit, wenn immer zur Award-Saison Filme wie Selma, 12 Years a Slave oder The Help veröffentlicht werden - unverkennbar mit der Absicht, ein paar Goldmännchen abzustauben. "Berechnend" ist in zweierlei Hinsicht auch Hidden Figures: zum einen mit dem Veröffentlichungsdatum und zum anderen mit dem Plot über dunkelhäutige, weibliche Mathematikgenies. Zum Glück merkt man dem Film von Theodore Melfi (St. Vincent) die Kalkulation nicht an. Es ist ein inspirierendes, faszinierendes und toll gespieltes Feel-Good-Movie für die ganze Familie.

Jawohl, die ganze Familie. Denn physische Gewalt gibt es in diesem Film über Rassismus keine zu sehen. Stattdessen wird der psychologische Aspekt, allen voran das Mobbing, gezeigt. Da wird einmal eine separate Kaffeekanne für die dunkelhäutige Mitarbeiterin angeschafft, weil diese die Frechheit hatte, aus der regulären zu trinken. Auch wenn der Film mit Jim Parsons' (Sheldon aus The Big Bang Theory) Mathe-Genie und Kirsten Dunsts Chefin zwei hassenswerte Figuren besitzt, ist der Streifen nie so plakativ wie zum Beispiel ein The Help, wo in der Form von Bryce Dallas Howard dem Bösen ein Gesicht gegeben wurde. Da eine solche Figur fehlt, spürt man vielmehr die hassenswerte Gesamtsituation, in der sich die Protagonistinnen befinden. Dies macht den Film subtiler und letztendlich besser als Tate Taylors Drama.

Doch Hidden Figures ist nicht niederschmetternd, sondern ermutigend und inspirierend. Die drei Frauen verschaffen sich mit ihrem brillanten Verstand den Respekt, der ihnen zusteht. Sie gehen trotz der vielen Steine, die man ihnen in den Weg legt, immer vorwärts. Die Botschaft "Gemeinsam sind wir stärker" ist zwar bekannt, doch darf sie in einem solch unterhaltsamen Rahmen gerne in Erinnerung gerufen werden. Es ist eine tolle und vor allem wahre Geschichte, die es zu erzählen galt und die Regisseur Melfi mit dem nötigen Respekt und auch ein bisschen Humor umsetzte. Zum reinen Schenkelklopfer verkommt Hidden Figures nicht, doch behält er sich so über die ganze Laufzeit seine Leichtigkeit.

Schwächeln tut der Film eigentlich nur, wenn er die Frauen auch in ihrem privaten Umfeld zeigen möchte. Sie werden zwar so ein bisschen dreidimensionaler, doch dem Erzählfluss schadet dies, was die Laufzeit von 127 Minuten spürbar macht. Dies trübt den Gesamteindruck aber nicht, woran auch das Darsteller-Trio Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe sowie Kevin Costner als knorriger Hart-aber-Fair-Chef grossen Anteil haben. Letzten Endes geht die Formel von Hidden Figures auf - in Hinsicht auf den Unterhaltungswert und den drei errungenen Oscar-Nominationen.

/ crs