Hell or High Water (2016)

Hell or High Water (2016)

  1. ,
  2. 102 Minuten

Filmkritik: No Country for Men

69e Festival de Cannes 2016
Zwei glorreiche Halunken
Zwei glorreiche Halunken

Tobys (Chris Pine) Familie war schon immer arm. Doch trotzdem hatten sie immer ihr Stück Land und ihre Farm, worauf die Familie seit Generationen stolz war. Doch nun droht Toby aufgrund überfälliger Bankzahlungen alles zu verlieren. So fasst er einen gefährlichen Plan: Zusammen mit seinem Bruder Tanner (Ben Foster), der vor kurzem aus dem Knast entlassen wurde, möchte er mit Überfällen das nötige Geld auftreiben. Opfer sollen Filialen der Bank sein, denen Toby Geld schuldet. Ihre Vorgehensweise ist immer dieselbe: Sie kaufen ein Auto, stürmen die Bank früh am Morgen, entsorgen das Gefährt und waschen das Geld im Casino.

Hut tut gut
Hut tut gut

Es dauert nicht lange, bis Gesetzeshüter auf die beiden Bankräuber aufmerksam werden. Da der jeweilige entwendete Betrag nicht so hoch ist, übernehmen die Sheriffs Marcus (Jeff Bridges) und Alberto (Gil Birmingham). Anhand der bisher durchgeführten Überfälle stellt Marcus Vermutungen auf, wo die Brüder als nächstes zuschlagen werden. Es wird der Moment kommen, wo die Räuber und die Sheriffs aufeinandertreffen werden.

David Mackenzies Neo-Western ist ein cooler Streifen, unter dessen unterhaltsamer Oberfläche es viel Sozialkritik und einen kleinen Abgesang auf den Wilden Westen zu entdecken gibt. Da der Film den eigentlichen Bösen viele Sympathiepunkte zuschiebt, wird der Zuschauer in eine kleine Zwickmühle gesteckt. Gepaart mit tollen Leistungen von Chris Pine und Jeff Bridges ergibt dies einen äusserst sehenswerten Film.

Zwei Outlaws überfallen in verschiedenen Städten Banken und werden schon bald von zwei Sheriffs gejagt - der Plot von gut 1000 Western. Regisseur David Mackenzie (Starred Up) und Drehbuchautor Taylor Sheridan (Sicario) lassen ihren Film jedoch nicht im Wilden Westen, sondern im Texas von heute spielen. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Neo-Western mit tollen Schauspielern, bei denen Jeff Bridges nach R.I.P.D. und Seventh Son mal wieder sein Nuscheln für gute (Film-)Zwecke einsetzt.

Man kann den Film zum einen als einfachen Actionfilm abtun und wird dabei zweifelsohne auf seine Kosten kommen. Doch steckt hier mehr drin. So üben Mackenzie und Sheridan auch an den Zuständen im Süden der USA Kritik. Das Land ist gezeichnet von der Immobilienkrise. Die Protagonisten betreten meist Geisterstädte, in denen vielerorts "For Sale"-Schilder vor den Häusern stehen. Logisch, dass mit Toby einer den Ball ins Rollen bringt, der alles zu verlieren droht, aber nicht so einfach aufgeben will. Chris Pine verkörpert ihn und holt sich mit seinen Beweggründen die Sympathien des Zuschauers. Auch wenn es sicherlich nicht nett ist, was er macht, hoffen wir, das sein Vorhaben gelingt.

Um ihn nicht noch moralisch fragwürdiger zu machen, schrieb ihm Sheridan Ex-Knacki-Bruder Tanner an die Seite. Ben Fosters Figur ist ein Durchgeknallter, dem schnell der Geduldsfaden reist, weshalb immer mehr Leute verletzt werden. Der Film hätte um einiges an Dramatik gewonnen, wenn Pines Charakter selber gewisse Entscheidungen hätte fällen müssen. Doch da wollten die Macher nicht die Sympathien der Zuschauer verlieren und gingen auf Nummer sicher. Foster spielt wie immer intensiv, überschreitet aber mehrmals die Schwelle zum Overacting.

Der dritte grosse Name im Cast, Jeff Bridges, zeigt als Sheriff derweil eine starke Leistung. Wie das Western-Genre selbst hat auch dieser Gesetzeshüter seine besten Tage hinter sich. Er jagt den Verbrechern nicht mehr überall hinterher, sondern wartet in einem verschlafenen Städchen lieber, bis die Räuber kommen. Auch wenn sich Bridges mal wieder durch einen Film nuschelt, verbirgt sich dahinter eine traurige Figur, die merkt, dass ihre Zeit abläuft. Bridges spielt das toll und erinnert unweigerlich an Tommy Lee Jones' Berufskollegen im Coen-Film No Country for Old Men.

Hervorzuheben sind weiter verschiedene Nebenfiguren, die mit ihrer "No-Bullshit-Attitüde" dem Film eine humorvolle Note geben. Vor allem eine Restaurantsequenz mit einer älteren Servierdame sorgt für viel Gelächter. Da kommen unweigerlich wieder die Coens in den Sinn, doch Hell or High Water wirkt zu keiner Zeit wie eine billige Kopie. Der sozialkritische Neo-Western steht selbstbewusst in eigenen Cowboy-Boots, die nicht nur Fans von John Wayne und Co. gefallen dürften.

/ crs

Kommentare Total: 3

pradox

bin nicht so der fan von western im allgemeinen.

aber ok, der war wirklich super. hätte ruhig noch 20min länger gehen dürfen. - hätte das ende in die länge gezogen (mit derselbem handlung).

philm

What a Hell of a Neo Western: Bilder / Musik tragen das ihrige zur tollen Atmosphäre dazu, bei denen den Brüdern das Wasser immer höher zum Hals steigt. Für moderne Cowbows ein "must".

crs

Filmkritik: No Country for Men

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