Hail, Caesar! (2016)

Hail, Caesar! (2016)

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  3. 106 Minuten

Filmkritik: Wäre es doch bloss so einfach

66. Internationale Filmfestspiele Berlin 2016
Der "Fixer"
Der "Fixer"

Hollywood in den Fünfzigerjahren: Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein Mann für alle Fälle. Im Auftrag der Capitol Pictures hält er Stars von Skandalen fern. Ob unvorteilhafte Schnappschüsse, Bordellbesuche oder Verkehrsdelikte, Eddie findet einen Weg, die Sache zu vertuschen. Als das Zugpferd des Studios, Baird Whitlock (George Clooney), während der Dreharbeiten zum Sandalenfilm "Hail, Caesar" entführt wird, steht Eddie vor seiner bisher grössten Herausforderung.

Million Dollar Mermaid
Million Dollar Mermaid

Eine kommunistische Gruppe namens "The Future" verlangt 100'000 Dollar Lösegeld, die Dreharbeiten zu "Hail, Caesar" stehen auf dem Spiel und die Klatschkolumnistinnen Thora und Thessaly Thacke (Tilda Swinton) sind Mannix dicht auf dem Fersen. Zudem muss er sich um das Starlett DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) kümmern, das unehelich schwanger geworden ist. Doch Mannix findet für alles eine Lösung.

Hail, Caesar! ist sowohl Hommage als auch Parodie auf das Filmbusiness der Fünfzigerjahre und trumpft mit einem grossartigen Starensemble auf. Die detailreichen Sets orientieren sich an den überdimensional grossen Produktionen der McCarthy-Ära, die Filme wie The Ten Commandments und Singin' in the Rain hervorbrachte. Dabei zeigen die Coen-Brüder mit viel Humor und Liebe, wie realitätsfern die damaligen Produktionen waren. Obwohl die Story zwischenzeitig etwas zäh vorankommt, bietet der Film beste Unterhaltung vollgepackt mit Anspielungen auf Schauspieler, Filme und Ereignisse der damaligen Zeit.

Hail, Caesar! nimmt die Zuschauer mit in eine Zeit, zu der das Studiosystem Hollywoods langsam zu bröckeln begann. Das Fernsehen wurde zu einem echten Konkurrenten und der Kalte Krieg versetzte die Menschen in Paranoia. Um die Scheinwelt zu erhalten, gab es "Fixer" wie Eddie Mannix und Howard Strickling, die dafür sorgten, dass ihre Stars nicht in die Schlagzeilen gerieten. Auf diesen beiden Männern - der Name legt es nahe - basiert Josh Brolins Figur des Eddie Mannix. Er ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Figuren. Inmitten seiner exzentrischen Stars agiert er kontrolliert und gewissenhaft.

Die Zuschauer begegnen diesen Stars jeweils zum ersten Mal während der Dreharbeiten ihrer Filme (im Film), und diese könnten unterschiedlicher nicht sein: Baird Whitlock auf dem Set von "Hail, Caesar!"; dem Aqua-Starlett DeeAnna Moran inmitten einer Wasserchoreografie; dem Musicalstar Burt Gurney (Channing Tatum) in einer Tanzszene; und dem Westerndarsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) bei einer Verfolgungsjagd auf dem Pferd. Der Film im Film hält den Zuschauern das Spiel mit der Illusion durch seine stetigen Übertreibungen (Hobie macht einen Salto auf dem Pferd) direkt vor Augen.

Zugleich sind die Anspielungen auf echte Filmstars dieser Ära nicht zu übersehen. So basiert die Rolle der DeeAnna Moran auf dem Aqua-Starlet Esther Williams und dem Film Million Dollar Mermaid. Clooneys Whitlock ist eine Art Charlton Heston, und Channing Tatum gibt den Gene Kelly mit extra viel Theatralik. Den Coens und ihrem Team gelingt es, den Stil der damaligen Produktionen bis zur kleinsten Requisite aufzuarbeiten, und sie hatten sichtlich Spass, sich in den unterschiedlichen Genres auszutoben.

Die Entführung Whitlocks wird dabei fast zur Nebensache. Durch die vielen Nebenschauplätze geht die eigentliche Handlung zuweilen verloren. Hail, Caesar! überzeugt vielmehr mit cleveren Dialogen und überzogenen Charakteren. Laut Clooney ist Baird Whitlock die dümmste Rolle, die er bisher in einem Film der Coen-Brüder spielen durfte. Selbst als Geisel wähnt sich Whitlock in völliger Sicherheit und lauscht fasziniert den Theorien seiner kommunistischen Entführer. Tilda Swinton verwirrt in ihrer Doppelrolle der rivalisierenden Zwillinge Thora und Thessaly nicht nur Mannix mit ihrem identischen Auftreten - der grösste Unterschied zwischen den beiden ist, dass die eine 19 Millionen Leser und die andere 20 Millionen Leser hat. Und Alden Ehrenreich überrascht als einfacher Westerndarsteller Hobie Doyle, den das Studio zum glamourösen Star befördern möchte, obwohl er keinerlei Schauspieltalent hat. Er scheitert bereits an der Textzeile "Wäre es doch bloss so einfach." Wie Whitlock ist auch Hobie nicht der Hellste.

Hail, Caesar! ist demnach die perfekte Ergänzung zu der "Idioten"-Trilogie, wie die Coens und Clooney sie nennen. Zu dieser gehören Burn After Reading, Intolerable Cruelty und O Brother, Where Art Thou?. Wer diese mochte, dem dürfte Hail, Caesar! ebenfalls gefallen.

/ swo

Kommentare Total: 2

nna

Ich habe mich köstlich amüsiert bei Hail, Caesar!. Ralph Fiennes und Alden Ehrenreich brillieren in ihren Rollen und haben gemeinsam die bestimmt beste Szene des Films. Auch Josh Brolin, Tilda Swinton und eigentlich der ganze restliche Cast können überzeugen. Allein die etwas unfokussierte Storyline ohne wirklichen roten Faden hat mich etwas gestört. Hingegen habe ich das Gefühl, die Coens hätten das extra gemacht, um den wirren Alltag von Eddie Mannix auf einer Meta-Ebene zu demonstieren.

swo

Filmkritik: Wäre es doch bloss so einfach

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