Hacksaw Ridge (2016)

Hacksaw Ridge (2016)

Hacksaw Ridge - Die Entscheidung
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  3. 139 Minuten

Filmkritik: Der Glaubenskrieger

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Bub bekommt Bibel.
Bub bekommt Bibel.

Der gottesfürchtige Desmond Doss (Andrew Garfield) ist seiner Verlobten (Teresa Palmer) versprochen, als er zur Armee geht. Wild entschlossen, den Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg zu dienen, vollzieht er die Grundausbildung unter erschwerten Bedingungen. Die Kasernenkameraden um Smitty (Lukey Bracey) verprügeln ihn, weil sie nicht verstehen wollen, dass er wegen seines Glaubens aufs Maschinengewehr verzichtet. Auch den Vorgesetzen (Vince Vaughn, Sam Worthington) ist das Bürschchen ein Dorn im Auge. Doch Desmond bleibt auch dann noch hart, als er wegen eines Arrests seine eigene Hochzeit verpasst.

Waffenloser Dienst.
Waffenloser Dienst.

Erst als das Militärgericht sich zu Desmonds Gunsten entscheidet, ist sein Weg ins Kriegsgebiet frei. Sogar sein alkoholkranker Vater (Hugo Weaving) setzt sich als Erstweltkriegsveteran vor dem Richter für ihn ein. Bei der Schlacht um die Pazifik-Insel Okinawa kommt es für Desmond und sein Batallion zur Bewährungsprobe. Die Japaner leisten erbitterten Widerstand, und die Verluste sind zahlreich. Doch Desmond vertraut auf Gott und gibt alles, um so vielen Soldaten wie möglich medizinisch beizustehen.

Mel Gibson geht bei seinem Comeback auf Nummer sicher. Mit grossen Budget und vielem, was in Australien schauspielerischen Rang und Namen hat, verbindet er Kriegshelden-Pathos mit Brutaloszenen zu einem Mainstream-Hit um einen Bibelfreund und Helfer im Zweiten Weltkrieg. Andrew Garfield nimmt man die Rolle als religiösen Knilch nur allzugut ab. Und Gibson bleibt sich zumindest treu.

Es wurde ruhig um Braveheart-Regisseur Mel Gibson. Trinksucht, häusliche Gewalt und Antisemitismus waren zuviel Skandal fürs feine Hollywood. Die letzte grosse Hauptrolle in The Beaver wurde auch zum Flop, weil die Leute den Mann vor der Kamera nicht mehr von der Skandalnudel trennen konnten. Die Regie-Arbeit Apocalypto ist bereits zehn Jahre her. Mit einem Kriegsfilm über einen Dienstverweigerer aus Glaubensgründen, der trotzdem mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurde, wagt er sich nun ans Comeback.

Desmond Doss' Geschichte ist ein Glückfsall für Gibson. Sie verquickt Religion und Gewalt zu einem Heldenepos, das seinem Weltbild entspricht. Mit den brutalen Schlachtszenen kann er seiner blutrünstigen Art, die schon in Apocalypto und The Passion of the Christ die Zartbesaiteten aufgeschreckt hat, treu bleiben. Und mit der Bibel in der Hand lassen sich auch die übelsten Kriegsgräuel überstehen. Das ist mitunter die Message des Films. Auch wenn Doss streng genommen ein Protestant war - und kein Katholik wie Gibson.

Hacksaw Ridge, der Name ist der Felswand geschuldet, an der das Kampfgeschehen im Film wütet, teilt sich in drei Teile. Die Vorgeschichte streift die Kindheit Doss' im gewaltaffinen Elternhaus und schildert die Eroberung der Frau fürs Leben als Liebe auf den ersten Blick. Die darauf folgende Grundausbildung in der Armee inszeniert Gibson mit allen nur möglichen Versatzstücken: vom schreienden Seargent über den Schlammparcours bis zu den bornierten Betonköpfen im Hauptquartier. Vince Vaughn gefällt sich dabei als Schreihals mit Hang zur verbalen Degradierung. Das ist Mainstream-Kino mit klar definierten Charakteren.

Erst im eigentlichen Krieg wird's fürs gemeine Publikum ein bisschen zu splatterig. Als müsste Gibson Saving Private Ryan übertreffen, werden Teile der Schlacht um Okinawa sehr drastisch mit zerschossenen Köpfen und abgehackten Gliedern nachgestellt. Umso erbaulicher, dass hier ein Mann mehr als 70 Soldaten das Leben rettet - ohne ein Gewehr dabeizuhaben. Die Medal of Honor für Doss ist verdient. Ob sich Gibson rehabilitieren kann, wird sich weisen. Zumindest bleibt er sich auch nach zehn Jahren Zwangspause selber treu.

/ rm

Kommentare Total: 3

Murikov

Ging klar. Bekommt von mir ein sehr gutes «Mittelmässig», aber mehr auch nicht. Gefiel mir jedenfalls besser als Gibson's bisheriger Chäpslifilm We Were Soldiers.

Die Stärken des Films liegen sicher in den wirklich gelungenen Schnitten und pyrotechnischen Effekten sowie in der Handlung des zweiten Drittels, aber am Schluss wird's etwas zu viel des Guten respektive der tausendmal gesehenen Filmklischees. Spätestens dann merkt man, dass es sich hier immer noch um unseriöse Hollywood-Unterhaltung handelt anstatt eines pseudo-dokumentarischen Historienfilms.

Im Endeffekt bewegt sich Hacksaw Ridge etwas zwischen dem üblen Windtalkers und dem nach wie vor gelungenen Letters From Iwo Jima.

Wer mit diesen Erwartungen ins Kino geht, wird sicher nicht enttäuscht.

andycolette

Absolut sensationell Schnitte Machart Ton glaub das beste wo ich gesehen habe!!! Mel Gibson zeigt die Brutalität des Krieges in voller Härte!!! Super Soundtrack und Darsteller!!!!

rm

Filmkritik: Der Glaubenskrieger

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