The Good Neighbor (2016)

The Good Neighbor (2016)

Filmkritik: Big Brother is scaring you!

Game Over?
Game Over? © Studio / Produzent

Ethan (Logan Miller) und Sean (Keir Gilchrist) haben ein spezielles Experiment geplant. Sie wollen einem alten, mürrischen Nachbarn, Mister Grainey (James Caan), Angst machen. In dem sie Kameras im Haus verstecken und mittels moderner Technologie Türen und Fenster bewegen, spielen sie dem Alten vor, dass es in seinem Haus spukt. Als Grainey seinem Alltag folgt und sein Haus verlässt, beginnt die Installation der Technik. Bald schon haben die beiden Jungs das Nachbarhaus verwanzt und starten ihre Aktionen.

Was hat er zu verbergen?
Was hat er zu verbergen? © Studio / Produzent

Mit blinkendem Licht wird begonnen und bald schon knattern die Türen. Doch die Reaktion des alten Mister Grainey ist nicht diejenige, die das Experimenten-Duo erwartet hat. Denn grosse Angst oder gar Panik bleiben aus. Dafür steigt der Alte regelmässig ein seinen mit grossem Schloss versehenen Keller und bleibt für Stunden dort. Was hat der Kerl dort zu suchen? Wieso erschrickt er nicht ab dem veranstalteten Spuk? Und warum findet der gerufene Cop im Keller scheinbar nichts Aussergewöhnliches?

Nein, ein Hitchcock ist Kasra Farahani nicht und das merkt man The Good Neighbor auch an. Trotzdem bleibt das Ganze über fast die gesamte Spielzeit interessant und wechselt von der anfänglichen Spannung zunehmend in Richtung Drama. Altmeister Caan überzeugt in seiner stillen und ruhigen Rolle und macht die Zuschauer neugierig darauf, was es mit dem alten Mann und seinem Keller auf sich hat.

James Caan ist einer der ganz Grossen Hollywoods. Für The Godfather holte er sich eine Oscarnomination ab, seine Rolle in Misery ist Kult und in Silent Movie war er auch dabei. Heute, mit fast 80 Jahren, sind die Filme ein bisschen kleiner geworden, aber die Rollen bleiben interessant. So auch in The Good Neighbor, in dem der Meister keine grossen Reden schwingen muss, aber als mürrischer Nachbar stetig im Mittelpunkt steht.

The Good Neighbor hat alle Voraussetzungen für einen mörderisch spannenden Thriller, in welchem die Zuschauer Schreckmomente um die Ohren geklatscht bekommen - Hitchcock und sein Rear Window lassen grüssen. Oder «hätten» grüssen lassen können, hätte Regisseur Kasra Farahani nicht bald vom Thriller auf ein Drama umgeschwenkt. Denn obwohl The Good Neighbor am Anfang spannend startet und die Rollen von Gut und Böse klar verteilt sind, entwickelt sich der Film in eine andere Richtung, die aber nicht weniger interessant ist. Wer ist gut? Wer ist böse? Wer handelt richtig? Hat der Alte wirklich Geheimnisse?

Darstellerisch steht, wie erwähnt, James Caan im Mittelpunkt. Zurückhaltend spielt er seine Figur, die viel mehr zu bieten hat, als ursprünglich angenommen. Die beiden Jungstars Miller und Gilchrist können sich dagegen anstrengen, wie sie möchten. Ihre Rollen bleiben oberflächlich und schon fast nebensächlich. Obwohl man versucht, den Figuren gegen Ende noch etwas Fleisch an den Knochen zu nageln, bleiben sie die tragischen Charaktere dieses kleinen, aber feinen Films.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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