Free Fire (2016)

Free Fire (2016)

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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Boom, tätsch, hahaha

41st Toronto International Film Festival
Noch haben sie sich alle lieb
Noch haben sie sich alle lieb

1978: Justine (Brie Larson) bringt die IRA-Männer Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) mit den Waffenhändlern Vernon (Sharlto Copley) und Ord (Armie Hammer) für einen Deal zusammen. Über die Bühne soll dies in einem verlassenen Lagerhaus gehen - ohne Komplikationen, hoffen die Anwesenden. Doch bei einem Deal wie einem solchen braucht es nicht viel, damit die Angelegenheit eskaliert. So ist es sicher nicht hilfreich, dass Vernon andere Waffen mitgebracht hat als jene, die abgemacht wurden. Doch noch bleibt alles ruhig.

Erst als die Waffen verladen werden, kommt es zum Chaos. Der auf IRA-Seite stehende Junkie Stevo (Sam Riley) hat am Vorabend die Cousine des Waffendealer-Fahrers Harry (Jack Reynor) entstellt. Als Harry Stevo sieht, kommt es zum Handgemenge und wenig später auch zu den ersten Schüssen. Es beginnt eine riesige Schiesserei, bei der jedoch die Treffsicherheit auf beiden Seiten zu wünschen übrig lässt.

Der minimalistische Ballerfilm Free Fire ist ein riesiger schwarzhumoriger Spass, der in den ersten 20 Minuten für Spannung sorgt und danach viel zu lachen gibt. Denn in Ben Wheatleys Film schiessen nicht nur die Figuren scharf mit ihren Waffen, sondern auch mit Worten. So hofft man, dass keine der Figuren stirbt, da dies den Unterhaltungswert schmälern könnte. Wie gut, dass alle anscheinend unfähig sind, schwerwiegende Treffer zu landen und so mit ihren Kugeln mehr Lacher als den Tod bringen. Selten verbreitete eine Filmschiesserei dermassen viel Spass.

Mit High-Rise fabrizierte Regisseur Ben Wheatley eine der grösseren (Film-)Enttäuschungen der letzten paar Jahre. Die Verfilmung des Romans von J.G. Ballard war ein heilloses Durcheinander, das mehr durch inszenatorische Mätzchen auffiel als durch ein anständiges Storytelling. Für seinen neusten Film berief sich Wheatley nun auf die Godard-Doktrin: "Alles, was man für einen Film braucht, ist eine Frau und eine Waffe". Die Frau in Free Fire ist Oscarpreisträgerin Brie Larson, und mit ihr ballern im schwarzhumorigen und deftigen Streifen unter anderem auch Armie Hammer, Cillian Murphy und Sam Riley um die Wette. Und siehe da: mit dem minimalistischen Film, der nur in einer Lagerhalle spielt, ist Wheatley sein bisher bester und unterhaltsamster Film gelungen.

Ein paar Gangster mit Meinungsverschiedenheiten in einem Lagerhaus - klingt nach Reservoir Dogs, doch anders als die über 100 Copycats braucht Free Fire den Vergleich mit Tarantinos Erstling nicht zu scheuen. Anders als bei Tarantino spielen sich hier die Geschehnisse jedoch chronologisch ab - es gibt also keine Rückblenden, um die Figuren zu vertiefen. Braucht es jedoch überhaupt nicht.

Zwar fühlen wir nicht wirklich mit den Charakteren mit, aber trotzdem wollen wir nicht, dass da einer stirbt. Denn das Zusammenspiel und die Schiessereien sind verdammt witzig, und es wäre schade, wenn da einer oder eine nicht mehr mitmischen könnte. Gut, dass alle die Zielgenauigkeit von Sturmtrupplern besitzen und so entweder vorbeischiessen oder nur nicht überlebenswichtige Körperteile (Arme, Beine, Schultern) treffen. Sharlto Copleys Charakter Vernon sagt so einmal treffend, dass er eher einer an der Infektion stirbt als an der Kugel, die ihn verletzt hat. Gegen Ende hin scheint keiner der Protagonisten mehr zu gehen, sondern sie kriechen alle am staubigen und dreckigen Boden herum. Dies ist herrlich absurd und zum Schieflachen. Schweigen die Pistolen, werden fleissig "Nettigkeiten" ausgetauscht, die ebenfalls zum Grölen sind.

Clever zudem, dass Wheatley Free Fire in den Siebzigern angesiedelt hat. So kann keine Verstärkung via Handy angefordert werden, sondern die Gangster müssen das Ganze untereinander klären. Die Hoffnung, dass dies friedlich vonstatten geht, wird in den ersten, intensiven 20 Minuten begraben. Die Stimmung ist von Anfang gereizt und entlädt sich dann im grossen Shootout - einem Shootout, das man von der Kameraführung und dem Schnitt, sowie den darstellerischen Leistungen kaum besser machen könnte. Der von Martin Scorsese produzierte Film ist ein riesiger Spass. Gerne wieder einmal minimalistisch, Mr. Wheatley.

/ crs

Kommentare Total: 3

philm

Ein Film zum Schiessen ? Und im coolen GTA Vice City Style

bloodout

Eigentlich Simpel ,jeder will Jeden Töten !Bande gegen Bande !Was mich Erstaunt hat,Martin Scorsese wollte Unbedingt Diese Remake mit Verfilmen ,da er das Original aus den Späten 70gern Fantastisch Fand !
Päng Päng ,doch einige Dialoge und Gags sind doch noch Witzig !

crs

Filmkritik: Boom, tätsch, hahaha

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