Frantz (2016)

Frantz (2016)

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  2. 113 Minuten

Filmkritik: Ein Franzose in Quedlinburg

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Geheimnisvoll: Adrien
Geheimnisvoll: Adrien

Jeden Tag geht Anna (Paula Beer) zum Grab ihres Verlobten Frantz (Anton von Lucke), der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Eines Tages taucht ein junger Mann (Pierre Niney) auf und legt frische Blumen auf das Grab. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Unbekannten um einen Franzosen namens Adrien. Obwohl Frantz' Vater (Ernst Stotzner) zunächst skeptisch ist, nehmen Anna und ihre Schwiegereltern den Franzosen bei sich auf. Doch Adriens Anwesenheit stösst auf viel Gegenwehr im kleinen Quedlinburg. Bei den Anwohnern ist der Franzose nach der Niederlage im Krieg nicht gern gesehen. Und vor allem Kreutz (Johann von Bulow), der kurz zuvor um Annas Hand angehalten hat, ist Adrien ein Dorn im Auge.

Fast wie früher
Fast wie früher

Für Anna und ihre Familie hingegen ist es, als würde Frantz durch Adriens Erzählungen wieder zum Leben erweckt. Zwischen Anna und Adrien entwickelt sich eine enge Freundschaft und in Anna entfacht eine neue Lebensfreude. Sie ahnt nicht, dass Adrien ein dunkles Geheimnis vor ihnen verbirgt.

Nach Jeune & jolie und Une nouvelle amie inszeniert François Ozon mit Frantz ein Drama über Schuld und Vergebung. Der Film vermittelt eindrücklich die Stimmung im Nachkriegsdeutschland der frühen Weimarer Republik. Auch wenn es nicht Ozons bestes Werk ist, zeigt sich der Regisseur stilsicher und erinnert mit seinem Schwarz-Weiss-Streifen an Das weisse Band. Ob der Film an Ernst Lubitschs Original herankommt, ist allerdings eine andere Frage.

Basierend auf einem französischen Theaterstück und dem Ernst-Lubitsch-Film Broken Lullaby, spinnt Ozon die Geschichte um Anna und Adrien etwas weiter als im Original. So spielt die erste Hälfte des Films wie in der Vorlage in Deutschland. Im zweiten Teil begibt sich Anna dann aber nach Frankreich, um nicht nur Adrien, sondern auch sich selbst zu finden. Ozon war es vor allem wichtig, seine Version dieser Nachkriegsgeschichte aus Sicht der Deutschen zu erzählen. Broken Lullaby entstand einige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg, in einer hoffnungsvollen Zeit, in der die Gräuel der Nazis noch nicht vorherzusehen waren. In Frantz legt Ozon hingegen mehr Fokus auf die feindliche Stimmung, die sich nach der Niederlage in der Weimarer Republik abzeichnete.

Um die Stimmung und Atmosphäre dieser Zeit zu vermitteln, ist der Film grösstenteils in Schwarz-Weiss gehalten. Stilistisch erinnert dies, wie auch Kostüme und Design, stark an Das weisse Band, dessen Handlung nur wenige Jahre vor Frantz spielt. Dank dieser Stilmittel versetzen Ozon und Team die Zuschauer wirkungsvoll in das Jahr 1919 zurück und zeichnen die emotionale Reise seiner Hauptfigur Anna nach. Ozon setzt Farbe nur spärlich und gezielt ein, oft in Szenen, in denen die Protagonisten von Frantz erzählen und sich an ihn erinnern. Eine Szene, in der Anna und Adrien durch die Natur streifen, spielt auf Gemälde des Frühromantikers Caspar David Friedrich an. Die Farbe soll hier Symbol für das Leben sein. Dies funktioniert nur bedingt, da die Farbszenen nicht sehr kontrastreich sind. Zudem nutzt Ozon ausgerechnet Farbe in einer Szene, die im Schützengraben spielt. Gerade hier wird nichts zum neuen Leben erweckt, im Gegenteil. So stellt sich die Frage, warum der Film nicht ganz in Schwarz-Weiss gehalten wurde.

Paula Beer ist die ideale Besetzung in der Rolle der Anna und haucht ihrer Figur sowohl auf Deutsch als auch Französisch neues Leben ein. Pierre Niney, bekannt aus dem Biopic Yves Saint Laurent, kommt ihr gegenüber etwas blass daher. Die innere Zerrissenheit, die Adrien empfinden muss, kommt beim Publikum nicht an. Dies liegt auch daran, dass Ozon sich lieber auf die emotionale Entwicklung seiner Protagonistin konzentriert als auf den sensiblen Franzosen. Denn dies ist Annas Geschichte, nicht Adriens - und auch nicht die von Frantz.

/ swo

Kommentare Total: 2

globinli

Wirklich toller Film. Man wird 100 Jahre zurückversetzt. Zeigt sehr fein, dass nicht alles schwarz oder weiss ist.

swo

Filmkritik: Ein Franzose in Quedlinburg

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:59