Everybody Wants Some!! (2016)

Everybody Wants Some!! (2016)

  1. 117 Minuten

Filmkritik: Sex, Drugs and a ton of 80s music

"Was schwafelst du von einem Mischverhältnis?"
"Was schwafelst du von einem Mischverhältnis?"

August 1980: Der Baseballspieler Jake (Blake Jenner) steht kurz vor dem Beginn seines Studiums an einer Universität in Texas. Um sich mit seinen neuen Teamkameraden und Mitbewohnern anzufreunden, reist er drei Tage vor Schulbeginn an. Das heruntergekommene Studentenheim und die leicht feindselig eingestellten Bewohner schrecken Jake jedoch zuerst ein bisschen ab. Doch es dauert nicht lange, bis er selbst Teil dieser Gruppe von Angebern und Frauenhelden wird, die sich selten wirklich ernstnehmen und alle aufgestellten Hausregeln ihres Coaches (keine Mädchen in der oberen Etage, keinen Alkohol) mit Freude brechen.

Cool Kids, 80s-Edition
Cool Kids, 80s-Edition

Jake beginnt sich immer wohler zu fühlen und lässt es mit seinen neuen Freunden Willoughby (Wyatt Russell), Finn (Glen Powell), Nesbit (Ausin Amelio) und Dale (J. Quinton Johnson) bei Partys ordentlich krachen. In dieser turbulenten, kurzen Vorstudiumszeit wird Jake auch noch der Kopf von der hübschen Beverly (Zoey Deutch) verdreht. Jake erlebt die Zeit seines Lebens.

Obwohl es in Everybody Wants Some!! vordergründig um Party und Bier geht, ist Richard Linklaters Neuster ein wunderbarer kleiner Film zum Wohlfühlen. Tolle Jungdarsteller, sackstarke Dialoge und schmissige 80s-Musik werden hier zu einem höchst unterhaltsamen Ganzen vermischt, das auch Tage später noch zum Grinsen verleitet. Der Nostalgietrip zu vergangenen wilden Tagen macht Spass von Anfang bis Schluss und gehört zu den Filmen, die man 2016 gesehen haben muss.

Nach seinem Kritikerdarling Boyhood, der das Leben eines Jungen von sechs bis 18 Jahren zeigte, schaute auch Regisseur Richard Linklater zurück auf seine jungen Jahre. Gemeint ist aber nicht die Pubertät, sondern die jungen Regiejahre. Sein 1993 erschienener Dazed and Confused wird in verschiedenen Kreisen als Kultfilm verehrt und auch heute macht das Filmchen mit all den damals noch unbekannten Stars (Ben Affleck, Milla Jovovich, Matthew McConaughey) grossen Spass. Mit Everybody Wants Some!! hat Linklater einen nach seinen Worten "spirituellen Nachfolger" gedreht. Die damit 26 Jahre später erscheinende Fortsetzung hat zwar keine wiederkehrenden Protagonisten, aber dafür erneut unverbrauchte Gesichter und eine Dichte von gelungenen Sprüchen, welche während den gesamten 117 Minuten Dauergrinsen auslösen.

Jeder, der schon einmal auf einer Party war oder mit Freunden "abhängte", wird viele der Szenen in Everybody Wants Some!! wiedererkennen. Die Vertrautheit vieler Situationen macht einen grossen Teil des Spasses aus. Nach einer fast schon magischen Szene in einem Auto mit dem Song "Rapper's Delight" inkl. ein paar herrlichen Wortwechseln ist der Zuschauer verliebt in diese Charaktere und ihre Gruppendynamik. Vor allem Glen Powell als Finnegan ist "en geile Siech", mit dem man gerne abhängen würde.

Dazed and Confused zeigte die Zeit nach dem letzten Tag der Schule, die Figuren kannten sich untereinander also schon. Der Zuschauer musste sich zuerst zurechtfinden. In Everybody Wants Some!! steht Protagonist Jake kurz vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts und kennt an dem College kaum jemanden. So geht der Kinobesucher wie Jake auf Entdeckungsreise, was deutlich mehr Spass macht. Heimweh klammert Linklater dabei komplett aus - würde eh nur den Fun-Level nach unten ziehen.

Der Fokus liegt auf Bier, Frauen und Partymachen. Das klingt jetzt sehr hohl, aber zum Glück wird auf Humor aus der untersten Schublade à la Superbad und Neighbors verzichtet. Stattdessen gibt es auch dank des 80s-Settings viel Nostalgie zum Wohlfühlen und sehr gut geschriebene, witzige Dialoge. Indem Linklater zudem immer mal wieder ein paar schlaue Sätze über Selbstfindung und Zusammenhalt einbaut, wird der Film nicht zum völlig hirnlosen Partyspass. Solche Sachen wie auch die kleine süsse Lovestory gehen ans Herz und machen aus Everybody Wants Some!! einen wunderbaren Film zum Gernhaben.

Einen nicht kleinen Anteil am filmischen Triumph hat auch der grossartige Soundtrack, der wohl zwei Kassetten auf der A- und B-Seite füllen dürfte. "My Sharona", "Heart Of Glass", "Urgent", "Another One Bites The Dust" und natürlich auch Van Halens titelgebender Song laden zum Mitwippen ein. Obwohl die Frauen bei diesem Guy-Film etwas zu kurz kommen, ist Everybody Wants Some!! einer von Linklaters besten Filmen geworden, da er das Lebensgefühl "nicht viele Verpflichtungen, aber immer genügend Bier" perfekt einfängt. Jeder weitere filmisch umgesetzte Nostalgie-Trip des Texaners ist höchst willkommen.

/ crs

Kommentare Total: 2

philm

Im Gegensatz zu diesem Film hatte nebst toller Kulisse und tollem Sound "Guardians of the Galaxy" eine Story!
Mir ist schleierhaft wieso dieser Film so hoch bewertet ist. Eine lose Zusammenreihung von belanglosen Momenten eines Studentenlebens: Gähn! Und die guten Dialoge waren auch spärlich...

crs

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