The Edge of Seventeen (2016)

The Edge of Seventeen (2016)

Filmkritik: Alles Mist, alles Mist!

41st Toronto International Film Festival
"Mit so viel Bullshit muss ich klarkommen."
"Mit so viel Bullshit muss ich klarkommen."

Die 16-jährige Nadine (Hailee Steinfeld) ist eine Aussenseiterin an ihrer Schule. Mit dem Grossteil ihrer Klassenkameraden kann sie rein gar nichts anfangen, was sie diese mit ihrem frechen Mundwerk auch mal wissen lässt. Nadine macht ohnehin gerade eine schwere Zeit durch. Mit ihrer Mutter (Kyra Sedgwick) kommt sie nicht klar und ihr Bruder Darian (Blake Jenner) scheint mit einer solchen Leichtigkeit durchs Leben zu gehen, dass es Nadine einfach nur nervt. Die einzige Person, die zu ihr hält, ist ihre beste Freundin Krista (Haley Lu Richardson). Doch dies könnte sich bald ändern.

"Hast du vielleicht ein Twinkie?"
"Hast du vielleicht ein Twinkie?"

Nach einer feucht-fröhlichen Pyjama-Party, die für Nadine neben der Toilette endete, erwischt sie am Morgen danach ihren Bruder und ihre besten Freundin zusammen im Bett. Das geht gar nicht, und so stellt Nadine Krista vor die Wahl: Entweder sie hört dieses Techtelmechtel sofort auf oder das war's mit der Freundschaft. In all ihrem Zorn scheint Nadine aber nicht zu realisieren, dass es viele in ihrem Umfeld gut mit ihr meinen und nicht die ganze Welt gegen sie ist. Können der Lehrer Mr. Bruner (Woody Harrelson) oder der schüchterne Klassenkamerad Erwin (Hayden Szeto) Nadine die Augen öffnen, bevor sie es sich mit allen verscherzt hat?

The Edge of Seventeen ist eine richtig tolle Teenie-Komödie mit einer überzeugenden Hailee Steinfeld als unmöglicher Klugscheisser, den man trotzdem ins Herz schliessen kann. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit bleibt der Unterhaltungswert über die ganze Laufzeit hoch, woran auch Woody Harrelson als sarkastischer Lehrer einen grossen Anteil hat. Ein kleiner Geheimtipp und eine der besten Teenie-Komödien des neuen Jahrtausends.

Nadine ist eine unmögliche Person: Für sie ist alles Mist und wenn man ihr helfen möchte, hat sie nur Sprüche übrig. Wieso sollte man deshalb 100 Minuten mit einer solchen Figur verbringen? Na, weil The Edge of Seventeen lustig, frech sowie herzig ist und das Lebensgefühl von Teenagern perfekt einfängt.

Durch ihre Taten ist Nadine nicht gerade ein Charakter zum traditionell Gernhaben. Selbstzerstörerisch schlägt sie sich durch die Schule, was zum Glück nicht physisch passiert - Nadine ist kein Emo-Kind. Sie ist mit ihren Schimpftiraden und ihrem losen Mundwerk mehr ein Elefant im Gefühlsporzellanladen. Doch fast jeder dürfte sich schon mal in einer Situation wie die Protagonistin wiedergefunden haben; wenn sich die ganze Welt gegen einen verschworen zu haben scheint. So ist Nadine mehr Identifikationsfigur als jemand, mit dem man freiwillig abhängen würde. Die Leck-mich-doch-am-Arsch-Attitüde bringt Hailee Steinfeld mit ihren Gesichtsausdrücken und den fiesen, aber überaus witzigen Sprüchen herrlich rüber.

Richtig zurückgeben tut da eigentlich nur Woody Harrelson als ihr Lehrer, der Nadines Bullshit durchschaut und sie versucht auf den richtigen Weg zu bringen. Dies klingt jetzt viel schwülstiger als es ist. Harrelsons Mr. Bruner ist keiner, der mit inspirierenden Sprüchen Besserung bringt. Als Nadine in der ersten Szene in seine Mittagspause hereinplatzt mit der Ankündigung, sich selbst umzubringen, hört er sich das an und liest ihr dann seinen eigenen Abschiedsbrief von der Welt vor. Er möchte nicht mehr weiterleben, da die einzige ruhige Zeit seines Tages immer wieder von derselben Schülerin unterbrochen wird. Feuer wird mit Feuer bekämpft, oder in diesem Fall Bullshit mit Bullshit. Harrelson ist schlicht grossartig mit seinem trockenen Humor.

Das äusserst clevere Drehbuch von Regisseurin von Kelly Fremon Craig hat aber nicht nur Lacher zu bieten, sondern wagt sich auch an emotional schwerere Themen heran, die hier jetzt aber nicht gespoilert werden sollen. Trotzdem bewahrt sich The Edge of Seventeen seine Leichtigkeit. Dies auch mit dem Wissen, dass der nächste grosse Lacher selten weit entfernt ist. Was man dem Film vorwerfen kann, ist eine gewisse Vorhersehbarkeit und ein paar Klischees, die auch diese Teenie-Komödie nicht umgehen können. Doch am Ende bleibt ein überaus positiver Eindruck. Man hat gelacht, geweint und beim Abspann ist da ein Lächeln auf dem Gesicht. Nadine ist eine unmögliche Person. Aber sind wir nicht alle ein bisschen unmöglich?

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Nach Perks Of Being A Wallflower und Me and Earl and the Dying Girl kommt dieses Jahr The Edge of Seventeen. Eine toll gespielte, witzige und gleichzeitig rührende Teenagerkomödie, die bis auf ein paar unnötige Klischee voll ins Herz trifft.

5.5

crs

Filmkritik: Alles Mist, alles Mist!

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