Doctor Strange (2016)

Doctor Strange (2016)

Dr. Strange
  1. , ,
  2. 115 Minuten

Filmkritik: How I Learned to Stop Worrying and Love Magic

Nie ohne meine Bauchtaschenlampe
Nie ohne meine Bauchtaschenlampe

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein brillanter und weltberühmter Neurochirurg, der es jedoch mit dem Zwischenmenschlichen nicht so hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass seine Versuche, bei der Krankenschwester Christine Palmer (Rachel McAdams) zu landen, alle fehlschlagen. So ist Strange mal wieder gezwungen, alleine zu einem feierlichen Anlass zu fahren. Doch in jener Nacht baut er mit seinem Auto einen schrecklichen Unfall, bei dem seine Hände in arge Mitleidenschaft gezogen werden. Trotz vieler Operationen kriegt er das Zittern aus seinen Fingern nicht weg und so ist es natürlich vorbei mit seiner Chirurgenkarriere.

Inception who?
Inception who?

Doch Strange will nicht aufgeben. Er hört von Heilungsmethoden im geheimnisvollen Kamar-Taj, die sogar einem Querschnittsgelähmten wieder das Laufen möglich gemacht haben sollen. So reist Strange dorthin und lernt unter der Leitung von "The Ancient One" (Tilda Swinton) das Beherrschen von magischen Kräften, mit denen er sich auch Zutritt zu anderen Dimensionen verschaffen kann. Als der gefährliche Magier Kaecilius (Mads Mikkelsen) Chaos über alle Welten bringen will, muss Strange ihn stoppen.

Die grosse Revolution im Superheldengenre bringt Doctor Strange zwar nicht, aber dafür spektakuläre und wahnwitzige Action, die man so noch selten gesehen hat. Der 14. Film des Marvel Cinematic Universe bietet sensationelle Schauwerte, auch wenn die Story ein bisschen vorhersehbar ist. Benedict Cumberbatch gefällt als Sorcerer Supreme in einem Fantasy-Trip, den man nicht so schnell vergisst.

"Nicht noch eine weitere neue Marvel-Figur", dürfte man sich aufgrund der bevorstehenden Klassenzusammenkunft, die da Avengers: Infinity War heisst, denken. Die Figurenanzahl ist schon dank Avengers und Guardians genug gross. Doch Marvel macht sich ihren Katalog zu nutzen, und bringt mit ihrem inzwischen 14. Film nun die siebte Originstory auf die Leinwand. Dabei sollte man sich nicht vom neu animierten Marvel-Studio-Logo zu Beginn blenden lassen: Auch Doctor Strange erzählt die bekannte "From-Asshole-To-Zero-to-Hero-Geschichte". Wovon man sich aber gerne blenden lässt, sind die inszenatorischen Spielchen, welche Regisseur Scott Derrickson und sein Team bei der Magier-Story - Achtung: Wortspiel! - aus dem Hut gezaubert haben.

Ein bisschen wirkt das Marvel Cinematic Universe wie das Aufwachsen eines Filmfans. Zuerst gab es kernige Haudrauf-Action mit Iron Man und Hulk bis hin zum Actionfest Avengers. Danach machte das MCU sowas wie die Pubertät durch mit düsteren Geschichten wie Winter Soldier und Civil War. Mit Doctor Strange ist Marvel nun in der Experimentierphase angelangt. Das filmische Handwerk wurde genug geübt und nun wird auch mal was riskiert. Mit all den Sätzen über Multiversen und Spiegeldimensionen dürften sich einige aber vor den Kopf gestossen fühlen und werden keinen Plan haben, was genau passiert. Man kann sich die Mühe machen, dies alles zu verstehen. Oder man nimmt den von Tilda Swintons Ancient One geäusserten "Nicht alles muss einen Sinn ergeben" als Leitsatz und hat einfach Freude an den spektakulären Bilderwelten, die der Film bietet.

Wer schon nicht schlecht staunte, wie Ellen Page in Inception Paris faltete, wird hier den Nuggi endgültig verlieren. In spektakulären Actionszenen werden Grossstädte verbogen, zusammengefaltet oder Teile davon völlig neugeordnet. Es sind Bilder, die man selten in Blockbustern sieht und bei denen es sich definitiv lohnt, diese auf der grösstmöglichen Leinwand zu sehen.

Bei all den visuellen Wundern hakt es etwas mit dem Protagonisten. Es dauert eine Weile, bis man mit Benedict Cumberbatch in der Rolle des egoistischen Chirurgen warm wird - wohl auch, da dieser sehr an Tony Stark erinnert und die Figur des sympathischen Arschlochs niemand besser als Robert Downey jr. spielen kann. Das Duell der beiden Sherlocks verliert Cumberbatch auch aufgrund der weniger gelungenen Sprüche. Ein Charmebolzen ist Stephen Strange definitiv nicht, wobei die meisten Lacher auch nicht auf sein Konto gehen, sondern auf jenes seines Mantels. Mit seinen Aktionen ist er der witzigste Stofffetzen seit dem Perserteppich in Disneys Aladdin. Da sich Cumberbatch jedoch steigert, wird der Mantel nicht zum "Show Stealer".

Wenn Doctor Strange also auch aufgrund der vorhersehbaren Superheldengeschichte nicht mit den besten Filmen des Marvel Cinematic Universe mithalten kann, ist Regisseur Derrickson trotzdem spektakuläres und visuell aufregendes Blockbuster-Kino gelungen. Bei diesem Doktor schauen wir gerne mal wieder für einen Termin vorbei.

/ crs

Kommentare Total: 8

Legolas 23

Ich habe mich so auf den Film gefreut und als ich dann endlich sehen konnte, habe ich mich nur gelangweilt. Für mich war null Spannung vorhanden. Story... weiss nicht... hat es eine story... hat es irgend eine logik?
Dr. Strange war oder ist mir zu arrogant auch wenn es bewusst gewollt war... es hat mir persönlich nicht zu getan.
Die Effekte waren teils sehr gut aber das wars mehr nicht. Einen passenden (eigentlich schon passend, weil mau und nicht erwähnenswert) score gabs auch nicht.
Für mich einer der miessrsten MCU Filme.
Vieleicht ist es auch nichts für mich... fand captain america nicht sonderlich gut, so wie Thor und die ersten beiden avengers.
Vorher waren marvel filme ein granant für gute Filme. wahrscheinlich sind die x-men und ... galaxies etc. die ausnahme.

Valebolle_95

Optisch - super gemacht! Die Story ist nicht schlecht aber manchmal einbisschen vorhersehbar ..
Freue mich aber auf Doctor Strange im neuen Avengers Film !

db

Mässig interessante Mischung aus unsympathischem Hauptcharakter, blasser und motivloser Gegner und viel Matrix meets Inception. Aber Iron Man 1 hatte das gleiche Problem, dass neben der ganzen Etablierung von Hauptcharakter und dem ganzen Universum kaum noch Platz war, einen interessanten Gegenspieler aufzubauen - nur fehlt hier der Humor komplett. Von dem her durchzogener Auftakt für Doctor Strange.

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