Demain tout commence (2016)

Demain tout commence (2016)

Plötzlich Papa!
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  3. 118 Minuten

Filmkritik: Trouble in Paradise

Kinder...
Kinder... © Impuls Pictures AG

Samuel (Omar Sy) lebt ein äusserst angenehmes Leben an der französischen Südküste, wo er als Motorbootfahrer eines Hotels arbeitet. Mit Pünktlichkeit und Gehorsam nimmt er es jeweils nicht so genau, doch hat er es bis jetzt immer geschafft, sich aus allen Situationen rauszuquatschen. Doch eines Morgens wird er mit etwas konfrontiert, das sich nicht so einfach wegreden lässt. Denn da steht Kristin (Clémence Poésy) vor ihm, mit der er vor Monaten mal eine Affäre hatte. Bei sich hat Kristin ein Baby mit dem Namen Gloria, welches Samuels Tochter ist. Wenig später ist Kristin schon wieder weg und lässt das Kind bei Samuel zurück.

... wie die Zeit vergeht.
... wie die Zeit vergeht. © Impuls Pictures AG

Verzweifelt reist der Junggeselle nach London, um das Kind seiner Mutter zurückzugeben. Nur findet er sie nicht in der Grossstadt. So beginnt Samuel Gloria alleine in der britischen Metropole aufzuziehen. Dies geht alles wunderbar während acht Jahren. Doch dann kontaktiert Kristin Samuel über Facebook mit dem Wunsch, ihre Tochter zu sehen und sie zu sich zu nehmen. Kann dies Samuel zulassen?

Demain tout commence ist zum grossen Teil der Laufzeit ein herziges Feel-Good-Movie, das vor allem dank "Papi" Omar Sy und "Tochter" Gloria Colston überzeugt. Leider ist der Wechsel zum Drama-Teil der Geschichte nicht wirklich gelungen und gibt einem am Ende das Gefühl, zwei Filme gesehen zu haben. Trotzdem ist das Remake des mexikanischen Mega-Hits No se Aceptan Devoluciones gefällig und ein guter Zeitvertreib.

Mal Hände doch, wer alles hat den Film No se Aceptan Devoluciones gesehen? A-ha, dachten wir es uns doch, die wenigsten. Dabei war dieser sowas wie der Intouchables von Mexiko. Die Komödie um einen Frauenhelden, der sich plötzlich um eine Tochter kümmern musste, war ein unglaublicher Publikumshit und spielte in seiner Heimat sensationelle 46 Millionen Dollar ein. Weiter ist der Streifen hinter Crouching Tiger, Hidden Dragon, La vita è bella und Hero der vierterfolgreichste ausländische Film in den US-Kinos. Bei uns erschien die Tragikomödie unter dem Titel "Plötzlich Vater" auf DVD, und so dürften sich nicht viele über das obligate Remake echauffieren. Dieses verbreitet mit oder ohne Wissen des Originals dank dem Duo Omar Sy/Gloria Colston gute Laune und bietet einige Jöö-Momente, bevor etwas gar brüskt auf die Drama-Bremse getreten wird.

Deman tout commence ist dann am besten, wenn er Vater und Tochter beim Herumtoben zeigt. Omar Sy und Gloria Colston geben ein wundervolles Vater-Tochter-Gespann ab, deren fast permanente Fröhlichkeit sich positiv auf die Zuschauer im Kinosaal auswirkt. Das Zuhause von Samuel und Gloria erinnert zudem mit der Rutschbahn, dem Bällebad und riesigen Stofftieren mehr an die Kinderparadiese von McDonalds und Ikea als an die Standard-Familienwohnung. Passend zu dieser Ausstattung bewahrt sich auch der Film lange eine kindgerechte Leichtigkeit. So könnte dies noch lange weitergehen.

Tut es jedoch nicht. Mama kehrt zurück und bringt das Drama in die Story. Dies passiert sehr abrupt und schickt die Protagonisten zu allem Übel noch in den Gerichtssaal. Es ist ein sehr brutaler Wechsel, der noch durch das schwere Ende verstärkt wird. Man könnte am Ende meinen, zwei verschiedene Filme gesehen zu haben. Homogen ist definitiv anders.

Ein positiver Gesamteindruck bleibt aber trotzdem. Feel-Good wurde verbreitet und am Ende dürfen auch einige Tränen verdrückt werden, was den Film von Hugo Gélin das Prädikat "Sehenswert" einbringt. Aber leider eben nur "sehenswert".

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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