Deepwater Horizon (2016)

Deepwater Horizon (2016)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: (K)ein Katastrophenfilm

41st Toronto International Film Festival
Alles kommt gut, Schatz.
Alles kommt gut, Schatz.

April 2010: Die Bohrinsel Deepwater Horizon befindet sich 40 Meilen südöstlich von der Küste Louisianas, im Golf von Mexiko. Die Stimmung unter den Arbeitern ist gut, doch wird diese von hohen Tieren von BP getrübt. Diese sind gar nicht glücklich, dass man 43 Tage hinter dem Fahrplan zurückliegt. Für die BP-Herren unverständlich, möchten Bohrinsel-Chef Jimmy "Mr. Jimmy" Harrell (Kurt Russell) und Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) lieber weitere Tests machen, um nicht die Sicherheit der Arbeiter zu gefährden. Doch ihre Vorsichtsmassnahmen werden ignoriert.

"Alles gaht schief!!!"
"Alles gaht schief!!!"

Nach einem unsauber durchgeführten Test, welcher falsche Daten auf den Computerschirmen zeigte, kommt es zur Katastrophe. Der ganze Bohrapparat wird mit Schlamm überschwemmt und Gase treten aus, welche in die Luftschächte gelangen und dort eine Kettenreaktion auslösen. Innert kürzester Zeit brennt die ganze Deepwater Horizon lichterloh. Keiner scheint vor den Flammen sicher zu sein. Verzweifelt versucht Mike so viele Mitarbeiter wie möglich sicher von der Bohrinsel zu bringen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Peter Bergs Deepwater Horizon über die BP-Sauerei von 2010 ist ein äusserst effektiver Katastrophenfilm, der vor allem mit der Action in der zweiten Hälfe begeistert. Der Film macht es sich mit der klaren Einteilung von Gut (Arbeiter) und Böse (BP) zwar etwas einfach, aber sorgt dies für einen unterhaltsamen Spannungsaufbau, der sich dann in einem spektakulären Inferno entlädt. Eine kleine Überraschung.

Über die Explosion der Deepwater Horizon und die damit verbundene Umweltkatastrophe wurde nach April 2010 zur Genüge berichtet - und hatte auch einige herrliche South-Park-Parodien zur Folge. Die Wut auf BP ab dieser Sauerei war riesig und Regisseur Peter Berg liefert hier einen Reminder daran. Er zeigt den Konzern in Form von drei Geschäftsmännern als geldgeiles Unternehmen, dem an der Sicherheit der Menschen nicht viel liegt. Zugegeben, Berg betreibt hier rechte Schwarz-Weiss-Malerei, aber trotzdem ist ihm mit der Verfilmung der Ereignisse ein sehenswerter und atemberaubender Katastrophenfilm gelungen.

Wie schon Bruce Willis in Armageddon den NASA-Leuten klarmachte, ist Bohren eine Wissenschaft für sich. Diese für den Laien verständlich zu machen, ist schwer. Dies weiss auch Berg, trotzdem verzichtet er auf eine allzu vereinfachte Erklärung. Die erste Hälfte des Filmes ist gefüllt mit Fachbegriffen. Doch der Zuschauer muss eigentlich nur folgendes wissen: Arbeiter sind vorsichtig und deshalb gut, während die Herren von BP Stressköpfe sind und damit schlecht. John Malkovich ist einer der Stressköpfe und der Schauspieler hat sichtlich Freude am Part, in dem er Untergebene mobben und so seinen Plan durchsetzen kann. Deepwater Horizon macht es sich so recht einfach, was aber vom Storytelling auch äusserst effektiv ist. Wir wissen, was passieren wird und so ist das Warten auf den Knall unterhaltsam.

Fliegen den Arbeitern dann Schlamm und Bohrteile um die Ohren, fährt Berg die ganz grossen Geschütze auf. Die Explosionen sind riesig und rauben einem den Atem. Viele Panoramaaufnahmen bietet der Film dann jedoch nicht. Stattdessen schaut der Zuschauer den Protagonisten über die Schultern, wie sie versuchen, aus dieser Hölle aus Öl, Dreck und Feuer herauszufinden. Chaotisch sind da nicht nur die Zustände, sondern auch die Inszenierung mit der Wackelkamera ist es ein bisschen. Aber auch hier ist dies äusserst effektiv. Das Ganze ist dermassen unübersichtlich und wild, dass Berg kaum Zeit hat, das Pathos aufzufahren - mal abgesehen von einer amerikanischen Flagge, die unversehens inmitten des Infernos auftaucht.

Wer hier jedoch ein Werk über eine Umweltkatastrophe erwartet, sitzt im falschen Film. Es ist eine Geschichte über die Männer und Frauen, die auf der Deepwater Horizon waren, und elf von ihnen mussten dies mit dem Leben bezahlen. Berg huldigt ihnen im Abspann, indem er Bilder der Verstorbenen und ihre Namen dazu einblendet. Dies steht jedoch etwas schief im Gesamten, da kaum einer im Film eine wichtige Rolle innehatte. Diese Parts haben der bereits erwähnte Malkovich, Mark Wahlberg, Kurt Russell und Gina Rodriguez. Sie alle zeigen überzeugende Performances, wobei Letztere die besten Momente kriegt und der Horror und die Angst in ihrem Gesicht am besten zu sehen sind. Wahlberg tritt währenddessen vor allem als Held auf und darf so kaum Schwächen zeigen. Oscars wird es für Deepwater Horizon zwar keine regnen, aber eine Überraschung ist dieser Film vom Mann, der uns mit Battleship strafte, definitiv.

/ crs