The Conjuring 2 (2016)

The Conjuring 2 (2016)

Conjuring 2
  1. , ,
  2. 134 Minuten

Filmkritik: Another Win for Wan

"Ja, Mama, ich räum' gleich auf!"
"Ja, Mama, ich räum' gleich auf!" © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die Aufklärung zahlreicher paranormaler Vorfälle hinterliess Spuren in Ed und Lorraine Warrens (Patrick Wilson und Vera Farmiga) Leben. Beide werden von einer dämonischen Präsenz heimgesucht, die nicht locker lässt. Als diese Lorraine eine Vision von Eds Tod zeigt, möchte sie sogar den Job an den Nagel hängen und keine neuen Fälle mehr annehmen. Doch es kommt alles anders.

"Blond würde dir bei deinem Teint sicher gut stehen."
"Blond würde dir bei deinem Teint sicher gut stehen." © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Im Londoner Stadtteil Enfield wird Familie Hodgson von einem Poltergeist geplagt, der es vor allem auf die elfjährige Tochter Janet (Madison Wolfe) abgesehen hat. Die alleinerziehende Mutter Peggy (Frances O'Connor) ist erst skeptisch, als aber wortwörtlich die Wände ruckeln und ihre Tochter immer beängstigendere Verhaltensweisen zeigt, wendet sie sich an die Kirche. Als die Warrens Wind von dem unheimlichen Fall bekommen, sind trotz Pensionsplänen die Koffer gepackt und die Flugtickets nach England gebucht.

The Conjuring 2 beweist auf eindrückliche Weise, dass das Horrorgenre durchaus mainstreamfähig sein kann und James Wan ein Meister seines Fachs ist. Nebst einer effektiven cineastischen Geisterbahnfahrt, die einfach Spass macht und die gängigen Spuk-Klischees in Perfektion einsetzt, hat der Film aber auch überraschend viel Herz. Es ist fast schon erfrischend, in einem Film dieser Art Figuren zu sehen, um die man sich wirklich kümmert. The Conjuring 2 bietet genau das und ist somit nicht nur ein grandioser Horrorfilm, sondern einfach ein richtig, richtig guter Film.

Seit seinem Regiedebüt Saw ist der Australier James Wan nicht mehr aus dem Horrorkino wegzudenken und sein Stil ist bereits nach relativ wenigen Filmen unverkennbar. Wan drohte damit, dem Horror den Rücken zu kehren, doch nach einem Ausflug ins Actionblockbuster Kino - er inszenierte Fast & Furious 7 - kehrt er mit der Fortsetzung zu seinem Hit aus dem Jahre 2013 zurück zu seinen Wurzeln. Darüber können sich die Fans glücklich schätzen, denn The Conjuring 2 erfindet den paranormalen Gruselhorror zwar keineswegs neu, spielt aber definitiv in der Königsklasse des Genres mit und hätte deshalb auch ausserhalb der Fans sein Publikum verdient.

Mit 134 Minuten ist die Verfilmung der angeblich wahren Geschichte um den Poltergeist von Enfield länger als gewohnte Gruselkost, was jedoch absolut gerechtfertigt ist. Wan gibt den Zuschauern Zeit, die Familie kennenzulernen, bevor der wirklich grosse Spuk losgeht. Jungdarstellerin Madison Wolfe ist grossartig als Janet, das primäre Opfer der unheimlichen Macht, und es ist herzzerreissend zu sehen, wie hilflos sie in ihrer Situation ist. Mutter Pegg, gespielt von Frances O' Connor, ist nicht minder sympathisch, so dass man sich wirklich um diese Familie kümmert. Dass die weiteren Geschwister etwas zu kurz kommen, kann man dem Film dann auch nicht übel nehmen, da er wirklich sehr tief auf die Hauptfiguren eingeht. Trotzdem kommt der Horror von Anfang an nicht zu kurz. Immer wieder wird die Spannung bis zum Gehtnichtmehr aufgebaut und Regisseur Wan hat die Manipulation des Publikums so gut im Griff, dass es eine wahre Freude ist. Die "Scares" sind nicht wirklich etwas Neues, doch dank der innovativen Kameraführung und dem perfekten Timing funktionieren sie einfach.

Vera Farmiga und Patrick Wilson schlüpfen erneut in die Rollen der Geisterjäger und ihre Chemie hat sich sogar noch verbessert. Ihr Mitgefühl für die terrorisierte Familie ist ebenso integral für den Film wie ihre Liebe zueinander. So gibt es sogar Momente, in denen der Zuschauer gerührt in seinem Sessel sitzt, und dies ist in einem Horrorfilm nun wirklich nicht gang und gäbe. Wenn zum Schluss fürs Finale noch einmal wirklich gross angerührt wird, macht der Film dann auch noch so richtig Spass. Wan führt durch eine Kirmesgeisterbahn mit Tiefgang und liefert eines der besten Horrorsequels seit langer Zeit.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 4

andycolette

War hammer pure Spannung grossartige Effekte und Schock Elemente!!!! Tolle Besetzung James wan der beste für Psycho Horror insidious 1-3 auch genial werde ihn nochmals gucken!!!!!

lafrecciablu

Ich find es schade, dass man den Enfield Poltergeist zu den Fällen von den Warrens zählt, scheinen sie doch in dieser Sache sehr wenig bis fast gar nicht involviert zu sein. Schaut man sich einige Dokumentationen dieses Vorfalls an (und es gibt da einige), wird klar, dass die Society für Psychical Research, allen voran Michael Grosse die Familie begleitet hat und zahlreiche Tonbandaufnahmen erstellt und Zeuge vieler Vorkommnisse war. So wie berichtet wird, hat ein holländisches Medium dem ganzen Spuk ein Ende gesetzt. Damit man dies unter Conjuring 2 verkaufen kann, schiebt man nun des Rätsels Lösung auf die Warrens ab. Dem ganzen dann den sogenannten True Events-Stempel aufzudrücken grenzt fast an Lächerlichkeit. Eigentlich schade, scheint doch dieser Fall eines der bestdokumentiertesten Poltergeist-Erscheinungen unserer Zeit zu sein und dass man sich dann noch mehr künstlerische Freiheiten rausnimmt als sonst, kann ich nicht nachvollziehen. Der Plot scheint dann auch hie und da auf wackeligen Füssen zu stehen und nebst den wiederkehrenden genre-typischen Einfällen und übertriebene Effekten (100 Kreuze an den Wänden) wird mit dem Auftauchen der Marilyn Manson-Nonne dann ganz dem Spuk ein Ende gesetzt. Wie ich oft sage, weniger wär auch hier mehr gewesen. Schade, fand ich doch den ersten Conjuring ganz ok. Wie sagt es Vera Farmiga in diesem Film doch so schön, ich nehme hier nichts wahr.

andif8

Den hätte ich mir glaub' als gruseligen Samstagabend mit meiner Partnerin gegönnt.
ABER nur im Originalton - und dann nicht am späteren Morgen :-(

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