Le confessioni (2016)

Le confessioni (2016)

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  3. 103 Minuten

Filmkritik: Ein Hund, ein Mönch und jede Menge Geheimnisse

12. Zurich Film Festival 2016
Gandalf, bist du's...?
Gandalf, bist du's...? © Xenix Films

Hermetisch von der Aussenwelt abgeschirmt, treffen sich die Vertreterinnen und Vertreter der G8-Staaten zu einem geheimen Gipfel an der Ostsee. Ziel dieses Treffens ist es, sich in wichtigen Fragen über bevorstehende Wirtschaftsreformen zu einigen. Nicht nur für die anwesenden Entscheidungsträger steht viel auf dem Spiel, auch die Zukunft von vielen nicht allzu zahlungskräftigen Kleinstaaten könnte massiv durch den Ausgang dieses Gipfels beeinflusst werden.

Eingeladen vom Franzosen Daniel Roché (Daniel Auteuil), staunen die Staatsvertreter nicht schlecht, als sich plötzlich auch ein schweigsamer Mönch zu ihnen gesellt. Doch die Anwesenheit von Pater Salus (Tony Servillo) hat einen triftigen Grund: Am Abend vor der entscheidenden Diskussionsrunde möchte der Franzose, dass Salus ihm die Beichte abnimmt. Als Roché am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, scheint das Chaos perfekt. Zwischen Dinner und Wellness-Sessions brodelt die Gerüchteküche. Was hat Roché dem Mönch abends zuvor erzählt? Und was ist mit dem mächtigen Franzosen passiert? Jeder scheint etwas zu vermuten. Nur der, welcher die Wahrheit kennt, schweigt eisern.

Das Drama mit kriminalistischen Elementen und einer Spur Satire überzeugt mit seiner Bildersprache und zwei hervorragenden Schauspielern, die ihren Rollen Authentizität und Charakter verleihen. Plot, Drehbuch und die Mehrheit der anderen Rollen vermögen hingegen kaum zu begeistern. Sei dies, weil die Punktlandung der Dialoge komplett verfehlt wurde oder vielen Figuren der nötige Tiefgang fehlt, um diesen stilistischen Genre-Rührkuchen glaubhaft umzusetzen.

Der Einstieg in sein neustes Werk Le Confessioni ist dem italienischen Regisseur Roberto Andó nur teilweise geglückt. Szenisch betrachtet: hervorragende Bilder und spannende Kameraführung. Mit Blick auf die Geschichte: leider nein. Das hat einerseits mit der Tatsache zu tun, dass die Charaktere erst sehr spät eingeführt werden. Erst nachdem man sich schon x-mal gefragt hat, welcher Vertreter denn nun zu welchem Land gehört, wird dieses Geheimnis endlich gelüftet. Im Gegenzug wird jedoch sehr rasch klar, dass so manch möglicher Spannungsaufbau im Keim erstickt werden wird, sind die Handlungen und Dialoge teilweise doch sehr vorhersehbar. Einige Aktionen scheinen richtiggehend an den Haaren herbeigezogen.

Während die Rollen der Staatsvertreter nur oberflächlich skizziert und zum Teil auch interpretiert wurden, fallen zwei Schauspieler und deren Charaktere komplett aus dem Rahmen - und das äusserst positiv. Toni Servillo als Roberto Salus und Moritz Bleibtreu als vermeintlich schmieriger Mitorganisator des Gipfels machen ihre Sache so hervorragend, dass man über die Blassheit der anderen Figuren hinwegsehen kann.

Bleibtreu überzeugt mit seinem beinahe akzentfreien Sprachwechsel vom Deutschen ins Englische und ins Italienische. Servillo hingegen mimt seine Rolle als in sich gekehrter Mönch sorgfältig und authentisch. Während viele andere Dialoge platt ausfallen, hat man dem Italiener seine Rolle beinahe massgeschneidert. Mit vielen kleinen Seitenhieben in Richtung der heutigen Weltpolitik, unterhält und amüsiert er an vielen Stellen des Films. Das Zusammenspiel dieser beiden und in einigen Szenen vereinzelten weiteren Figuren ist denn auch das, was die Spannung aufrechterhält.

Le Confessioni ist eine Mischung aus klassischem Krimi und Drama mit einer Prise Politsatire. Leider ist dieser Spagat nur mässig gelungen. Was bleibt, ist ein einigermassen spannender Krimi, der wesentlich mehr Drama vertragen könnte, da die satirischen Sequenzen ungenügend ausgefeilt sind und der Humor schwer zugänglich ist.

/ hom

Trailer Italienisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:24