Collateral Beauty (2016)

Collateral Beauty (2016)

Verborgene Schönheit
  1. 97 Minuten

Filmkritik: Stadt der Tränen

Blau war gerade im Angebot.
Blau war gerade im Angebot. © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Nach dem Verlust seiner 6-jährigen Tochter hat Howard Inlet (Will Smith) der Lebenslust abgeschworen. Ohne Antrieb und mit völliger Gleichgültigkeit gibt er sich dem Selbstmitleid hin und schreibt Briefe an den Tod, die Liebe und die Zeit. Dies schadet nicht nur seinen Freundschaften, sondern auch seiner Firma, in welcher gerade eine wichtige Entscheidung ansteht, welche das Leben von mehreren Mitarbeitern entscheidend verändern könnte.

Ich leg euch Steine in den Weg.
Ich leg euch Steine in den Weg. © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Aus diesem Grund erwägen seine engsten Vertrauten Claire Wilson (Kate Winslet) Whit Yardshaw (Edward Norton) und Simon Scott (Michael Peña), ihren trauernden Boss aus der Reserve zu locken und setzen drei Schauspieler auf ihn an, welche seine imaginären Brieffreundschaften Tod (Helen Mirren), Liebe (Keira Knightley) und Zeit (Jacob Latimore) verkörpern sollen. Doch dieser Schritt verändert nicht nur das Leben von Howard, sondern auf wundersame Weise auch ihr eigenes.

Wenn man sich auf die Oberflächlichkeit des Films einlässt, kann man hier durchaus eine emotionale Achterbahnfahrt erleben. Jedoch hat die hochkarätige Besetzung in Collateral Beauty mit einem sehr durchschnittlichen Drehbuch zu kämpfen, welches aber immerhin routiniert inszeniert worden ist. Am Ende wirkt die Geschichte jedoch zu infantil und konstruiert, um richtig unter die Haut gehen zu können.

Ein Blick auf die Besetzung von Collateral Beauty verspricht ein hochkarätiges Drama im Grossstadtdschungel New York. Auch Regisseur David Frankel ist kein Unbekannter, hat er mit The Devil Wears Prada doch schon einen echten Hochkaräter abgeliefert. Doch wie steht es um die Geschichte, welche anhand des Trailers philosophisches Gänsehaut-Kino verspricht, was wohl auch die Tränendrüse des Öfteren animieren dürfte.

Das dauer-pessimistische Gesicht von Will Smith kennt man schon aus Filmen wie Seven Pounds, zu dem Collateral Beauty oft sogar einige Parallelen aufweist. Produziert und inszeniert ist der Film jedenfalls hochwertig, er verpulvert seine Magie aber schon viel zu früh und auf viel zu naive Weise. Sobald alle Charaktere ihre Karten auf den Tisch gelegt haben, wirkt die Geschichte etwas gar vorausschaubar. Allzu oft werden die Zuschauer in emotionale Szenen geprügelt und dabei die Tränendrüsen zu stark forciert. Dadurch wird einem eine Tiefe vorgegaukelt, die der Film in keinem Moment wirklich erreichen kann. Nur schon das Anfangsplädoyer von Howard ist oberflächlich und zu beliebig geschrieben und dient am Ende einfach als Erklärung für seine befremdlichen Brieffreundschaften.

Die Dialoge bieten allgemein wenige Überraschungen und wirken an vielen Stellen wie aus einem Glückskeks. Höchstens der eingestreute Humor kann ab und zu das Eis brechen, nur leider findet der Film nie die richtige Balance zwischen echter Tragödie, Drama und lockerer Unterhaltung. Lieber hätte man sich gleich komplett auf eine herzerwärmende Komödie oder ein düsteres Fantasy-Drama festgelegt. Potenzial dazu hätte die Geschichte - zusammen mit diesem Cast - sicher gehabt, nur wollte man am Ende das Ganze wohl nicht so heiss essen, wie es gekocht wurde.

Remo Barny [rny]

Remo ist seit 2015 Freelancer bei OutNow und ein Achtzigerjahre-Kind mit schwerer Film-Abhängigkeit. Grundsätzlich schaut er alles, was ihm in die Finger kommt, Hauptsache es passt gerade zur aktuellen Tagesform. Nur bitte keine Kunstfilme, denn die sind meistens ein rotes Tuch für seine Synapsen.

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