Captain America: Civil War (2016)

Captain America: Civil War (2016)

The First Avenger: Civil War
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  2. 147 Minuten

Filmkritik: Schlussmachen für Superhelden

Halt! Ich hab meine Schlüssel im Heli vergessen!
Halt! Ich hab meine Schlüssel im Heli vergessen! © Marvel

Eine Avengers-Mission in Lagos, Nigeria, geht gehörig schief: Beim Versuch, Crossbones (Frank Grillo) aufzuhalten, bevor er eine gefährliche Biowaffe freisetzen kann, gibt es eine enorme Explosion, die unzählige Tote und Verletzte fordert. Als Reaktion auf diese Tragödie schliessen sich 117 Staaten zusammen und verabschieden die sogenannten "Sokovia Accords": einen Vertrag, in dem sich die Avengers dazu verpflichten, zukünftig in Krisensituationen nur noch unter UN-Mandat einzugreifen, damit Kollateralschäden vermieden werden können. Während sich Tony Stark (Robert Downey, Jr.), Black Widow (Scarlett Johansson), War Machine (Don Cheadle) und Vision (Paul Bettany) für die Unterzeichnung des Vertrags aussprechen, weigert sich "Captain America" Steve Rogers (Chris Evans), sich einem Gremium unterzuordnen und seine Entscheidungsfreiheit beim Schutz der Welt aufzugeben.

"Stop! In the naaame of looooove!"
"Stop! In the naaame of looooove!" © Marvel

Als jedoch bei der Vertragsunterzeichnung in Wien eine Bombe hochgeht und der "Winter Soldier" Bucky Barnes (Sebastian Stan) dafür verantwortlich gemacht wird, beginnt für Captain America ein Wettlauf gegen die Zeit, um Bucky lebend und noch vor seinen Verfolgern zu finden. Im Kampf um den Winter Soldier und gegen einen lange unbekannten Gegner muss jeder Superheld Stellung beziehen, und beide Seiten finden neue Verbündete. Dadurch tun sich zwischen den früheren Teammitgliedern tiefe Gräben auf, welche schliesslich zum Kampf zwischen den Avengers führen.

Ob Civil War nun wirklich der beste Superheldenfilm der letzten Jahre ist, wird wohl noch länger für Diskussionsstoff sorgen. Aus der Masse ähnlicher Filme sticht Captain Americas dritter Nicht-Wirklich-Solofilm aber bereits heraus, weil die eigenen Taten, Verstrickungen und Leichen im Keller der Marvel-Helden zu äusserst persönlichen Konflikten führen. Konsequent aus den bisherigen Ereignissen im Marvel Cinematic Universe hergeleitet und sehr dicht erzählt, bringen die Russo-Brüder einen gleichermassen politischen wie psychologischen Thriller auf die Leinwand, der Spannung und tolle Action bietet und - nicht zuletzt dank dem grossartigen Spider-Man - auch durch erstaunlich viel Humor glänzt.

Nicht alle Fans waren begeistert, als bekannt wurde, dass der dritte Film um Captain America die - nicht unumstrittene - Civil-War-Story adaptieren würde, welche 2006 die Marvel-Comics in über 100 Heften fast ein halbes Jahr lang dominierte. So wurde befürchtet, dass Steve Rogers' Story inmitten unzähliger Marvel-Figuren untergehen könnte und eher ein Avengers 2.5 entstehen könnte. Tatsächlich wären ein paar zusätzliche, persönlichere Szenen um die eigentliche Hauptfigur willkommen gewesen. Wie das Regieteam Anthony & Joe Russo (Captain America: The Winter Soldier) nun aber zeigt, ist Captain America: Civil War nur die logische Konsequenz aus den bisherigen Ereignissen im MCU und stellt so auch einen willkommenen Wendepunkt in der Filmreihe dar.

Musste in den Avengers-Filmen noch gegen eine externe Bedrohung gekämpft werden, wird hier mit dem bisherigen Schema gebrochen: Zwar gibt es mit Daniel Brühls Zemo einen Gegner, der schon fast an einen Bond-Bösewicht erinnert; mit gesichtslosen Massen von Gegnern, die man durch die Gegend prügeln kann, ist hingegen definitiv Schluss, und auch auf epische Endlosschlachten wartet man vergebens. In gewisser Weise wirkt der Film so stellenweise fast etwas unspektakulär. Weil aber die Figurenentwicklungen mehrerer Filme zusammengeführt werden und die Helden mit ihren unterschiedlichen Positionen auf Konfrontationskurs gehen, wirken auch die eher kleinen Schlachten äusserst spannend.

Natürlich gibt es trotzdem weiterhin tolle Action zu sehen, die nicht mehr ganz so ernst daherkommt wie bei Winter Soldier. Für eine gehörige Portion Humor sorgen unter anderem Ant-Man und der vom 19-jährigen Tom Holland wunderbar liebenswert gespielte Spider-Man, der mit seinen frechen Sprüchen und der schieren Begeisterung fürs Superheldendasein fraglos zu den Highlights des Filmes gehört. Etwas besonnener tritt Black Panther auf, der jedoch auch zu überzeugen weiss und gespannt auf seinen Solofilm macht.

Wenn Freunde zu Feinden werden, ist es nur konsequent, dass am Ende nicht wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aus Captain America: Civil War folgt eine Neuorientierung der Avengers, welche eine Art Destabilisierungsphase des MCU einläutet und die Filmreihe insgesamt in eine neue und willkommene Richtung führt. Das grossartige Schlussbild - das vielleicht beste seit "I am Iron Man!" - lässt auf jeden Fall hoffen, dass die Russos auch bei Avengers: Infinity War frischen Wind ins Superheldengenre bringen. Wir sind gespannt!

Auch dieses Mal sollten Fans beim Abspann sitzen bleiben, denn es gibt wieder zwei zusätzliche Szenen: eine ziemlich am Anfang der Credits und eine am Ende (die der Presse im Vorfeld nicht gezeigt wurde).

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 8

Valebolle_95

Super Film! Ganz klar einer meiner Favorits aus all den Superhelden-Filme! Bei manchen kann ich einfach nicht verstehen, was an der Story so schlimm ist. Hier vergessen viele, dass die der 3. Teil der Captain America Serie ist und nicht ein Avengers Film.. Deshalb wird mehr in die Story zwischen Cap & Bucky eingegangen. Durch Bucky und dem Abkommen eskaliert halt die Situation und die Avengers werden durch ein riesen Missverständnis gespalten.. Wie bitte kann dieser Film nicht Punkten? War richtig gefesselt und die Kampfszenen sind sehr toll (zB Flughafen!)

Freue mich richtig auf den Avengers Film welche an diesen anknüpfen wird und bin gespannt wie alle wieder aufeinander treffen!

RIESEN DAUMEN HOCH :D

db

Naja - kam mir irgendwie so konstruiert vor wie Batman vs. Superman. Ansatz gut, doch genau dieser Ansatz (Fallout wenn das Abenteuer fertig ist und die Superhelden wieder mal eine Stadt eingeäschert haben) wird nur kurz in den Vordergrund gerückt. Anstatt sich mit dem zu beschäftigen, werden persönliche Probleme, Diskrepanzen zwischen den Avengers und eine dünne Nebenhandlung in den Vordergrund gerückt wo sich irgendeine Nase an den Avengers rächen will. Das ganze wird dann mit den nicht enden wollende "zwei unsterbliche prügeln aufeinander ein" Sequenzen angereichert und dass einer von den Beteiligten dann gelähmt vom Schlachtfeld davonhumpelt wird kaum noch aufgegriffen.

Von dem her ein überkonstruiertes Stück Film mit einem schwachen Gegenspieler einem verschenkten und in Explosionen ersäuftes Hauptthema und wenn dann noch ein schwarzes Panterchen seine Krallen ausfährt und mit den Big-Guns mithalten will, wird es langsam wirklich lächerlich. Von dem her als Lückenfüller ganz nett, aber das wärs dann auch schon.

philm

Film war toll gemachte, mehr als Pop-Corn Unterhaltung. Besonders die Schlachten waren einfach nicht "mehr ist besser" wie bei Tranformersmit jedem weiteren Film, sondern intelligent in Szene gesetzt (z.B. Flughafen)
Leider musste ich den Film im 4XD-Kino schauen da er nur noch dort lief. War das erste Mal und musste sagen, enttäuschend. Statt dezent in den richtigen und nötigen Momenten Bewegung/Rumpeln zu machen, rumpelte es dauernd (viel zu stark). Ich bin dann jeweils aufgestanden (wir waren nur drei Zuschauer). Einmal und nie wieder

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