Burg Schreckenstein (2016)

Burg Schreckenstein (2016)

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Filmkritik: Wie du mir, so ich dir

Ritter beim Chillen
Ritter beim Chillen © Pathé Films

Nachdem der rebellische Teenager Stephan (Maurizio Magno) wiedermal Stress in der Schule gehabt hat und sich weigert, da wieder hinzugehen, stecken ihn seine Eltern in ein Internat für Jungs. Überraschenderweise findet der junge Mann das Internatsleben in der alten Burg Schreckenstein aber gar nicht schlimm, denn der coole Direktor, genannt "Rex" (Henning Baum), hält die Zügel locker und lässt seinen Schülern ziemlich viel durch - solange sie einem Ehrenkodex der Ritterlichkeit folgen.

Eine Horde "Hühner"
Eine Horde "Hühner" © Pathé Films

Um ein echter Schreckensteiner zu sein, muss man aber nicht nur stets ehrlich, ritterlich und mutig sein, sondern auch beim Streich-Wettkampf gegen das Mädcheninternat Schloss Rosenfels mitmachen. Bald schon findet sich Stephan mit seinen Kumpels Dampfwalze, Ottokar, Strehlau und Mücke im fiesen Schlagabtausch gegen die "Hühner" vom See. Als ein Streich jedoch überhandnimmt, passiert das Schlimmste: Die Mädchen müssen auf Schreckenstein einziehen. Wenn das nur gut geht!

Oliver Hassenkamps kultige Buchreihe um ein eingeschworenes Jungsinternat schafft das Update ins 21. Jahrhundert mit Bravour. Eine sympathische Jungdarstellertruppe liefert sich einen zunehmend fiesen, letztlich aber immer harmlosen Streichschlagabtausch und sorgt damit für ordentlich Heiterkeit. Unterlegt ist das mit lüpfiger deutschsprachiger Musik, welche die Filmhandlung passend ergänzt. Entgegen dem Namen ist das überhaupt nicht schrecklich, sondern witzige Unterhaltung für die Zielgruppe und dürfte sogar etwas älteren Semestern den einen oder anderen Lacher entlocken.

Vielleicht kennt man sie noch, die schmalen Bändchen - später auch Hörspiele und -bücher sowie Computerspiele - einer scheinbar endlosen Reihe um das Zusammenleben im wohl tollsten Internat überhaupt. In den von 1959 bis 1988 erschienen Büchern vermittelte der Münchner Kabarettist und Autor Oliver Hassencamp neben spassigen Streichen vor allem ein schulisches Ideal und behandelte immer wieder, was Schule, Lehrer und Schüler eigentlich leisten müssen, um ein positives Umfeld bieten zu können. Glücklicherweise geschieht dies wie in den Büchern auch im Film ziemlich im Hintergrund, weshalb der Film selbst in den weniger spektakulären Sequenzen - im Gegensatz zu vielen anderen familienfreundlichen Filmen aus dem deutschen Sprachraum - nie ins Biedere abdriftet. Im Fokus steht nämlich vor allem eines: der Spass.

Kackende Hühner im Klassenzimmer, Ketchup in Schuhen und lang geplante Drohnenangriffe gehören zum Repertoire der streichespielenden Schülerschaft. Das ist zwar krud, aber durchaus witzig anzuschauen. Beim Schlagabtausch zwischen Mädchen und Jungs, bei dem sich freilich zeigt, dass man gar nicht so unterschiedlich ist, geht es ohnehin vor allem um die Freundschaften unter den Kids und den Zusammenhalt, den sie gegen unfaire Behandlung durch die Erwachsenen zeigen.

Ja, Erwachsene gibt's im Film auch, wenn sie auch ziemlich im Hintergrund bleiben. Als Gegenstück zum lässigen Rex (sympathisch gespielt vom Der letzte Bulle-Prolo Henning Baum) gibt's die fiese Direktorin Horn, die zwar ein furchtbares Lehrerinnenklischee verkörpert, damit aber einen idealen Antagonisten abgibt. Nicht zuletzt gibt Harald Schmidt den ausgeflippten Grafen von Schreckenstein, der als Mischung aus "Mad scientist" und kurrligem Mäzen aber doch etwas enttäuscht.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Trailer Deutsch, 01:52