Brimstone (2016)

Brimstone (2016)

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Filmkritik: Nie mehr in die Kirche

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Etwas KITschig, oder?
Etwas KITschig, oder? © Studio / Produzent

Irgendwo im Niemandsland des Wilden Westens lebt die stumme Liz (Dakota Fanning) mit ihrem Mann, ihrer Tochter und deren Bruder auf einer abgelegenen Farm. Als beim sonntäglichen Kirchenbesuch ein in schwarz gekleideter neuer Pastor mit einer riesigen Narbe über seinem ganzen Gesicht auftaucht und seine hasserfüllte Predigt beginnt, beginnt das Herz von Liz schneller zu schlagen. Diesen Priester mit holländischem Akzent kennt Liz seit ihrer frühesten Kindheit, und es sind keine guten Erinnerungen, die sie mit ihm verbindet.

"Und dann fing isch einen soooo breiten Fisch."
"Und dann fing isch einen soooo breiten Fisch." © Studio / Produzent

Es dauert nicht lange, und der fiese Kleriker kommt auf einen Hausbesuch vorbei. Nachdem er Liz verbal die Hölle heiss macht, da sie als Hebamme für eine Totgeburt im Dorfe verantwortlich war, brennt in der Nacht das Haus und Liz findet ihren Mann tot in der Scheune neben den ausgeweideten Schafen. Das kann nur der Pastor gewesen sein, und Liz flieht mit den beiden Kindern in die Berge, wo sie sich entweder vor ihrer Vergangenheit verstecken kann oder sich dieser endgültig stellen muss.

Dieser extrem brutale Gothic-Western quält seine Protagonistinnen auf übelste Art und Weise und zeigt ihren Antagonisten als das absolut Böse ohne andere Charakterdimension. Vielleicht geht der Film mit seinem Sadismus - vor allem in einer späten Szene - zu weit, doch der Film legt von Anfang an seine Karten offen auf den Tisch. Mit Brimstone hat Martin Koolhoven einen Exploitationfilm mit bombastischem Score und grossen Bildern inszeniert und lacht sich bestimmt ins Fäustchen, dass dieser von mehreren renommierten Festivals ins Programm aufgenommen wurde.

Der erste englischsprachige Film des Holländers Martin Koolhoven fährt mit riesigen Geschützen auf und bewegt sich zwischen den atemberaubenden Widescreenaufnahmen der Spaghettiwestern und der rauen, aber immer überspitzten Gewalt des Exploitationkinos. Gewürzt wird diese hochexplosive Mischung mit einer Prise gothic Horror, und fertig ist dieses Ungetüm eines Filmes, welcher die Grenzen des guten Geschmacks bewusst weit überschreitet und sich in den Konventionen des skandalträchtigen Genrekinos suhlt, bis es zu ertrinken droht.

Dakota Fanning mit ihrer engelshaften Gestalt steht im totalen Kontrast zu Guy Pearces absolut durchgeknallt sadistischem Priester ohne Namen. Mit einer riesigen Narbe und einem dicken Akzent ist er ein alptraumhaftes Monster, das seine Gräueltaten mit der Bibel rechtfertigt. Er schreckt weder vor dem Auspeitschen eines Kindes, in der verstörendsten Szene des Filmes, noch vor noch schlimmeren Dingen zurück. Wenn er ganz in Schwarz vor einem brennenden Haus steht, wird klar, dass es sich hier nicht um eine Figur, sondern um ein Symbol des absolut Bösen handelt.

Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Männer im Film auf die Erniedrigung von Frauen scharf, haben schiefe Zähne oder entsprechen anderen Hillbillyklischees. Hinter einem feministischen Deckmantel kann sich Brimstone aber nicht verstecken, denn mit Emanzipation hat der Film in etwa so viel am Hut wie Planet Terror. Und wem es noch immer nicht klar ist, was dies für ein Film ist, dem wird es von Mad Max: Fury Road-Komponist Junkie XL mit einem an Bombast kaum zu überbietenden Score verdeutlicht. Brimstone ist ein mit grosser Kelle angerührter B-Movie Rachewestern, der keine Anstalten macht, sich dafür zu entschuldigen.

/ ma

Trailer Englisch, 01:59