The Boy (2016/II)

The Boy (2016/II)

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Filmkritik: Neues aus der Puppenkiste

Ken ist blass heute
Ken ist blass heute

Greta (Lauren Cohan) flüchtet aus den USA nach England, um vor einer missglückten Beziehung endlich Ruhe zu finden. Sie meldet sich als Kindermädchen in einem alten Haus, wo sie schon bald auf die Auftraggeber trifft: die Heelshires. Auch das Kind, das betreut werden soll, wird ihr vorgestellt, jedoch stellt sich "Brahms" als etwas anderes heraus, als es Greta erwartet hat. Brahms ist nämlich eine Porzellanpuppe! Doch da der Auftrag klar ist und die Regeln wichtig sind, muss sich Greta nun um eine Puppe kümmern, sie anziehen, ihr vorlesen und sie am Abend wieder ins Bett bringen.

Spiel mit dem Feuer
Spiel mit dem Feuer

Regelmässig bekommt Greta Besuch von Malcolm (Rupert Evans), der die Einkäufe für die Familie erledigt. Von ihm erfährt sie auch etwas über Brahms, was sie zwar bedrückt, aber die Situation mit der Puppe nicht erklärt. Als Greta jedoch die Regeln ausser acht lässt und sich nicht an den Tagesablauf hält, fängt sie an, Geräusche zu hören und entdeckt, dass Brahms sich jeweils an einem anderen Ort wiederfindet, als sie ihn abgesetzt hat. Ist sie wirklich alleine in diesem Haus oder hat die Puppe übermenschliche Fähigkeiten?

The Boy ist eine gelungene Geisterbahn. Sie beginnt langsam und lässt sich mit einzelnen Momenten Zeit, bietet dann aber eine gruselige Geschichte, die im Gedächtnis bleibt. Schockeffekte sind rar, kommen aber gut eingesetzt, und Puppengrusel zieht im richtigen Umfeld allemal. Sehenswert!

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir uns vor Annabelle gefürchtet, und auch Chucky hat gezeigt, dass Puppen unter Umständen mehr sind, als sie vorgeben zu sein. Nun hat Wer-Regisseur William Brent Bell mit The Boy eine neue solche Story ausgepackt. Dabei setzt der Mann nicht bloss auf Schreckeffekte und Grusel, sondern auch auf die Dramatik und die Geschichte hinter dieser kleinen Puppe, die hier alle zum Wahnsinn treibt.

In der Hauptrolle hat Lauren Cohan sicherlich mehr zu tun, als sie das im kommenden Batman v Superman: Dawn of Justice als Martha Kent haben dürfte. Sie spielt ihren Part als Amerikanerin im grossen Haus ansprechend und entpuppt sich als vielfältiger als die gewöhnliche Scream-Queen. Auch das Zusammenspiel mit Rupert Evans (Hellboy) klappt wunderbar, so dass sie zusammen mit "Brahms" ein illustres Trio abgeben.

Eine weitere Hauptrolle neben den Menschen und der Puppe spielt auch das alte Haus, das herrlich knackt, ruckelt und mit seinen Gängen und Vorhängen für eine Gruselgeschichte optimal gewählt ist. Der Garten drumherum ist unheimlich, und wenn wir dann zum Finale kommen, setzt The Boy noch einen obendrauf. In den letzten zwanzig Minuten wird mächtig an der Spannungsschraube gedreht, und auch die Action sowie die Auflösung des Ganzen wissen zu gefallen - auch wenn die letzte Filmminute dann doch wieder den Schritt in richtig Mainstream geht. Aber man will ja für alle Fälle gewappnet sein.

/ muri