Blair Witch (2016)

Blair Witch (2016)

  1. ,
  2. 89 Minuten

Filmkritik: Im Wald hört dich niemand schreien

"Hab ich was im Gesicht?"
"Hab ich was im Gesicht?" © Impuls Pictures AG

20 Jahre nach dem Verschwinden seiner Schwester Heather Donahue entdeckt James (James Allen McCune) im Internet mysteriöses Videomaterial, welches zur Aufklärung des ungelösten Falles von 1994 beitragen könnte. Zusammen mit seinem besten Freund Peter (Brandon Scott) will er den Bewohner von Burkittsville ausfindig machen, welcher das mysteriöse Tape gefunden und online gestellt hat. Auf seinem Trip begleiten ihn Peters Freundin Ashley (Corbin Reid) und Lisa (Callie Hernandez), welche daraus gleich einen Dokumentarfilm drehen will.

"Ich schwöre dir, da drüben ist ein Burger King."
"Ich schwöre dir, da drüben ist ein Burger King." © Impuls Pictures AG

In Burkittsville treffen die Freunde auf Lane (Wes Robinson) und seine schräge Freundin Talia (Valorie Curry). Lanes Bedingung ist, dass er James nur dann die Fundstelle im Wald zeigt, wenn sie beide mitkommen dürfen. James willigt ein und die zwei Gruppen machen sich auf den Weg in die Wälder von Black Hills. Ausgerüstet mit verschiedensten Kameras, Walkie-Talkies, GPS-Geräten und einer Drohne, wiegen sich alle in Sicherheit. Sie ahnen nicht, dass ihr Ausflug zum bitteren Überlebenskampf wird...

Blair Witch ist Fortsetzung und Hommage zugleich. Adam Wingard erzählt die Sage der Hexe von Blair mit effektvollen, zeitgemässen Mitteln und schafft es, dem legendären Franchise in punkto Horror noch einen draufzusetzen. Wer denkt, er habe bereits alles gesehen und würde sich nachts im Wald niemals fürchten, könnte bei Blair Witch sein blaues Wunder erleben.

Die Internet-Community staunte nicht schlecht, als an der San Diego Comic-Con urplötzlich verkündet wurde, dass der Waldhorror "The Woods" in Wahrheit ein weiterer Teil der wohl bekanntesten Found-Footage-Franchise sei und den simplen Titel Blair Witch trage. Adam Wingards (You're Next) Versuch, die Sage der Hexe von Blair wiederauferstehen zu lassen und den Millenials das Fürchten 2.0 zu lernen, ist eine gigantische Herausforderung.

Remake, Reboot, Neuinterpretation - bekannte Erzählstoffe tragen heutzutage viele Namensschilder. Blair Witch ist im Grunde genommen eine Fortsetzung, da die Story zwanzig Jahre nach dem Original spielt. Wingard verzichtet jedoch auf ein weiteres Format, sondern kehrt zurück zum Wackelkamera-Horror - eine besondere Form der Hommage. Als hätte Book Of Shadows: Blair Witch 2 nie stattgefunden, knüpft Simon Barretts Drehbuch dort an, wo wir Heather, Mike und Josh knapp vor der Jahrtausendwende aus den Augen verloren haben. Die Legende von Blair Witch wird durch neue Charaktere und zeitgemässe Technikgadgets - darunter Drohnenaufnahmen und Ansteckkameras - erlebt.

Die Fortsetzung bleibt im Stil des Originals und will beim Zuschauer vorerst durch simple Mittel Angst hervorrufen. Der Film spielt gekonnt mit der Dunkelheit und unheimlichen Geräuschen. Trotz allen nostalgischen Gefühlen sieht sich Wingard aber bald einmal gezwungen, der heutigen Generation, welche durch all die Found-Footage-Franchises abgestumpft ist, mehr zu bieten, als es The Blair Witch Project gemacht hat: Jump Scares und ein ohrenbetäubendes Sound-Design erzielen immer wieder den gewünschten Effekt. Da darf man darüber hinwegsehen, dass unsere Protagonisten meistens halt die zweite Geige spielen.

Blair Witch verliert durch das Upgrade keine Minute lang an Glaubwürdigkeit. Obwohl den Fans einige Details bekannt vorkommen dürften, spielt Barretts Drehbuch gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer: Gerade im letzten Drittel des Albtraums wird uns bewusst, wie clever das Drehbuch sowohl mit Nostalgikern wie auch mit jüngeren Zuschauern spielt und den Generationsspagat überraschend gut meistert. In den finalen Minuten wird noch manch Hartgesottener die Augen zusammenkneifen. Und so soll es auch sein.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd

Kommentare Total: 2

db

Sehr vieles hat man an dem Streifen schon gesehen. Aufbau ist ähnlich wie das Original - nur hat man dieses Mal mehr Gimmicks und Kameras vor Ort. Dies mach den Film schneller - doch letztendlich sind es immer noch ein paar Nasen die sich im Wald verirren. Wer neu zu dem Genre gestossen ist, wird wohl einen intensiven Film erleben, wer etwas geeicht ist, wird viele bekannte Elemente sehen und auch ziemlich schnell den Aufbau durchschauen können. Dennoch trotz Vorbehalte, deutlich besser als befürchtet.

woc

Filmkritik: Im Wald hört dich niemand schreien

Kommentar schreiben