The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years (2016)

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years (2016)

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  3. 106 Minuten

Filmkritik: Bigger than Jesus

Pilzköpfe
Pilzköpfe © Apple Corps Ltd.

Jeder Mensch in der westlichen Zivilisation kennt mindestens ein Lied der Beatles, ob er will oder nicht. Die vier Jungs aus Liverpool haben mehr als eine Milliarde Tonträger verkauft und sind die erfolgreichste Band der Welt. Eight Days a Week konzentriert sich auf die Tourjahre 1962 bis 1966, zeigt aber auch kurz die Auftritte in den Kellern der kleinen Clubs. Es war keine Übernachtsensation, die sich damals angebahnt hat. Produzenten und Manager bekommen ihren Anteil, Talent allein reicht bei den Profis selten.

Well, shake it up, baby!
Well, shake it up, baby! © Apple Corps Ltd.

Es folgen erste Hits, die berühmte Reise nach Hamburg und der Beginn der Beatlemania. Auf ihren Weg in die USA werden John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr an jedem Ort stets begleitet von Tausenden kreischenden Mädchen. Alle sechs Monate erscheint ein Album, eigene Filme werden produziert, und auf den Abschluss einer Tournee folgt der Beginn einer neuen. Die Stadien werden grösser, die Fans zahlreicher und die Medien aggressiver. Rund um die Uhr The Beatles, acht Tage die Woche.

The Beatles: Eight Days a Week zeigt den ganzen Wahnsinn der Beatlemania: vier Jugendliche, die von der ganzen Welt verfolgt werden. Unter dem Bildmaterial befinden sich seltene Aufnahmen, und es wurde jede Menge Arbeit in die Restauration der Quellen gesteckt. Oft wird trotzdem mit Fotografien gearbeitet, dann wirkt der Film wie ein kommentierter Bilderband. Durch die Beteiligung von McCartney und Starr an der Produktion wird vor allem ein Bild gezeigt, was die Künstler selbst bevorzugen. Zu selten wird einem ein intimer Blick hinter die Bühne gewährt.

The Beatles: Eight Days a Week rechtfertigt seinen Kinoauftritt mit grossen Namen, kein geringerer als der zweifache Oscarpreisträger Ron Howard hat bei der Zusammenstellung der Dokumentation Regie geführt. Nach dem Dokumentarfilm Made in America über das gleichnamige und von Jay-Z gegründete Musikfestival ist es bereits Howards zweiter Film in dem Genre.

Eight Days a Week beginnt zwar im November 1963 in Manchester, bis auf ein paar Rückblenden dominiert der chronologische Ablauf der Ereignisse aber die Erzählstruktur. Die Interviews sind in die Narration eingeschoben und oft nur Kommentar und Beiwerk. Bei den Beatles hat man neue Interviews mit McCarthy und Starr sowie Archivmaterial von Lennon und Harrison. Wirklich interessant sind die Aussagen von Zeitzeugen wie Produzenten und Journalisten. Die Auswahl der Prominenten wirkt wahllos: Comedians und Schauspielerinnen, die sich als Fans outen, stehen stellvertretend für die zahllosen Anhänger der Sechzigerjahre.

Die Live-Auftritte überzeugen, wenn die kreischenden Fans nicht gerade lauter sind als die schwachen Verstärker aus der Zeit. Viele Songs werden komplett gespielt, es sind die passenden Hits aus dem jeweiligen Jahr. Teilweise fühlen sich die aneinandergereihten Reisen und Konzerte allerdings an wie eine endlose Montage. Vielleicht soll der Zuschauer dieselbe Tourmüdigkeit erleben, wie die vier Pilzköpfe. Wenn die Band erklärt, dass sie unmotiviert bei einem Konzert waren, ist das sehr menschlich, aber es wertet den Auftritt für den etwas Zuschauer ab.

Eight Days a Week konzentriert sich bewusst auf die Tourjahre. Die legendären Alben, die danach entstanden sind, bekommt man leider nur im Schnelldurchlauf zu sehen. Die Dokumentation vermittelt den damaligen Hype und den daraus folgenden Rückzug ins Studio sehr gut. Die Aufnahmen zeigen die vier Jungs in wenigen Szenen als das, was sie waren, ganz normale Jungs. Es hätte mehr Szenen gebraucht, in denen die menschliche Seite der Ausnahmetalente aus Liverpool gezeigt wird. Für Konflikte, Fehler und Missverständnisse ist wenig Platz. Der Film ist zum Grossteil eine historische Nacherzählung bei der auch die Interessen von McCartney und Starr sowie der Witwen von Lennon und Harrison, eine Rolle gespielt haben dürften. Eine Aufarbeitung, die sich an alle richtet, aber wohl vor allem die Fans glücklich machen wird.

Sven Martens [sma]

Sven schreibt seit 2015 als Freelancer bei OutNow. Seine Sehnsucht nach Amerika reicht von Martin Scorseses New York über die weiten Steppen von John Ford bis hin zu Howard Hawks' Traumfabrik in Hollywood. In seiner Freizeit guckt er gerne Filme von Éric Rohmer.

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Teaser Englisch, mit deutschen Untertitel, 00:50