Bastille Day (2016)

Bastille Day (2016)

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  3. 92 Minuten

Filmkritik: Bond McClane auf Sparflamme

Warum bin ich heute nicht im Bett geblieben?!
Warum bin ich heute nicht im Bett geblieben?! © Impuls Pictures AG

Michael Mason (Richard Madden) hält sich mit gekonnten Taschendiebstählen in Paris über Wasser, bis er eines Tages die falsche Beute im Visier hat. Durch eine Videoaufnahme gerät er in ernsthafte Probleme: Auf einmal ist er in eine Terroranschlagsserie verwickelt, welche sein bisheriges Leben und seine Pläne komplett über den Haufen werfen, da er nun als Hauptverdächtiger gejagt wird.

Meine Name ist Briar, Sean Briar!
Meine Name ist Briar, Sean Briar! © Impuls Pictures AG

Jetzt kann ihm nur noch einer helfen, CIA Agent Sean Briar (Idris Elba), welcher es nicht erwarten kann, vom Schreibtisch wegzukommen, um wieder an der Front im Einsatz zu sein. Doch für Briar ist Michael nur ein weiterer Terror-Verdächtiger, den er mit allen Mitteln zum Reden bringen möchte. Bis sich immer mehr die wahre Tragweite der Ereignisse offenbart und dadurch auch Briar zur Zielscheibe der wahren Terroristen wird.

Bastille Day bietet auch ohne ständiges Effektfeuerwerk durchaus unterhaltsame Schauwerte, was man der gelungenen Regie- und Kameraarbeit anrechnen darf. Dazu kommen gut harmonierende Darsteller und die eindrückliche Präsenz von Idris Elba. Leider wirkte das Drehbuch auf Papier wohl glaubwürdiger als es die filmische Umsetzung am Ende geworden ist.

Idris Elba wird ja schon länger als möglicher Bond-Darsteller gehandelt, was aufgrund seines Charaktergesichtes und der Tatsache dass er ein waschechter Brite ist, wohl durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Mit Bastille Day gibt er schon einmal eine Kostprobe ab, wie sein Bond wohl angelegt wäre. Hart, cool und smart. An seiner Seite sehen wir Richard Madden, den wohl die meisten als Robb Stark aus Game of Thrones kennen werden. Jedoch spielt er hier keinen Fantasy-Schwertschwinger, sondern einen geschickten Taschendieb im Paris der Gegenwart.

Inszeniert wurde der Film von Regisseur James Watkins, der bisher eher für düstere Streifen wie Eden Lake oder The Woman in Black bekannt war. Seine Arbeit in Bastille Day kann sich jedenfalls durchaus sehen lassen, denn die Actionszenen sind unterhaltsam und schnell, aber ohne übertriebene Schnitte oder Schwenks, wie man es in ähnlichen Produktionen schon gesehen hat. Mangelnden Unterhaltungswert kann man dem Film daher nicht vorwerfen, wohl auch dank der kompakten Laufzeit, in welche sich die Geschichte pressen lassen musste.

Diese ist dann auch gleichzeitig die grösste Schwäche des Films, denn die eigentlich interessante Story wirkt extrem oberflächlich inszeniert und wird vor allem gegen Ende immer unglaubwürdiger. Bastille Day hätte das Potenzial gehabt, ein toller Verschwörungsthriller mit rasanter Action zu werden, welcher aktuelle Themen wie z. B virale Beeinflussung und Terrorismus geschickt verbindet. Stattdessen bekommt man einen durchschnittlichen Actionthriller, der nicht einmal kultige One-Liner liefern kann, obwohl sich die Charaktere dafür geradezu anbieten würden.

Auch fehlt es an einem richtig guten Antagonisten, der eine Persönlichkeit ausstrahlt. Vor allem das Finale in Die Hard-Manier ist enttäuschend und der Film kommt am Ende mit einer sehr plumpen Auflösung um die Ecke. Idris Elba zeigt jedoch, dass er problemlos eine Agentenrolle stemmen kann, und auch die restlichen Darsteller überzeugen in ihren Rollen mehrheitlich. Man darf also hoffen, dass sich Regisseur Richard Atkins irgendwann bei einem ähnlichen Film mit grösserem Budget und längerer Laufzeit individuell austoben darf und Idris Elba eine ähnliche Rolle mit einem überzeugenderen Drehbuch erhält.

Remo Barny [rny]

Remo ist seit 2015 Freelancer bei OutNow und ein Achtzigerjahre-Kind mit schwerer Film-Abhängigkeit. Grundsätzlich schaut er alles, was ihm in die Finger kommt, Hauptsache es passt gerade zur aktuellen Tagesform. Nur bitte keine Kunstfilme, denn die sind meistens ein rotes Tuch für seine Synapsen.

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