The Bad Batch (2016)

The Bad Batch (2016)

Filmkritik: Hipster-Dystopie

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Ich will zurück in meine Model-WG!
Ich will zurück in meine Model-WG! © Studio / Produzent

Arlen (Suki Waterhouse) gehört zu den Ausgestossenen der Gesellschaft - dem sogenannten "Bad Batch". Abgeschottet von den USA, wird sie in der Wüste ausgesetzt und macht sich seelenallein auf den Weg durch das verlassene Ödland. Ehe sie sich versieht, findet sie sich als Gejagte wieder und wacht als Gefangene in einem Camp namens "The Bridge" auf. Ihr Erwachen gleicht einem Albtraum, denn sie wird umgehend narkotisiert und muss zusehen, wie ihr zwei Gliedmassen abgesägt werden, die den Anwohnern des Camps als Nahrung dienen.

Komm, es gibt Fingerfood zum Mittagessen.
Komm, es gibt Fingerfood zum Mittagessen. © Studio / Produzent

Trotz eingeschränkter Beweglichkeit gelingt ihr die Flucht, und ein mysteriöser Schrottwarenhändler (Jim Carrey) bringt sie in ein anderes Camp namens "Comfort", wo der Grossteil der Randständigen lebt und welches vom extravaganten, kultigen "The Dream" (Keanu Reeves) geführt wird. Als es Arlen eines Tages zurück in die Wüste zieht, trifft sie auf einem Schrottplatz auf zwei Anwohner aus "The Bridge" - eine Frau und ein kleines Mädchen. Arlen kidnappt die Kleine, ohne zu ahnen, in welch grosse Schwierigkeiten sie sich damit bringt. Denn der Vater des Mädchens - der furchterregende Kannibale "Miami Man" (Jason Momoa) - braucht nicht lange, um sie aufzuspüren.

Nach ihrem Regiedebüt A Girl Walks Home Alone at Night serviert die talentierte Regisseurin Ana Lily Amirpour mit The Bad Batch einen brutalen dystopischen Western, der an Filme wie Mad Max: Fury Road erinnert und stilistische Elemente von den grossen Sergio-Leone-Klassikern aufgreift. Die durchgestylten Bilder in der postapokalytischen Welt, die vielen kuriosen Figuren und der grossartige Einsatz der (oftmals kontrapunktischen) Musik lassen das filmische Erlebnis wie einen grossen (Alb-)Traum wirken. Der etwas dürftigen Entwicklung der Story ist bei all der Coolness verziehen.

Mit A Girl Walks Home Alone at Night sorgte Ana Lily Amirpour für grosses Aufsehen. Als erster iranischer Vampir-Western wurde ihr exotisches Regiedebüt beschrieben und die Meinungen darüber sind geteilt. Unverkennbar jedoch war das Talent der in den USA geborenen, iranischstämmigen jungen Hipster-Regisseurin. Die Frau bewies ein Gefühl für das Erzeugen von Atmosphäre und den Einsatz von passender Musik. Bis ins Detail präzise komponierte, kontrastreiche und gestochen scharfe Schwarzweiss-Aufnahmen machen den Film zu einem visuell einzigartigen Erlebnis.

Die Folgen des aufsehenerregenden Debüts zeigen sich nun in ihrem hoch erwarteten neuen Werk, dem dystopischen Western The Bad Batch. Dem Cast gehören neben dem Model Suki Waterhouse und Jason Momoa renommierte Hollywood-Schauspielgrössen wie Jim Carrey, Keanu Reeves und Giovanni Ribisi an.

Vom Schwarzweiss wechselt Amirpour in The Bad Batch nun zur Farbe - teils sogar zu erstaunlich farbenfrohen Bildkompositionen. Erstaunlich deshalb, weil der Schauplatz der Geschichte eine dystopische, postapokalytische Welt ist, welche von Kannibalismus unterwandert wird. Ein Beispiel für die auffällige Farbgestaltung ist die Partynacht in "Comfort", welche von grellen Neonlichtern aus einem Discomobil in Form eines riesigen Ghettoblasters erleuchtet wird.

Die durchgestylten Bilder vermitteln das Gefühl, eine Art (Alb-)Traum oder eine grosse Illusion darzustellen, und unterstützen so die albtraumartigen Erlebnisse, die der Hauptfigur Arlen widerfahren. "Traum" ist als ein Schlüsselwort der Geschichte zu betrachten. "Follow your dream" ist das Motto in "Comfort", vorgelebt vom extravaganten, einflussreichsten Mann namens... "The Dream". Die Referenzen zum American Dream und zur aktuellen politischen Entwicklung des Landes sind unverkennbar, jedoch werden Probleme nur angehaucht ohne tiefere Auseinandersetzung.

Erzählt wird The Bad Batch von Beginn weg mit hohem Tempo. Das Publikum wird innert Kürze mit einem Schocker ins kalte Wasser geworfen, als Arlen in der Wüste eingefangen wird, angekettet aufwacht und daraufhin den blanken Horror erleben muss. Leider wirkt die Entwicklung der Story flach, und der Schlussteil ist etwas gar fragwürdig.

Untermalt wird der Film von einem coolen Soundtrack mit Clubklassikern und Popsongs aus den Achtziger- und Neunzigerjahren, welche teils kontrapunktisch in brutalen Gewaltszenen eingesetzt werden und dennoch immer perfekt passen. Suki Waterhouse erledigt einen beachtenswerten Job in ihrer ersten grossen Rolle als Hauptfigur Arlen. Mit sehnsüchtigem, etwas verlorenem Blick vermittelt sie ein Gefühl der Nostalgie, was perfekt zur Darstellung einer Ausgestossenen passt. Der muskelbepackte, tätowierte, Machete tragende Momoa sieht aus wie eine Killermaschine und wirkt furchteinflössend. Carrey und Reeves haben leider nur sehr wenig Screentime, bieten aber solide, witzige Auftritte in für sie ungewohnten Rollen. Kaum vorstellbar, aber Carreys Figur ist tatsächlich stumm!

Gianluca Izzo [gli]

Gianluca ist seit 2013 als Freelancer für OutNow tätig. Er liebt es, verborgene Perlen an Filmfestivals zu entdecken, insbesondere in Venedig. Neben seinem Faible für italienische und skandinavische Filme bewundert er die Werke von Scorsese, Lynch, Villeneuve und Chazelle sowie die Bond-Klassiker.

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