Arrival (2016)

Arrival (2016)

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  2. 116 Minuten

Filmkritik: Wir sind gekommen um zu bleiben?

73. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2016
Jessica Chastain in "Interstellar", oder doch nicht?
Jessica Chastain in "Interstellar", oder doch nicht? © Sony Pictures Releasing International. All Rights Reserved.

Die Welt staunt nicht schlecht, als eines Tages zwölf riesige Raumschiffe in den verschiedensten Regionen der Erde zur Landung ansetzen, um dann kurz vor dem Berühren der Erdoberfläche schwebend stillzustehen. Kurz nach diesem Ereignis klopft Colonel Weber (Forest Withaker) bei der Linguistikprofessorin Dr. Louise Banks (Amy Adams) an, die das Militär bereits vor Kurzem bei Übersetzungsarbeiten unterstützte. Er bittet sie um Hilfe bei der Kommunikation mit den Aliens. Ein Angebot, dass Louise nicht abschlagen kann.

Und der Mensch heisst Mensch.
Und der Mensch heisst Mensch. © Sony Pictures Releasing International. All Rights Reserved.

Gemeinsam mit Physiker Ian Donnely (Jeremy Renner) und einem kleinen Sicherheitsteam begegnet Louise den mysteriösen Gestalten in ihrem Schiff und macht sich daran, ihre komplexe Sprache zu entschlüsseln, um die Frage zu beantworten, die allen Regierungen der Welt unter den Nägeln brennt: Warum sind sie hier und was wollen sie von uns? Nur die Antwort auf diese Fragen kann zwischen Krieg und Frieden entscheiden.

Arrival ist der Anti-Independence Day. Statt krachigem Actionkino bietet der Invasionsfilm von Denis Villeneuve intelligentes Sci-Fi-Kino mit beeindruckender Bildsprache, grossen Ideen und viel Gefühl. Wie es gute Science Fiction sollte, regt der Film auch zum Nachdenken an, nicht nur weil er aufzeigt, wie wichtig die Kommunikation für das Zusammenleben ist. Amy Adams trägt den Film souverän, wird jedoch von etwas blassen Nebenfiguren unterstützt. Im Mittelteil gibt es dann auch einige Längen, die das wiederholte Anschauen des Filmes womöglich nicht immens fördern, doch mindestens einmal sollte der audiovisuelle Genuss von Arrival auf der grossen Leinwand erlebt werden.

Dennis Villeneuve gehört zu den aufregendsten Regisseuren des Genrekinos. Ob Thriller (Prisoners) oder Action (Sicario), Villeneuve hebt vermeintliche Blockbuster mit seinem Style deutlich über die Masse hinaus und vergisst auch den Tiefgang seiner Geschichten nicht, was ihn zum regelmässigen Festivalgast gemacht hat. In Arrival kombiniert er erneut gekonnt Genre und Arthouse und macht erneut aus einem guten Drehbuch einen noch besseren Film.

Arrival ist eine Alien-Invasion anderer Art. Ruhig und ohne Spektakel begleitet der Film die Protagonistin bei der Entschlüsselung der ausserirdischen Sprache. Zu Beginn erinnert der Film in seiner langsamen Gangart und mit seinen staunenden Protagonisten sehr an die Filme von Gareth Edwards. Ähnlich wie in Monsters und dem Anfang des Godzilla-Reboots stehen die Entdeckung des Unbekannten und der Zauber des Neuen im Vordergrund der Inszenierung, die mit immensen Bildern (auch ohne Kamera-Legende Roger Deakins) und wummerndem Score richtiggehend hypnotisiert.

Wenn sich der Film nach der ersten Begegnung im Mittelteil mit der weiteren Dechiffrierung der Aliensprache beschäftigt, kommt es zu kleinen repetitiven Längen, die zum Glück aber durch die Backstory der Protagonistin und die weltpolitische Lage immer wieder unterbrochen werden. Der Film hat mit Louises Geschichte, über die nicht zu viel verraten werden darf, eine emotionale Komponente, die schlussendlich einen grossen Teil des Filmes ausmacht und wichtige Fragen zum Menschsein aufwirft. Die politischen Bösewichte (China, Russland und Michael Stuhlbarg) sind zwar etwas klischiert und ein Subplot um zwei Soldaten vorhersehbar. Ob unsere Politiker wirklich so überlegt reagieren würden, wie es die USA hier tun, bleibt fragwürdig. Hätte Trump das Sagen, sähe der Film wohl etwas anders auf. Er regt damit auch zum Nachdenken an und zeigt die Wichtigkeit der Sprache auf und dass in unserer Welt die Kommunikation untereinander trotz globaler Vernetzung eindeutig zu kurz kommt.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 9

Conor

Ein in jeder Hinsicht aussergewöhnlicher Film.

Benster

Ich mag intelligente Filme, die auf Inhalt und Charaktere statt auf Action setzen. Bei diesem Film habe ich aber weder Charaktere noch Inhalte festgestellt. Nur endlos in die Länge gezogenes Stilleben und wirre Handlungsstränge ohne Vertiefung. Ich musste nach dem Film die Rückseite der Filmhülle lesen, um festzustellen, um was es eigentlich ging.

thatssno

Einer der besten Filme der vergangenen Monate. Hat mich noch lange nach dem Kinobesuch beschäftigt und begleitet.

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