Much Ado About Nothing - Aquí no ha pasado nada (2016)

Much Ado About Nothing - Aquí no ha pasado nada (2016)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast

Ist das eine Rolle Münzen in deiner Hose?
Ist das eine Rolle Münzen in deiner Hose? © trigon-film

Vicente (Agustín Silva) lebt einfach in den Tag hinein: lange schlafen, dann am Stand ein paar Freunde treffen und abends geht es auf die nächste Party. Seine Familie gehört zur Chiles Oberschicht und Vicente verschwendet keinen Gedanken daran, den Sommer mit Arbeiten zu verbringen. Der Abend wird lang und die Party wilder, neben jeder Menge Alkohol und hübschen Mädchen gibt es auch Drogen und einen kleinen Diebstahl. Auf dem Weg zur nächsten Location hält der Wagen plötzlich mitten im Nirgendwo an. Während Vicente sich auf der Rückbank mit einem Mädchen vergnügt, steigen die anderen aus dem Wagen und beratschlagen sich. Die Partynacht ist abrupt vorbei.

Ich mache dir ein Angebot...
Ich mache dir ein Angebot... © trigon-film

Wenige Stunden später wird Vicente von der Realität eingeholt: Es hat einen Unfall mit dem Wagen gegeben. Was ist genau passiert? Wer ist gefahren? Und wie viel Alkohol war wirklich im Spiel? Bei den Ermittlungen der Polizei steht Vicente plötzlich ohne seine neuen Freunde da, und es scheint, als liefe alles gegen ihn.

Die Produktionsgeschichte eines Films macht ihn vielleicht interessanter, aber nicht automatisch besser. Much Ado About Nothing behandelt ein nationales Thema, die Korruption in Chile. Der Film zeigt allerdings nicht die wahren Opfer, sondern einen unsympathischen jungen Mann aus der Oberschicht, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Man sieht dem Film sein niedriges Budget an. Er ist nicht nur visuell sehr monoton, sondern überzeugt auch auf der inhaltlichen Ebene nicht. Vielleicht wäre es die bessere Entscheidung gewesen, einen Dokumentarfilm über diese wahre Geschichte zu drehen.

Much Ado About Nothing ist bereits der vierte Spielfilm des chilenischen Regisseurs Alejandro Fernández Almendras. Finanziert mit der Hilfe der Crowdfunding-Plattform Indiegogo, lief der Film in diesem Jahr bereits in Sundance und auf der Berlinale. Almendra bringt eine wahre Geschichte auf die Leinwand, eine Geschichte über Korruption und Gerechtigkeit.

Bis zum Unfall erlebt man allerdings eine typische Partynacht von jungen Leuten. Jeder ist gut gelaunt, Alkohol und Drogen werden brüderlich geteilt, und das andere Geschlecht ist vor allem zum Flirten da. Vicente ist eigentlich nur einer von vielen, ein junger Mann ohne Verantwortung, der einfach nur Spass haben will. Er sieht gut aus und ist stellenweise so naiv, dass man es als Dummheit auslegen könnte. In der Gruppe gibt es exemplarisch eine junge Frau, die von Selbstsabotage spricht und sich beschwert, dass sie keine Liebe findet. Immerhin reicht es noch für Sex mit neuen Bekanntschaften.

Nach dem ersten Drittel spielen die anderen Figuren von der Party aber keine aktive Rolle mehr. Die älteren Charaktere sind vor allem dazu da, um Vicente Belehrungen zu erteilen oder ihn Form der Staatsgewalt zu verhören. Echte Interaktion bietet nur noch seine Sexfreundin, die aber auch von Vicente gelangweilt scheint. Wie auch bei vielen europäischen Filmen zeigt der Film eine natürliche Nacktheit, ohne unnötig explizit zu werden.

Wer Autofahrten und dazugehörige starre Kameraeinstellungen mag, wird Much Ado About Nothing lieben. Nie wird die Budgetknappheit deutlicher als in diesen zahlreichen Szenen. Natürlich spielt das Auto für die Geschichte eine wichtige Rolle und es steht auch für persönliche Freiheit. Aber es wirkt hier oft wie ein Lückenfüller, zumal der Film mit 94 Minuten Laufzeit schon recht kurz ist. Visuell werden viele SMS-Gespräche im Bild eingeblendet, am Ende folgt dann noch Twitter. So wirkt Vicente trotz seiner Isolation nicht ganz alleine. Dazu gibt es als Chronologie des Verbrechens auch eine Zeit- und Datumseinblendung.

Im Gegensatz zur Hauptfigur kann man als Zuschauer den weiteren Handlungsverlauf erahnen. Bis es wirklich dazu kommt, muss sich Vicente aber noch Monologe von Anwälten anhören. Mit Botschaften wie "Die Wahrheit ist etwas, das man beweisen kann" wird noch am stärksten auf die Thematik des Films hingedeutet. Das Justizspiel wirkt allerdings in die Länge gezogen, es fehlt an Spannung. Zudem bekommt man die eigentliche Verhandlung im Gericht gar nicht zu sehen. Der Film entscheidet sich am Ende für einen dokumentarischen Ansatz, der jegliche Emotionalität vermissen lässt. Die passende Reaktion auf Ungerechtigkeit ist Wut, und die kann man in einem Spielfilm wesentlich besser vermitteln als mit Tweets.

Sven Martens [sma]

Sven schreibt seit 2015 als Freelancer bei OutNow. Seine Sehnsucht nach Amerika reicht von Martin Scorseses New York über die weiten Steppen von John Ford bis hin zu Howard Hawks' Traumfabrik in Hollywood. In seiner Freizeit guckt er gerne Filme von Éric Rohmer.

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Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:50