Aquarius (2016)

Aquarius (2016)

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  2. 142 Minuten

Filmkritik: Ihr kommt hier nicht rein.

69e Festival de Cannes 2016
"Oh nein, jetzt habe ich mich ausgesperrt"
"Oh nein, jetzt habe ich mich ausgesperrt"

Die 65-jährige Clara (Sonia Braga) lebt in einer wunderschönen Wohnung im brasilanischen Recife, aus welcher sie das Meer sehen kann. Sie hat sich geschworen, dass man sie nur nach ihrem Tod aus dieser Wohnung vertreiben kann. Eine Baufirma möchte jedoch nicht so lange warten. Deren Vertreter Diego (Humberto Carrão) hatte zuvor schon allen anderen Bewohnern des Hauses ein Angebot gemacht, welches diese zufriedenstellend fanden. Nur Clara wollte sich nicht auf den Deal einlassen und wohnt nun ganz alleine in dem Haus.

Doch Diego lässt nichts unversucht, um die Rentnerin aus der Wohnung zu bekommen. So lässt er oberhalb Claras Wohnung eine basslastige Party feiern und verbrennt Matratzen im Hof, was die Fassade des Hauses nicht gerade schöner macht. Doch Clara bleibt stur und beginnt sich mit der Hilfe ihrer Freunde und ihren Kindern zu wehren.

In Aquarius gäbe es eine spannende Geschichte über eine Frau, die sich gegen eine fiese Baufirma behaupten muss. Doch Regisseur Kleber Mendonça Filho kleistert seinen Film mit Alltagssequenzen zu, welche die Erzählung immer wieder verlangsamen. Die 145 Minuten, die der Film dauert, sind ihm anzumerken. Die gefeierte brasilianische Hauptdarstellerin Sonia Braga überzeugt trotzdem und macht das Drama für den Zuschauer zu grossen Teilen fühlbar. Doch leider ist Aquarius eine verpasste Chance für einen grossartigen Film.

Eine ältere Frau soll aus ihrer Wohnung geekelt werden, doch diese denkt nicht dran, klein beizugeben. Diesen etwas dünn klingenden Plot hat der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho auf stolze zwei Stunden und 25 Minuten gedehnt. Gedehnt ist dabei das richtige Wort. Auch wenn Aquarius zwischenzeitlich packend ist, hätten viele "Alltagssequenzen" einfach weggeschnitten werden sollen.

Der Film erscheint zu Beginn etwas ziellos. Eine Rückblende führt den Zuschauer in die Achtziger, wo unter anderem Queens "Another Bites the Dust" zum Mitwippen einlädt. Sinn und Zweck dieser Sequenz ist es unter anderem, Claras Krebsbewältigung aufzubringen, was in einer Dankesrede während einer Geburtstagfeier einer Tante zur Sprache kommt. Dies ist unnötig umständlich erzählt. Filho zelebriert in diesem Flashback weiter Claras Verbundenheit mit der Wohnung und die Beziehung zu ihren Freunden.

Dies wird im weiteren Verlaufe noch ein paar Mal gemacht. Der Film wirkt dabei wie eine unfokussierte Version eines Asgar-Farhadi-Filmes. Auch die Filme des iranischen Oscarpreisträgers beginnen meist etwas unscheinbar und ziellos. Doch sobald das Drama aufgegleist ist, wird darauf fokussiert. Hier gibt es jedoch immer wieder Bremsklötze wie das Durchblättern eines Fotoalbums oder das Besuchen einer Geburtstagsparty. Diese Szenen bringen dem Plot kaum etwas.

Dies ist schade, da hier ein wirklich toller Film drinsteckt. Hauptdarstellerin Sonia Braga zeigt als rassige Clara eine starke Performance und die Emotionen gehen aufgrund der Ungerechtigkeiten, welche der Protagonistin widerfahren, auch auf und ab. Doch leider geht auch das Interesse aufgrund der Monsterlaufzeit, in der oft nichts wirklich Plotrelevantes passiert, auf und ab.

/ crs

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:31