Alice Through the Looking Glass (2016)

Alice Through the Looking Glass (2016)

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln
  1. , ,
  2. 113 Minuten

Filmkritik: Follow the blue butterfly

"You look FAB-U-LOUS!!!"
"You look FAB-U-LOUS!!!" © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Nach drei Jahren auf Abenteuerfahrt in China kommt Alice (Mia Wasikowska) 1875 wieder in London an. Ihre Pläne für weitere Handelsreisen werden allerdings gleich wieder versenkt, als sie erfährt, dass ihre Mutter (Lindsay Duncan) ihre Anteile am Unternehmen ihres verstorbenen Gatten verkaufen musste. Um das Familienhaus behalten zu können, müsste Alice ihrem einstigen Fastverlobten Hamish ihr geliebtes Schiff überschreiben. Da sieht sie plötzlich einen blauen Schmetterling, dem sie in ein Zimmer mit einem magischen Spiegel folgt, durch den sie zurück ins Unterland gelangt.

He, mit dem Finger zeigt man nicht!
He, mit dem Finger zeigt man nicht! © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Dort erfährt sie von ihren Freunden, dass es dem Mad Hatter (Johnny Depp) überhaupt nicht gut geht. Er ist besessen von der Idee, dass seine vor Jahren verstorbene Familie gar nicht tot sei. Um ihm zu helfen, soll Alice durch die Zeit reisen und deren Tod verhindern. Dafür muss sie von Time (Sacha Baron Cohen), der personifizierten Zeit, die Chronosphäre stehlen. Doch wie Alice bald herausfinden soll, könnte dies fatale Folgen haben...

Nachdem Alice in Wonderland weltweit über eine Milliarde Dollar eingenommen hat, übernimmt nun The Muppets-Regisseur James Bobin den Regiejob von Tim Burton. Herausgekommen ist ein ganz ordentlich unterhaltender Fantasyfilm, der trotz derselben Besetzung und ähnlicher Bildsprache aber kaum visuelle Highlights setzen kann. Weil der Film auch sehr Alice-unspezifisch ist, verkommt das Ganze letztlich zu einem stets vorhersehbaren und immer wieder leicht moralinsauren Zeitreiseabenteuer, bei dem man leider vergebens auf den Zauber und den Nonsens-Spass der Vorlage - oder auch früherer Verfilmungen - hofft.

Zwar trägt die von Tim Burton produzierte Fortsetzung den Titel von Lewis Carrolls zweitem, 1872 erschienenen Alice-Buch; weil die darin erzählte Story aber bereits zu einem grossen Teil im ersten Teil abgehakt wurde, hat Drehbuchautorin Linda Woolverton eine völlig neue Geschichte verfasst. Wer weiss, vielleicht hat sie sich dabei auch etwas von einem anderen von Disney verfilmten Klassiker inspirieren lassen: Denn bei Peter Pan ist es ja bekanntlich das Krokodil mit der tickenden Uhr im Bauch, das die ständig näherkommende Bedrohung der Zeit - und damit natürlich auch des Todes - verkörpert.

Hier ist es Blödelkomiker Sacha Baron Cohen, der mit gewohnt übertriebenem Akzent, ausladendem Kostüm und leuchtend blauen Augen als personifizierte Zeit gegen die Heldin antritt. Wider Erwarten stellt aber gerade seine Figur eines der Elemente dar, die tatsächlich funktionieren, ja sogar richtig sympathisch rüberkommen. Die zahlreichen Wortspielereien mit seinem Namen sorgen für einige Schmunzler, und auch wenn seine Helfer recht generische Wesen irgendwo zwischen Minions, Robots und Transformers sind, schliesst man diesen Teil von Underland doch recht schnell ins Herz.

Schade ist hingegen, dass man Zeit und Zeitreisemotiv so uninspiriert einsetzt. Klar, die eigentlichen Zeitreisen sind spektakulär umgesetzt - auch wenn das deutschsprachige Publikum bei Times Zeitreiseschiffchen an Jens Mauls Zeitreisetöffli in (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 erinnert werden dürfte. Die finale Botschaft erweist sich dann aber doch als recht altbacken und war in ähnlicher Weise schon unzählige Male zu sehen. Handelt der Film vorderhand von der Auseinandersetzung mit Verlust, Reue und dem Vergehen der Zeit, so entpuppt sich das Ganze am Ende als Spiegelung des Vorgängerfilms, allein schon visuell gut sichtbar dadurch, dass das Schicksalspergament - freilich unter umgekehrten (Zeit-) Vorzeichen - erneut Alices Reise lenkt.

Im Gedächtnis bleiben wird der Film wohl vor allem deshalb, weil es der letzte (stimmliche) Auftritt von Alan Rickman ist, der bei Filmende auch eine Widmung erhält. Seine Rolle als Schmetterling Absolem ist aber (in mehrfacher Hinsicht) sehr klein geraten. Ansonsten macht Alice Through the Looking Glass einen ganz ordentlichen Eindruck, Überraschungen bleiben jedoch aus; so hat man etwa auch hier wieder den in Alice-Adaptionen typischen Klapsmühlenaufenthalt eingeflochten (wie etwa im Game American McGee's Alice oder der TV-Serie Once Upon a Time in Wonderland). Mit den passablen Bildern, Johnny Depps uninspirierter Performance und den übrigen, kaum auffallenden Nebenfiguren vermag das Ganze zwar zu unterhalten, aber nicht wirklich zu begeistern.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd

Kommentare Total: 3

ma

War das Cohens eigene Idee eine Werner Herzog-Imitation darzustellen? Hat mich ziemlich rausgerissen...

muri

Farbenfrohes und fantasievolles Garnichts, das optisch sicher einiges hermacht, aber inhaltlich ziemlich leer daherkommt. Der Hutmacher nervt bald und selbst Borat als Zeit mit starkem deutschen Akzent vermag nicht viel zu retten.

Nicht sehenswert. Oder höchstens für diejenigen, die Teil 1 schon abgefeiert haben. Der war aber auch ein bitzli besser...

pps

Filmkritik: Follow the blue butterfly

Kommentar schreiben