The Accountant (2016)

The Accountant (2016)

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  2. 128 Minuten

Filmkritik: Bullets & Brain

Auch Batman muss Steuern bezahlen.
Auch Batman muss Steuern bezahlen.

Mathe-Genie und Autist Christian Wolff (Ben Affleck) arbeitet als Buchhalter in einem kleinen Steuerberatungsbüro in der Nähe von Chicago. Sein Leben scheint geordnet, ruhig und ohne Besonderheiten zu sein. Inoffiziell ist Wolff aber ein erfolgreicher Buchhalter für Unterweltorganisationen und gibt deren kriminellen Geschäften einen legalen Anstrich. Als der Direktor der US-Steuerbehörde Raymond King (J.K.Simmons) und seine Ermittlerin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) der wahren Identität Christians auf die Spur kommen, hat dieser gerade einen neuen Job gefasst.

Malen mit Zahlen
Malen mit Zahlen

Zusammen mit der jungen Buchhalterin Dana Cummings (Anna Kendrick) soll er ein Finanzleck in Lamar Blacks (John Lithgow) Robotikfirma aufindig machen. Schnell wird den beiden bewusst, dass an der Sache etwas faul ist, und schon bald gibt es die ersten Todesfälle im Umfeld des Konzerns. Plötzlich steckt auch Dana in Lebensgefahr, und Wolff fühlt sich gezwungen, seine Partnerin zu beschützen. Koste es, was es wolle.

Ben Affleck gibt in Gavin O'Connors The Accountant ein unauffälliges, autistisches Mathe-Genie, das hinter der Fassade für die Unterwelt als Buchhalter arbeitet und sich in Nullkommanichts in eine Killermaschine verwandeln kann. Eine ziemlich bekloppte Grundidee, die als reines Actionspektakel zwar hinhauen würde, nicht aber als ernstgemeintes Thrillerdrama über Autismus und Kapitalismus. Der kühl inszenierte The Accountant ist ein klischeetriefendes Genre-Durcheinander, das eine anständige Handlung und Figurenzeichnung vermissen lässt und einzig mit brachialen Actionszenen überzeugen kann.

Der letzte Film des New Yorkers Gavin O'Connor war ein regelrechter Flop. Jane Got a Gun mit Natalie Portman in der Hauptrolle war aber schon in der Produktionsphase ein Krampf, und die vielen Probleme haben dem Warrior-Regisseur Steine in den Weg gelegt. Die Wunden sind verheilt, und O'Connors nächster Versuch, an sein Boxerdrama-Meisterwerk anzuknüpfen, steht bereits in den Startlöchern. Mit Ben Affleck, J.K. Simmons, Anna Kendrick und weiteren bekannten Namen, einem Skript, das 2011 noch auf der Black List herausragender, aber unverfilmter Drehbücher stand, und einem kühlen, fast schon DC-Comics-ähnlichen Look hätte eigentlich nicht viel schief gehen dürfen. Doch leider ist The Accountant vieles, aber nichts so wirklich richtig. Der Ballerfilm mit einem Autisten an der Front ist zwar stellenweise schwarzhumorig und actionreich, zu oft aber undefiniert, zusammenhangslos und mit gewissen Wendungen gar lächerlich konstriuiert.

Ben Affleck in der Rolle des autistischen Buchhalters macht einen souveränen Eindruck. Obwohl der Autismus in diesem Falle sehr überspitzt dargestellt wurde und mehr an eine Mutation à la X-Men erinnert als an eine Krankheit, gelingt es Affleck, die Kampfmaschine, die seine Figur in Wirklichkeit ist, unter dem Deckmantel ihrer Introvertiertheit zu verstecken. Das Problem in diesem Falle sind Flashbacks, die einer Comichelden-Origin-Story gleichkommen und ziemlich trashig die Kindheit des Buchhalters beleuchten. Dies wäre grundsätzlich alles vertretbar, doch O'Connor weiss nie genau, ob sein Accountant nun ein ernstzunehmendes Thrillerdrama oder ein schwarzhumoriger Actionspass sein soll.

Während sich der eigentliche Plot immer wieder in langweiligen Dialogen verfängt und Schauspieler wie J.K. Simmons und Anna Kendrick mit Klischee-Figuren ohne Sinn und Zweck verheizt werden, kann der Film einzig und alleine mit seiner coolen John Wick-Action trumpfen. Dieses Ass im Ärmel kostet der zweifache Oscargewinner Affleck voll aus. Mit grosskalibrigen Waffen marschiert er als (Anti)-Held kompromisslos durch die Szenerie und ballert, was das Zeug hält. Spätestens zu diesem Zeitpunkt darf man sich als Zuschauer aber auch fragen, wieso dieses zusammengeschusterte Drehbuch so viel Anerkennung bekam. Wenn man dann noch die schrecklich vorhersehbaren Wendungen gegen Ende dazunimmt, in der auch Punisher-Darsteller Jon Bernthal seinen Senf dazugibt, darf man getrost das Gehirn auf Stand-by schalten und der gelungenen Action frönen. Mehr hat The Accountant nämlich nicht zu bieten.

/ yan

Kommentare Total: 4

bloodout

Das nenne ich mal einen Thriller -Action Film mit Niveau.Spannende Geschichte in einem guten Rythmus und tollen Bildern erzählt.Ein Grandioses Finale,Film des Jahres .Auch Ben Affleck Bravo,einfach alles Richtig gemacht !
Habe THE ACCOUNTANT wie alle Filme in der US -Fassung gesehen!

crs

#TeamYan. Kann alles so unterschreiben

evildead

Keine Ahnung mit welchen Erwarungen unser Kritiker hier den Film gesehen hat, aber ich fand der Film sauspannend und kann den jedem empfehlen der schon an Ben Afflecks "The Town" seine helle Freude hatte. Für mich einer der grösseren Kino-Highlight dieses Jahres. Könnte den locker ein 2. Mal schauen gehen.

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