31 (2016)

31 (2016)

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  2. 102 Minuten

Filmkritik: Wenn Doom-Head und Schizo-Head deine besten Freunde sind

Am 31. Oktober 1976 reisen die Karneval-Mitarbeitenden Charly (Sheri Moon Zombie), Roscoe (Jeff Daniel Philipps), Panda (Lawrence Hilton-Jacobs), Venus (Meg Foster) und Levon (Kevin Jackson) mit ihrem Bus durch die Südstaaten der USA. Bei einem Tankstellen-Stopp trifft Roscoe auf eine mysteriöse Fremde, die mit ihm flirtet. Kurze Zeit später wird die Weiterfahrt von auf der Strasse stehenden Vogelscheuchen gestoppt. Die Vogelscheuchen entlarven sich als Wilde, welche die Gruppe bewusstlos schlagen und an einen geheimen, unterirdischen Ort transportieren.

Als die fünf Freunde wieder aufwachen, sind sie mit Ketten gefesselt. Father Murder (Malcom McDowell) und seine Kolleginnen, welche in grotesken barocken Kostümen gekleidet sind, weisen die verdutzten Gefangenen ein in ein Spiel namens 31. Dass es ums nackte Überleben geht, ist ihnen sofort klar. Von ihren Ketten befreit, finden sich Charly, Roscoe, Panda, Venus und Levon nun in einem unterirdischen Labyrinth. Ausgerüstet mit Brechstangen und Holzschlägern müssen sie sich gegen ihren ersten Widersacher wehren: Schizo-Head, ein in Hitler-Montur aufkreuzender Kleinwüchsiger...

Rob Zombie is back: Mit 31 kehrt der Musiker und Filmemacher zurück zu seinen Wurzeln und bietet den Fans, was sie wollen. Literweise Blut, schräge Charaktere und der perfekte Soundtrack machen das Gemetzel zu einem echten Hingucker. Schon alleine der Auftritt von Doom-Head Richard Brake ist es wert, sich in den sadistischen Kerker zu wagen und 31 mitzufeiern.

Einen Film mit Crowdfunding zu finanzieren und dessen Premiere am Sundance Festival zu feiern: Rob Zombie ist endgültig im modernen Hollywood angekommen. Der Musiker und Filmemacher kehrt nach seiner skrupellosen (aber saugeilen) Neuinterpretation von John Carpenters Halloween und dem düsteren The Lords Of Salem zurück zu seinen Wurzeln: ein blutiges Hillbilly-Wüsten-Gemetzel unterlegt mit Klassikern aus der amerikanischen Rock- und Indiemusik. Let's get the party started!

Hand aufs Herz: Rob Zombie wäre nicht er selbst, wenn er intellektuelle Arthouse-Filme machen würde. Der einstige Frontmann von White Zombie hat sich mit der Familie Firefly in seinen beiden ersten Produktionen einen Namen im Genre gemacht und bietet mit 31 - der Titel bezieht sich auf den 31. Oktober, also Halloween - genau das, was sich Fans seit Jahren gewünscht haben. Zombie mag seine Fans so sehr, dass er daraus sogar ein Crowdfunding-Projekt gestartet hatte, um den Grossteil des Filmes finanzieren zu können. Nachdem anfangs unklar war, ob 31 der dritte Teil der Firefly-Familie oder sogar ein weiterer Michael-Myers-Slasher darstelle, gab Zombie bald einmal Entwarnung.

31 ist also eine neue Story auf bekanntem Terrain. In bekannter Hillbilly-Wüsten-Gemetzel-Manier spielt Zombie in gewohnt körnigen Bildern mit dem Schicksal seiner Charaktere - darunter seine Angebetete Sheri Moon Zombie (welche im Film einmal mehr fast zu Tode gewürgt wird.). Dass auch 31 mit Tabus spielt, wird klar, als ein Kleinwüchsiger namens Sick-Head in Hitler-Montur aufkreuzt, um unseren Protagonisten in gebrochenem Italienisch und zwei Dolchen den Garaus zu machen. 31 wirkt dabei aber nie lächerlich, sondern bleibt eine gelungene Mischung aus Horror, Action und genialem Sound-Design. Für den hypnotisierenden Soundtrack zeichnet sich Best Friend John 5 verantwortlich.

Wer in Zombies neustem Film eine Moral oder eine Message finden will, sucht vergebens. Antworten sind in 31 ziemlich überflüssig. So wird zwar Malcom McDowells Auftritt nicht aufgeklärt und man wird niemals herausfinden, was Doom-Head zu dem absolut sadistischen Joker-Klon gemacht hat, aber who cares? Wie bei all seinen Filmen gilt es auch hier, das Gemetzel mit einem nötigen Abstand zu betrachten und 31 nicht als Kritik an unserer Gesellschaft zu betrachten. Auch wenn Rob Zombie geäussert hat, dass am 31. Oktober in den USA statistisch gesehen die meisten Vermisstmeldungen eingehen. Hoppla!

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Kommentare Total: 4

gascoigne

In Hell, everybody loves Popcorn!

db

Wieder einer der klassischen Rob Zombie Streifen, nur ohne den Biss seiner alten. Letztendlich werden viele bekannten Elemente - von Folterkeller über Clowns bis hin zu tödlichen Spielen von abgefahrenen Charakteren - miteinander kombiniert, doch es bleibt in der Belanglosigkeit hängen. Die Opferlämmer sind gesichtslose Wegwerfnasen, welche trotz langfädigem Auftakt, kaum einen Eindruck hinterlassen und deshalb schert man sich auch wenig, wenn ihnen etwas zustösst.

Unter dem Strich sicher solide gemacht und erfrischend anders als die üblichen auf hochglanz polierten Schocker, doch vieles hat zu viel Routine und hätte mehr ausgereizt werden können.

woc

Filmkritik: Wenn Doom-Head und Schizo-Head deine besten Freunde sind

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Trailer Englisch, 02:21