Uns geht es gut (2015)

Uns geht es gut (2015)

  1. 93 Minuten

Filmkritik: Wieso Kunst-Studenten keine Filme machen sollten

11. Zurich Film Festival 2015
Rudel... äääh... schlafen?
Rudel... äääh... schlafen? © Studio / Produzent

Fünf junge Menschen geistern lethargisch durch die Stadt. Heimatslos suchen sie einen Ort zum Verweilen, um ihrem Hedonismus zu frönen. Im verlassenen Haus, im Swimmingpool, im Restaurant oder der Spielhalle, die Bande fühlt sich überall wohl, solange sie nur zusammen ist. Anführer der Ersatzfamilie ist Tubbie (Franz Rogowski), ein unberechenbarer Despot, der seine Freunde liebevoll küsst, nachdem er sie brutal zusammengeschlagen hat. Trotz seiner Grausamkeit folgen ihm Tim, Jojo, Birdie und das Mädchen Marie. Zusammen streunen sie in der Sommerhitze scheinbar ziellos durch die Gegend und suchen nach flüchtigen Momenten des Glücks.

Man merkt Henri Steinmetz' Film an, dass er mehr sein wollte, als er ist. Ein junger Regisseur zeigt fünf Mitt-Zwanziger, die nicht so genau wissen, wo sie im Leben stehen. Ja, das klingt doch gut, aber wurde auch schon tausende Male von anderen Filmemachern gemacht und nicht selten viel viel besser. Genau so wie die Bande ist nämlich der Film: jung, träumerisch aber leider auch perspektivslos und furchtbar langweilig.

Uns geht es gut wirkt nicht nur wie ein typischer Studenten-Film, er ist ein typischer Studenten-Film. Regie führte Herni Steinmetz, der gemäss eigenen Angaben beim grossen Michael Haneke ein Regiestudium absolvierte. Einen Einfluss Hanekes sucht man hier jedoch leider vergebens.

Die Handlung wird episodenartig aufgebaut, wie ein Bühnenstück. Alle 15 bis 20 Minuten wird die neue Szene durch lyrische Titel wie «Tubbie geht nach Hause, findet das Geld und wird angespuckt» oder «Tubbie hält Maries Hand und lässt dann los» dem Publikum präsentiert. Die Schauplätze der Szenen werden durchaus hübsch dargestellt, könnten aber genauso gut einem Fashion-Shooting entspringen. Da tanzen die fünf Protagonisten in einem Raum voller umherwirbelndem Laub, räkeln sich am Pool einer Luxusvilla, oder stehen auf der Treppe eines alten Hotels rum, wo der Putz langsam von den Wänden bröselt. Jaja das ist cool, das ist hip, aber bitte nicht 90 Minuten lang.

Tubbie, Tim, Jojo, Birdie und Marie sehen aus wie die üblichen Hipster, die in jeder Grossstadt aufzufinden sind. Ist Uns geht es gut möglicherweise sogar nur eine Promo-Aktion vom neusten XY-Hipster-Label? Man könnte es fast schon meinen, denn die Figuren sind wie die Schaufensterpuppen im Kleiderladen, leere Hüllen ohne Tiefgang. Die Ausnahme bildet vielleicht noch der Haupdarsteller Franz Rogowski, der einigen bekannt sein könnte aus Victoria. Er spielt den Anführer Tubbie sowohl liebevoll wie auch angsteinflössend und löst durch seine Schauspielkunst wenigstens Ansatzweise ein Interesse beim Zuschauer aus.

Bei diesem Drehbuch ist es allerdings auch ein Ding der Unmöglichkeit, ernstgenommen zu werden. Durch den ganzen Film erstrecken sich Dialoge wie folgender: "Ey, hast du Birdie tatsächlich eine Zigarette gegeben? - Nein, ich habe Birdie keine Zigarette gegeben - Wieso hast du Birdie eine Zigarette gegeben? - Ich bin doch nicht verrückt und gebe Birdie eine Zigarette". Und so weiter und so weiter... Urheber des Drehbuchs war übrigens «Alan Smithee», ein bekanntes Pseudonym für Regisseure und Drehbuchautoren denen es zu peinlich ist mit eigenem Namen angegeben zu werden.

Vom Stil her erinnert Uns geht es gut sehr stark an The Dreamers von Altmeister Bernardo Bertolucci. Während man bei den Träumern interessiert zusieht, wie die Protagonisten ihre Sexualität erkunden und an der Revolution teilnehmen, wünscht man sich hier nur ein schnelles Ende. Zu klischiert sind die Szenen, zu prätentiös die Figuren, zu dämlich die Dialoge, und zu langweilig ist die Handlung. Als zum Ende des Films noch ein billiger Abklatsch von Hans Zimmers "Where we're Going" aus Interstellar gespielt wird, nimmt es einen wahrlich lächerlichen Charakter an. Was soll hier jetzt bitte glorreich sein, um mit so einer Musik untermalt zu werden, ausser vielleicht dass das Publikum endlich den Saal verlassen darf? Vielleicht funktioniert das an der Kunsthochschule, aber bitte nicht im Kino.

/ sev

Kommentare Total: 2

Helene_Berlin

speziell und eigenwillig, abgedreht, ist gut dazu zu kiffen!
erinnert mich an den Film von Kubrick"Uhrwerk Orange"

sev

Filmkritik: Wieso Kunst-Studenten keine Filme machen sollten

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