Usfahrt Oerlike (2015)

Usfahrt Oerlike (2015)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: Zwei wie Pech und Pentobarbital

Wahre Freunde gehen durch dick und äh... dünn?
Wahre Freunde gehen durch dick und äh... dünn?

Bei Witwer Hans Hilfiker (Jörg Schneider) vermag seit einiger Zeit keine richtige Lebensfreude mehr aufzukommen. Vor ein paar Jahren ist seine geliebte Frau gestorben, er hat sich mit Sohn Beat (Daniel Rohr) zerstritten und der Alltag macht dem 80-Jährigen auch immer mehr zu schaffen. Als auch noch Hans' Hund stirbt, vertraut der Rentner sich seinem besten Freund Willi (Mathias Gnädinger) an und gesteht, dass er am liebsten sterben würde.

Ja, doch, ganz nett die Kleine!
Ja, doch, ganz nett die Kleine!

Ein unglücklicher Unfall zwingt Hans dazu, sich für ein paar Wochen ins lokale Altersheim in Pflege zu begeben. Doch weder die gewinnende Art seiner Pflegerin Mary (Beatrice Blackwell) noch die Gespräche mit Frau Brütsch, die dem Leben in der Altersinstitution durchaus auch Positives abgewinnen kann, vermögen die Lebensgeister in Hans wieder zu erwecken. Obwohl er ein erfülltes Leben hatte und sich seine aktuelle Situation nicht allzu schlecht präsentiert, beschliesst Hans, mit Willis Hilfe den Zeitpunkt seines Todes selber zu bestimmen und in Würde aus dem Leben zu treten - ein Wunsch, der sich nach einem leichten Schlaganfall noch verstärkt. Doch als sein Sohn, zu dem seit Jahren Funkstille herrschte, plötzlich wieder in sein Leben tritt, scheint Hans zu zögern.

Usfahrt Oerlike greift das topaktuelle Thema «Sterbehilfe» auf und versucht sich damit am öffentlichen Diskurs zu beteiligen. Obwohl die beiden Hauptdarsteller Jörg Schneider und Mathias Gnädinger mit der Darstellung ihrer jeweiligen Charaktere überzeugen, wollen dennoch keine Emotionen entstehen. Das liegt einerseits an den flachen Dialogen. Andererseits verliert der Film aber auch seinen Fokus, weil zu viele Erzählstränge aufgegriffen und oberflächlich abgehandelt werden. Usfahrt Oerlike lebt von seinen beiden Hauptdarstellern und seinem brisanten Thema. Dennoch verpufft viel Potenzial, und dies lässt den Film in die graue Masse des Durchschnitts abfallen.

Treffender könnte Regisseur Paul Riniker den Puls der Zeit in Usfahrt Oerlike nicht treffen. Längst ist aus dem einstigen Tabu «Sterbehilfe» ein gesellschaftlicher Diskurs entstanden, an dem sich nicht nur strenge Gegner und passionierte Befürworter beteiligen. Auch Rinikers zweiter Kinospielfilm widmet sich dem Thema. Mit den Schauspiel-Urgesteinen Jörg Schneider, Mathias Gnädinger und Heidi Maria Glössner bietet zudem der Cast beste Voraussetzungen für einen glaubwürdigen, aus dem Leben gegriffenen Spielfilm, der neben amüsanten Momenten dem Thema mit der nötigen Würde begegnet.

Dieser Spagat ist den Machern leider nicht gelungen. Während des Verlaufs werden zu viele Handlungsstränge aufgenommen. Neben Hans' innerer Zerrissenheit bekommt das Publikum auch Willis Geschichte gezeigt. Pflegerin Marys persönliche Probleme werden ebenfalls noch in zwei Szenen abgehandelt. Und als ob dem nicht genug wäre, verwenden die Autoren auch noch etliche Zeit darauf, Sohnemanns Lebensumstände näher zu beleuchten. Dabei geht der Fokus auf die eigentliche Botschaft verloren und die gesamte Geschichte kommt etwas hilflos daher. Zumal die einzelnen Episoden nur oberflächlich angeschnitten werden und sich in einer plötzlichen Fügung aufklären. Das ist zu viel des Guten und die Macher tun weder sich noch ihren sonst brillanten Darstellern einen Gefallen damit.

Das Duo Schneider/Gnädinger rettet dabei, was es noch zu retten gibt. Beide verfügen über jahrzehntelange Schauspielerfahrung. Mit ihrem charmanten Auftritt spielen sie die hölzernen Dialoge in den Hintergrund und lassen die platten Handlungen entschuldigen. Obwohl das Gespann so noch nie auf der Kinoleinwand zu sehen war, harmonieren sie offensichtlich. Beide gehen schauspielerisch auf ihren jeweiligen Charakter ein und vermögen dadurch auch die anderen Figuren des Films mit ins Boot zu holen. Dennoch wollen keine richtigen Emotionen hochkommen und am Ende bleibt ein schales Gefühl. Ufahrt Oerlike lebt von seinen beiden Hauptdarstellern und seinem brisanten Thema - das Potenzial für mehr wäre aber durchaus vorhanden gewesen.

/ hom