Truman (2015)

Truman (2015)

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  3. 108 Minuten

Filmkritik: Mit dem Hund kamen die Tränen

11. Zurich Film Festival 2015
Gruppenbild mit Hund.
Gruppenbild mit Hund. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Tomás (Javier Cámara) reist aus dem kalten Montreal zurück in die alte Heimat Madrid zu seinem langjährigen Freund Julián (Ricardo Darín). Julián leidet an Krebs, möchte aber keine weiteren Therapien mehr durchführen und stattdessen letzte Vorbereitungen auf den nahenden Tod vollziehen. Tomás soll ihm dabei unterstützend zur Seite stehen. Am wichtigsten ist für Julián dabei das Wohlbefinden seines Hundes. Der Boxer Truman soll es auch ohne ihn gut haben.

Group hug!
Group hug! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Etwas widerwillig gibt der überraschte Tomás klein bei und begleitet Julián zum Tierpsychologen oder dem Bestatter, um finale Fragen zu klären. So eine Beerdigung will schliesslich genau budgetiert sein und der Hund sanft ins "Witwerleben" überführt werden. Ein Überraschungstrip zum studierenden Sohn nach Amsterdam lockert die Sache auf. Aber der definitive Abschied naht, und Julián mag solche gar nicht.

Krebs rafft im Kino einiges dahin. Truman ist die Variante in der Geschmacksrichtung "Spanische Mittelklasse" und sprengt die Konventionen des Genres nicht. Es ist das übliche "Abschied nehmen" und "dem Tod ins Auge Sehen", das es zuhauf gibt. Aber weil richtige Hombres schliesslich nicht weinen, ist es kein Tränendrüsendrücker, sondern fasziniert mit dem Kontrast des leicht narzisstischen Schauspielers Julián und dem unterkühlten Wissenschaftler Tomás. Darín und Cámara, welche die beiden Freunde spielen, wurden beim Filmfestival in San Sebastian zurecht mit dem Darstellerpreis gewürdigt.

Die Tragikomödie des katalanischen Regisseurs Cesc Gay, der in Spanien schon einige Filme ins Kino gebracht hat, beackert den Kinodauerbrenner "Krebstod" auf traditionelle Weise. Spannend ist der Ansatz, den nahenden Tod aus der Sicht eines Freundes zu schildern. Tomás wird als erste Figur eingeführt und erst später kommt es zu teils amüsanten Episoden einer dahinsiechenden Männerfreundschaft.

Ricardo Darín, der berühmte argentinische Schauspieler (Wild Tales), ist als Julián um einiges weniger cool, als er sich gibt. Und viel Witz spielt sich in den Gesichtsausdrücken von Javier Cámara wieder, der oft nicht weiss, wie ihm geschieht. Die eigentlich todtraurige Geschichte wird durch die Freundschaft der beiden aufgelockert, auch wenn man sich zuerst gar nicht sicher ist, ob die beiden sich wirklich mögen.

Letztendlich ist der Filme aber doch sehr traditionell in seinen Schlussfolgerungen und erlaubt sich zum Ende seltsame Wendungen, die unnötig sind. Es ist ein nur leicht "anderes" Krebsdrama, bei dem Männer auch Gefühle zeigen dürfen - wenn auch nur für Hunde.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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