The Survivalist (2015)

The Survivalist (2015)

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  2. 104 Minuten

Filmkritik: Blick in die Zukunft?

11. Zurich Film Festival 2015
Grüne Hölle
Grüne Hölle © Studio / Produzent

Die Erdölvorräte sind aufgebraucht und Nahrung ist längst Mangelware. In einer Welt nahe am Abgrund kämpft jeder selbst um sein Überleben. So auch ein junger namenloser Einzelgänger (Martin McCann) im Wald. Mit Gewehr und eigenem Garten versucht er in seiner bescheidenen Hütte zu überleben. Der übervorsichtige Überlebenskünstler konnte sich trotz den überall lauernden Gefahren schützen und führt ein einsames Leben.

Haare nicht so schön
Haare nicht so schön © Studio / Produzent

Doch die Einsamkeit ist nur von kurzer Dauer. Als zwei fremde Frauen, Kathryn (Olwen Fouere) und ihre Teenager-Tochter Milja (Mia Goth) plötzlich vor seiner Türe stehen, reagiert der junge Mann instinktiv und versucht sein Territorium zu schützen. Die zwei Frauen bitten um Unterkunft und Nahrung. Milja bietet sich dafür gleich selbst an. Ein Angebot, das der junge Mann trotz Misstrauen nicht abschlagen kann. In einer einsamen Welt, in der jeder kleinste Fehler tödlich ausgehen könnte, ist es aber vielleicht doch am besten, alleine zu sein.

Der britische Regisseur und Drehbuchautor Stephen Fingleton sorgt mit seinem Spielfilmdebüt The Survivalist für eine der grössten Überraschungen des Jahres. Der minimalistische Survival-Endzeit-Thriller ist unheimlich stimmig und beängstigend realistisch in Szene gesetzt. Der animalische Überlebenskampf, gespickt mit vielen Close-Ups, wenig Dialog und der Natur als musikalischer Dirigent ist nah an den Figuren und nichts für zarte Gemüter. Ein schmerzhafter Film, der mit seiner Dystopie vielleicht gar nicht so daneben liegt.

Endzeitfilme gibt es tonnenweise. Genreübergreifend schleichen sich solche Szenarien in Horrorfilme (28 Days Later), Animationsfilme (Wall-E), Dramen (The Road), Thriller (12 Monkeys), Actionfilme (Mad Max: Fury Road) oder ab und zu gar in Komödien (This is the End). Auch bei den Oscars spielten Endzeitfilme schon eine Rolle, so wurde beispielsweise Children of Men für Oscars nominiert und Interstellar gar mit welchen ausgezeichnet. Der mit Abstand interessanteste Fakt an solchen Werken ist die Nähe zur Gegenwart. Die Erde bröckelt und unser Heimatplanet scheint sich langsam aber sicher zu wehren. Sehr oft werden diese Aspekte aber nur am Rand angeschnitten und die verschiedenen Genre-Stilmittel halten die Oberhand, so dass das eigentliche Szenario bloss als Setting herhalten muss.

The Survivalist von Stephen Fingleton lebt von seiner Atmosphäre; der Survival-Thriller hat nicht nur eine Endzeit-Idee, ein Leben wie das des titelgebenden Überlebenskünstlers ist in Zukunft gar nicht mal so unwahrscheinlich, und genau das macht Fingletons Spielfilmdebüt so eindrücklich und vor allem anders. Nah und teilweise schon fast dokumentarisch inszeniert begleitet der Zuschauer den vom Leben gezeichneten Überlebenden (Martin McCann). Der Ire hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Michael Fassbender und spielt den auch äusserlich sichtbar abgehärteten Mann genauso überzeugend wie der grosse Hollywoodstar. Auch wenn die Darstellerriege ausnahmslos überzeugt, die Kamera direkt an den Gesichtern klebt und jede eingefangene Mimik oder Gestik eine wichtige Rolle spielt, ist es vor allem die Inszenierung an sich, die dem Zuschauer den Atem raubt. The Survivalist ist roh, brutal und kompromisslos. Der Mensch, ein Tier. Die animalischen Züge der Figuren, Verstand gegen Instinkt. Das Ziel heisst Überleben. Definitiv kein einfacher Film, aber dafür ein ehrlicher und beunruhigender.

Die Naturkulisse, die kaum vorhandenen Dialoge und die Natürlichkeit in den Handlungen der Figuren sorgen für viel Atmosphäre. Da wäre der zusätzlich eingebaute surreale Aspekt, in dem der Namenlose seinen Bruder in Rückblenden sieht, gar nicht nötig gewesen. Die Hauptstory um die Dreiecksbeziehung hat durch die sexuellen Spannungen einen weiteren sehr realistischen Strang, der von Fingleton ungeschönt in Szene gesetzt wurde. The Survivalist ist der pure Kampf ums Überleben. Ein starker Film, der keine Sekunde kalt lässt.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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