Strangerland (2015)

Strangerland (2015)

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  3. 112 Minuten

Filmkritik: True Detective im Outback

11. Zurich Film Festival 2015
Sie stecken nicht unter einer Decke.
Sie stecken nicht unter einer Decke. © Studio / Produzent

In einer australischen Kleinstadt, die umringt ist von der Wüste, versucht die Familie Parker ein neues Leben zu beginnen. Matthew (Joseph Fiennes) der Familienvater, verbringt die meiste Zeit mit seiner Arbeit als Apotheker und überlässt die zwei rebellischen Kinder seiner Frau Catherine (Nicole Kidman). Der kleine Tom wandert nachts ziellos in der Gegend rum, während das Teenager-Mädchen Lilly mit jedem flirtet, der sie nur ansieht.

Als die beiden Kinder eines Nachts jedoch nicht zurückkehren und ein gewaltiger Sandsturm über die kleine Stadt zieht, bricht das Chaos aus. Gemeinsam mit Polizei und Nachbarn wird das Outback durchkämmt, doch mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, die Kinder lebend wiederzufinden. In der glühenden Hitze kommen dazu vermehrt Gerüchte über das Verschwinden von Lily auf und über die Geheimnisse der Familie, wieso sie in die Kleinstadt gezogen ist.

Kim Farrants Debütfilm zeigt eine Familie, die versucht, in der Wüste zurechtzukommen. Ist der Titel Strangerland jedoch möglicherweise nicht auf den Un-Ort des Outbacks zurückzuführen, sondern auf die Fremdartigkeit der Familie unter sich? Das Drama, das immer wieder zwischen Thriller und Suspense wechselt, wird von träumerischen Sequenzen begleitet, einer schauerlichen Musik unterlegt und hat eine starke Nicole Kidman in der Hauptrolle. Trotz einiger Plotlöcher sehenswert.

Strangerland erinnert mit den langen Luftaufnahmen der Natur, der schauerlichen Musik und den traumartigen Sequenzen sehr stark an die Hit-Serie True Detective. Tatsächlich war Keefus Ciancia, der für den minimalistischen Soundtrack des Filmes zuständig war, auch bei der Serie beteiligt. Während sich True Detective auf die beiden Ermittler konzentriert, steht in Farrants Drama jedoch die Familie im Vordergrund.

Schritt für Schritt wird der mysteriöse Hintergrund der Familie ergründet und aufgezeigt, wie fremd sich die einzelnen Mitglieder wirklich sind. Verzweifelt versucht Catherine, gespielt von einer grossartigen Nicole Kidman, ihr Selbstwertgefühl mit Sex aufzupeppen. Hat ihre Tochter Lily, das schlussendlich doch von ihr gelernt? So wird Catherine zumindest von ihrem Mann beschuldigt, ihre Tochter verdorben zu haben. Matthew wird wiederum beschuldigt, seine Tochter als Kind misshandelt zu haben, was der Grund sei für ihr Verhalten. Als die Kinder verschwinden, bricht das Ehepaar zusammen und sucht nach Schuldigen in der Nachbarschaft und bei sich selbst.

Neben Kidman und Joseph Fiennes (der seinen Bart etwas zu genau stutzte und ein bisschen overactet) ist die Landschaft heimlicher Hauptdarsteller. Gleichermassen mysteriös und bedrohlich wirkt das australische Outback. Eine alte Aborigine-Frau vermutet sogar, dass die Wüste selbst für das Verschwinden der Kinder zuständig sei. Man spürt die glühende Hitze auf den Köpfen der verzweifelten Eltern und versteht, dass ein Mensch langsam verrückt werden kann.

Kim Farrants Debütfilm ist ein guter Film, man darf aber nicht zu viel darüber nachdenken. Tut man das doch, finden sich schnell viele Plot-Holes, die wenig Sinn machen. Der Film weiss selbst nicht genau, was er eigentlich ist. Mal ist er Thriller, mal ist er Suspence und selten sogar Horror-artig. Das mag der Grund sein, wieso True Detective von vielen Kritikern verrissen worden ist. Trotzdem bleibt der australische Film ein solides Erstlingswerk, und man hofft auf mehr von Kim Farrant.

/ sev