Spotlight (2015)

Spotlight (2015)

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  3. 128 Minuten

Filmkritik: Press: Good, Church: Bad

72. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2014
Batman und Hulk auf einem Bild!
Batman und Hulk auf einem Bild!

Die katholische Kirche übt Macht und Einfluss aus, wie es nur wenige Organisationen vermögen. Wo so viel Kontrolle im Spiel ist, wird dies natürlilch auch gerne ausgenutzt, und so gibt es immer wieder Anschuldigungen und Vertuschungsgeschichte im Umfeld der Kirche. 2001 erhält das "Spotlight"-Redaktionsteam, welches unter der Leitung von Robby Robinson (Michael Keaton) für den Boston Globe investigative Storys verfasst, den Auftrag, einen etwas älteren Fall eines des Kindesmissbrauchs beschuldigten Priesters neu aufzurollen. Das Team findet schnell heraus, dass dieser Fall nur die Spitze des Eisbergs ist und gerät während seinen Nachforschungen in ein Netz der Ungerechtigkeit und Korruption.

"Hast du wieder Papierstau verursacht?"
"Hast du wieder Papierstau verursacht?"

Bei ihren Ermittlungen bekommen die mutigen Zeitungsleute natürlich nicht immer nur Unterstützung und werden immer wieder von hochrangingen Kirchenvertretern bedroht und eingeschüchtert. Die Arbeit setzt den taffen Journalisten auch persönlich ganz schön zu, da die Anzahl der vertuschten Fälle von Kindesmissbrauch viel höher ist als zuerst angenommen. Spotlight hat nun nicht nur die Verantwortung, die Bevölkerung wachzurütteln, sondern die Täter endlich zu entlarven und zur Rechenschaft zu ziehen.

Man kann es den Machern von Spotlight nicht übel nehmen, dass sie in Ihrem Film die katholische Kirche anprangert, ja regelrecht verteufelt: Die Fakten sprechen für sich. Trotzdem hätte die Problematik tiefgründiger behandelt werden können. Dies gilt auch umgekehrt, denn wenn die Kirche der Bösewicht ist, sind die Journalisten die Superhelden, die zur Stelle sind, wenn das Gesetz versagt. Die schauspielerischen Leistungen, allen voran die von Mark Ruffalo, und der durchgehend stark gespannte Spannungsbogen lassen diese Engstirnigkeit jedoch schnell vergessen. Wenn man nach dem Film den im Boston Globe publizierten Artikel über den Skandal lesen möchte, hat der Film schon ziemlich viel richtig gemacht.

Nach dem Adam Sandler-Kritikerflop The Cobbler widmet sich Regisseur Thomas McCarthy (Win Win) einem ernsteren Thema und inszeniert mit Spotlight ein auf wahren Begebenheiten beruhendes Thrillerdrama, welches mit einer perfekten Besetzung und einem spannenden Plot aufwartet. Mit seinem praktisch "nur" aus den Nachforschungen, Befragungen und Entdeckungem der Redaktionscrew bestehenden Plot erinnert der Film an Filme wie Zodiac oder State of Play.

Es ist faszinierend, den Journalisten bei ihrer Arbeit zu folgen, und man wird sich bewusst, wie wichtig eine solche Berichterstattung sein kann. Vielleicht stellt sie McCarthy sogar etwas zu heldenhaft dar. Doch bei diesem Cast war das bestimmt auch verlockend. Michael Keaton kann zwar nicht ganz an seine letztjährige Glanzleistung in Birdman anknüpfen, doch dafür ist seine Rolle auch zu klein. Als Leiter des Teams mit einem Geheimnis zeigt er aber eine sehr menschliche, gute Leistung. Niemand drängt sich vor, das Wort "Ensemble" gilt hier definitiv, doch Mark Ruffalo kann es nicht lassen, die Schau ein wenig zu stehlen. Der draufgängerische Michael Rezendez hat mit seiner engagierten Vorgehensweise die Zuschauer im Nu auf seiner Seite. Er darf trotz der tragischen Thematik und seiner verletzlichen Figur auch ab und an etwas Leichtigkeit in den Film bringen, die bei all dem Drama mehr als wilkommen ist.

Optisch gibt der Film leider wenig her und erinnert in seiner Inszenierung eher an The Newsroom als an grosse Kinofilme. Dazu trägt auch der einfallslos dahinklimpernde Score von Howard Shore bei. Zum Glück hat die Geschichte gar keinen technischen Schnickschnack nötig und wird trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden in einem mitreissenden Tempo erzählt, welches kaum Zeit zum Luftholen bietet. Das intelligente, dialoglastige Drehbuch verlangt Aufmerksamkeit, die man ihm gerne schenkt, und gerade deswegen verärgern ein paar wenig plumpe Szenen gegen Schluss, bei denen aufs Unsubtilste noch einmal für den Hinterletzten verständlich gemacht wird, was die Aussage es Filmes ist. Trotz diesen kleinen Fauxpas beweist sich McCarthy erneut als Filmemacher, auf dessen nächstes Werk man immer gespannt sein kann, sofern er Adam Sandler ganz schnell aus seinem Telefonbuch löscht.

/ ma

Kommentare Total: 2

muri

Höchst interessante Thematik, ganz starke Darsteller. Zurecht mit dem Oscar belohnt.

Ist aber halt keine "leichte" Unterhaltung.

Bravo!

ma

Filmkritik: Press: Good, Church: Bad

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