Sicario (2015)

Sicario (2015)

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  2. 121 Minuten

Filmkritik: Kate im Land der Wölfe

"Scheisse, Türe offengelassen."
"Scheisse, Türe offengelassen."

Nachdem FBI-Teamleaderin Kate Mercer (Emily Blunt) bei der Stürmung eines Drogenverstecks innerhalb der USA an vorderster Front dabei gewesen ist, wird sie von einer Spezialeinheit unter der Leitung des machohaften Matt Graver (Josh Brolin) rekrutiert. Mercer soll zusammen mit einem Team, dem auch der schweigsame Kolumbianer Alejandro (Benicio del Toro) angehört, nach Juárez fahren, um ein hohes Mitglied des mexikanischen Sonora-Kartells abzuholen.

Dieser soll dann in die USA gebracht werden, damit er einem Verhör unterzogen werden kann. Ziel ist es, wichtige Informationen für die Zerschlagung des Kartells herauszubekommen. Trotz eines kurzen Feuergefechts an der Grenze gelingt die Mission. Doch nun hat Mercer jede Menge Fragen, die aber niemand so richtig beantworten will. Worauf hat sie sich hier nur eingelassen?

In Sicario beobachten wir den Krieg gegen die mexikanischen Drogenkartelle. Dabei agiert Protagonistin Kate Mercer (Emily Blunt) etwas zu passiv und wird von ihren Kollegen immer wieder zur Seite geschoben. So ist der Thriller mehr interessant als spannend. Atemberaubend sind die Bilder von Roger Deakins und der Score Jóhann Jóhannsson. Ein Film für Fans von Filmen wie Traffic und Zero Dark Thirty.

Eine Tafel erklärt zu Beginn von Denis Villeneuves neustem Thriller, dass "Sicario" im Mexikanischen "Hitman" ("Auftragskiller") bedeutet. So stehen danach auch logischerweise bezahlte Killer im Mittelpunkt des Filmes. Doch wir schauen nicht etwa Mexikanern beim Töten über die Schultern, sondern US-Amerikanern, welche genauso sehr aufs Gesetz pfeifen wie diejenigen, die sie eigentlich jagen. Im Kampf gegen die Drogen, so scheint es, muss Feuer mit Feuer bekämpft werden. Zum Beobachten ist dies interessant. Mit der Spannungsschraube hat es der Film dann aber nicht so.

Das Grenzgebiet USA/Mexiko wird einmal von Benicio del Toro als Land der Wölfe bezeichnet. Hier muss man knallhart und skrupellos sein, um zu überleben oder um etwas zu erreichen. So überrascht es nicht, dass die Männer in diesem Film fast alle abgebrühte Kerle sind, die entweder total in sich gekehrt sind (del Toro) oder mit Machosprüchen Toughness zeigen - so beschreibt Josh Brolins Agent ein bevorstehendes Feuergefecht mal mit "The 4th of July on Steroids".

Da dies hier jedoch nicht der neuste Teil der Expendables-Reihe ist, sondern ein Thriller, der sein Thema ernst nimmt, brauchte der Film noch eine Figur, mit welcher der Zuschauer sympathisieren kann. Auftritt von Emily Blunts Kate Mercer, mit der wir ins Land der Wölfe gehen. Mercer hat wie der Zuschauer nicht so richtig einen Plan, was genau läuft und wird zum grossen Teil im Dunklen gelassen. Blunts Charakter ist lediglich eine Schachfigur, die mal als Lockvogel missbraucht und auch mal zur Seite geschoben wird. Dies ist so beabsichtigt, ist aber auch ein bisschen frustrierend: schwierig, mit einer Person mitzufühlen, die irgendwie nicht so richtig wichtig für die Erfüllung der Mission ist und so unter anderem im Showdown nichts zu melden hat.

So ist Sicario nicht ein Thriller der gewöhnlichen Art. Vielmehr ist es ein Film, der die Methoden im Krieg gegen die Drogenkartelle zeigt. Am ehesten ist er mit Zero Dark Thirty zu vergleichen, wo die Jagd aus Osama Bin Laden gezeigt wurde. Beide zeigen eine Mission, an deren Ende es keinen wirklichen Gewinner gibt. Auch wenn Villeneuves Werk nicht an Kathryn Bigelows Oscargewinner herankommt, ist er doch auch dank der wunderbaren Bilder von Kameramann Roger Deakins (jetzt gebt dem Mann endlich einen Oscar!) und Jóhann Jóhannssons hämmerndem Score sehenswert. Der vom Regisseur gross angekündigte beste Film, den er je gemacht hat, ist Sicario aber ganz bestimmt nicht. Für das hat der Kanadier mit Incendies und Prisoners die Latte zu hoch gelegt.

/ crs

Kommentare Total: 5

oscon

Erschreckender(, da realistischer?) Film, der den unrechtmässigen Kampf der amerikanischen Regierung gegen die mexikanischen Drogenkartelle zeigt.
Dabei wirkt das Grenzland zwischen Arizona und Mexico wie ein Kriegsschauplatz. Lange bleibt man mit der Hauptprotagonistin im Dunkeln: Ist es ein Krieg oder doch eine persönliche Abrechnung?
Hervorragend ist der Cast besetzt, mit einer Emily Blunt als überforderte FBI Agentin, Josh Brolin als knallharter, arroganter Berater und dem unheimlichen Benicia del Toro.
Auch der penetrante, sich überschlagend wirkende Soundtrack bleibt lange in Erinnerung. Knallhart !!!

philm

Es fing sehr gut an. Aber wie ()=() [Hantelmann?] schon geschrieben hat: "Es ist eine [storymässig gar dünn angesäte] 0815 Rachestory, welche mit intensiven und spannenden Momenten ausgestattet ist." Für mich zu langsam vorwärts getrieben. Ich habe dann in der Mitte aufgehört zu schauen. Kamera ist super.

Ghost_Dog

Cooler Film, der was draufhat. Unterhält sehr gut, Spannung ist angesagt. Man sieht sich wenn die Wölfe wieder umherstreifen...

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