Mountains May Depart - Shan he gu ren (2015)

Mountains May Depart - Shan he gu ren (2015)

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  2. 131 Minuten

Filmkritik: Go West!!!

Fast and Furious: Fenyang Drift
Fast and Furious: Fenyang Drift © filmcoopi

1999: In Fenyang, einer Stadt in der chinesischen Provinz Shanxi, leben die aufgeweckte Tao (Zhao Tao), der reiche Unternehmer Zhang (Zhang Yi) und der arme Minenarbeiter Liangzi (Liang Zin Dong). Alles ist wunderbar zwischen den dreien, doch dann will Zhang Tao für sich alleine haben. Zhang droht Liangzi deshalb mit Gewalt und sorgt dafür, dass dieser seinen Job aufgibt.

2014: Tao und Zhang sind ein geschiedenes Ehepaar, haben jedoch aus ihrer gemeinsamen Zeit noch einen achtjährigen Sohn, der auf den Namen Dollar hört. Dollar darf ein paar Tage bei seiner leiblichen Mutter verbringen, wobei das von seinem Vater verwöhnte Kind in dieser Zeit auch das einfache Leben zu schätzen lernt.

Im Jahr 2025 lebt Dollar (Dong Zijian) in Melbourne, hat den Kontakt zu seiner Mutter völlig verloren, sich mit seinem Vater verkracht und seine Muttersprache verlernt. Der deprimierte Junge weiss nicht, was mit seinem Leben anfangen, findet dann aber in seiner Lehrerin (Sylvia Chang) eine Stütze und noch mehr.

Regisseur Jia Zhang-Ke hält auch in seinem neusten Film China den Spiegel vor. Dabei ist er sich treu geblieben. Mit Übertreibungen erzählt er eine Geschichte, die sich zeitlich über 26 Jahre erstreckt. Richtig nahe will dieses Drama aber aufgrund vieler Klischees nicht gehen. Für Fans des Vorgängerfilmes A Touch of Sin ist der Film aber sehenswert.

Der chinesische Autorenfilmer Jia Zhang-Ke ist in seinen Filmen bisher noch nicht mit viel Feelgood aufgefallen. Umso überraschender ist es, dass sein neustes Werk mit tanzenden Chinesen und dem Pet-Shop-Boys-Megahit "Go West" beginnt. Im Verlaufe des Filmes geht dann aber niemand gen Westen - es zieht die Protagonisten mehr in den Osten. Das "Go West" ist aber weniger auf die Figuren bezogen sondern auf das Land China, welches sich immer mehr dem Westen anpasst. In dem Film wird so ein Kind allen Ernstes "Dollar" getauft, und gegen Ende wird fast nur noch Englisch gesprochen.

Rein formal ist dies interessant umgesetzt. Die Erzählung beginnt im Jahr 1999 mit dem Bildformat 4:3. Nach 40 Minuten, wo dann auch erst der Titel zu sehen ist, springt man ins Jahr 2014, und es gibt dann auch einen Wechsel auf 16:9. Zum Abschluss wagt der Regisseur noch einen Blick in die Zukunft, genauer ins Jahr 2025, wo wir die Geschehnisse in 21:9 beobachten. Für diejenigen, für die jetzt Bahnhof verstanden haben: Das Bild wird immer breiter. Die Figuren und im übertragenen Sinne auch natürlich China öffnen sich immer mehr, sind weltoffener. Friede, Freude, Eierkuchen herrscht aber zu keiner Zeit. Immer gibt es ein paar Probleme, wobei Jia Zhang-Ke immer mal wieder pathetisch wird. So wird zum Beispiel der kapitalistische Ami-Fan am Schluss zum Waffennarr.

Doch ein totales Ärgernis ist Mountains May Depart nicht. Es gibt feinfühlige Szenen wie die, in welcher der junge Dollar, der mit Reichtum aufwächst, mal zur inszwischen geschiedenen Mutter reist und das Leben in der Arbeiterklasse sieht. Doch leider ist hier das nächste Klischee nie weit entfernt. So darf sich Dollar nach dem letzten Zeitsprung in seine Lehrerin verlieben und so eine Art Mutterersatz finden. Da in dieser Episode fast nur Englisch gesprochen wird, gibt es Sätze wie "We have to feel the pain to feel the love". Autsch! Hier wird viel zunichte gemacht. Was am Ende bleibt, sind ein paar Denkanstösse und "Go West" von den Pet Shop Boys.

/ crs