The Revenant (2015)

The Revenant (2015)

The Revenant - Der Rückkehrer
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  3. 156 Minuten

Filmkritik: Hardcore-Camping

Immer der Nase nach...
Immer der Nase nach...

Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) sind Teil einer Gruppe, die im Norden Amerikas auf einer Expedition unerwartet von Indianern angegriffen wird und sich stark dezimiert in der rauen Wildnis verstecken muss. Als Glass alleine loszieht, um die Lage abzuschätzen, wird er von einem Bären angegriffen und schwer verletzt.

Allein, allein
Allein, allein

Seine Kollegen, unter anderem der Rüpel und Söldner John Fitzgerald (Tom Hardy), der rechtschaffene Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) und der junge Jim Bridger (Will Poulter) sehen für Glass kaum Überlebenschancen. Trotzdem versuchen sie, ihn zu transportieren. Doch die Kräfte lassen nach. Hawk, Bridger und Fitzgerald bleiben mit dem Verletzten zurück, während der Rest weiterzieht. Als es zum Streit zwischen Hawk und Fitzgerald kommt, wird Hawk vor den Augen seines leidenden Vaters getötet. Fitzgerald trickst den ahnungslosen Bridger aus und lässt Glass zurück. Doch Glass stirbt nicht, und er hat nun nur noch eines im Sinn: Er will Rache.

Alejandro González Iñárritus neuster Film, der Survival-Western The Revenant, entführt den Zuschauer in den kalten Norden Amerikas, wo Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass nicht nur von einem Bären zerfetzt wird, sondern über zweieinhalb Stunden gegen die kompromisslose Natur ankämpfen muss. Der Film ist eine Wucht, ein bildgewaltiges Meisterwerk, das es in sich hat. Handwerklich betrachtet ist er gar einer der bemerkenswertesten Filme aller Zeiten. Schauspiel, Kamera, Inszenierung und Soundtrack sind schlicht phänomenal!

Leonardo DiCaprio gehört ohne Frage zu den talentiertesten Schauspielern unserer Zeit. Einmal von seinem Spielfilmschauspieldebüt Critters 3 abgesehen, gibt es kaum schlechte Filme mit dem Kalifornier. Für mehr als vier Oscarnominationen reichte es aber bisher nicht. Nun scheint die Zeit für mehr reif zu sein. Im Survival-Western The Revenant von Erfolgsgarant Alejandro González Iñárritu (Birdman) legt er nicht nur eine sehr kraftvolle Performance hin, sondern zeigt mit viel Hingabe auch, wie weit man für eine Filmrolle überhaupt gehen kann. Ein bahnbrechender Auftritt in einem Mammutprojekt, das eindrücklicher nicht sein könnte.

Was den Western so einzigartig macht, hat viele Gründe. In erster Linie war es sicher der Regisseur selbst, der mit eigenwilligen Produktionsbedingungen (chronologische Drehabfolge, Filmen mit natürlichem Licht) den Film zu dem machte, was er letztendlich ist. Mit Emmanuel Lubezki, der für seine Arbeit an der Kamera in den letzten beiden Jahren (Gravity und Birdman) den Oscar erhielt, hatte Iñárritu den richtigen Mann für seine fast schon utopischen Wünsche gefunden. Denn was dieser Herr an der Kamera anstellt, ist schlicht atemberaubend und in dieser Form gar revolutionär. Immer mitten im Geschehen zaubert Lubezki mit virtuosen Einstellungen realistische Bilder auf die Leinwand, die man so noch nicht gesehen hat und kaum wieder vergessen wird. Auch Ryuichi Sakamotos (The Last Emperor) musikalische Untermalung unterstützt die Survival-Odyssee hervorragend und verleiht dem Film zusätzlich Poesie und Mystik.

Die von Iñárritu gemeinsam mit Mark L. Smith verfasste Drehbuchadaption zum Roman von Michael Punke, der wahre Geschichten über die historischen Figuren Glass (DiCaprio), Fitzgerald (Hardy) und Co. erzählt, beschränkt sich hauptsächlich auf das Thema Rache, was für das Westerngenre sicherlich nichts Neues und für über zweieinhalb Stunden Spielzeit für gewisse Zuschauer etwas gar wenig Stoff darstellt. Emotional ist das Gezeigte trotzdem, denn ob nun der ausgezeichnete Tom Hardy als kaum verständlicher Südstaaten-Rüpel oder die kompromisslos ins Szene gesetzten Naturgewalten: In The Revenant ist der Antagonist stets anwesend, und Verschnaufpausen gibt es keine. Glass' Verzweiflung, sein Wahnsinn, die Rachegelüste und die Erschöpfungserscheinungen, sein Überlebenskampf - all dies wird dank der grossartigen Arbeit des Filmteams direkt auf den Zuschauer übertragen. Ein fulminantes, packendes Seherlebnis, das man sich nicht entgehen lassen darf.

/ yan

Kommentare Total: 12

klonk1

Bin da ganz der Meinung von Ghost_Dog. Da gibt für mich nichts mehr anzumerken.

Cineast34

Ich war sehr angetan von "The Revenant", auch wenn der Film meiner Meinung nach einige Längen hatte, die aus Alejandro González Iñárritus anderen Filmen nicht kenne. 21 Gramm, Amores Perros und Babel waren zum Teil zwar auch sehr brutal und gingen über 2 Stunden, aber so deutlich gespürt wie in The Revenant habe ich das nicht. Vor allem habe ich keinen tieferen Sinn dahinter gesehen, abgesehen von der Rache. Meine Frau ist sogar vorher raus aus dem Kino mit dem Kommentar "Blutige Gewalt ohne Sinn".

Eins muss man jedoch deutlich sagen: Für die schauspielerische Leistung hat sich Leonardo di Caprio den Oscar mehr als verdient!

WideScreen03608

Ein bildgewaltiger Film, mit grandiosen Landschaftaufnahmen, innovativer Kameraführung, einem brillianten Leo DiCaprio, aber mit zum Teil schier unerträglichen Szenen. Und es stimmt schon, irgendwann hat man die Landschaft und das garstige Wetter gesehen. Etwas weniger hätte dem Film sicher gut getan.

Und dieser Glass muss ja sieben Leben gehabt haben. Normalerweise wäre man schon bei der Bärenszene abgekratzt, aber nein, er übersteht noch mehr Situationen, wo man längst garantiert tot sein muss, vorallem, wenn man eh schon angeschlagen und mehr als angezählt ist.

Auch ist in diesem Film nicht alles so glaubwürdig. Eben noch kriechend hoch oben auf dem Berg, in der nächsten Szene bereits 1000m weiter unten am Wasser. Und auch der Heilungsprozess geht ziemlich schnell und auch etwas rätselhaft vonstatten. Irgendwie fehlt einem das Zeitgefühl, wie lange diese Reise denn nun wirklich gedauert hat.

Trotzdem ist es ein intensiver und beeindruckender Film mit einer Parforceleistung aller Beteiligter. Langweilig ist es mir jedenfalls nie geworden. Und der Schluss? Naja...

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