A Perfect Day (2015)

A Perfect Day (2015)

  1. 106 Minuten

Filmkritik: Sorry! There's war

11. Zurich Film Festival 2015
Hallo Olga...
Hallo Olga... © Praesens Film

Im Balkan neigt sich der Krieg dem Ende zu. Der abgebrühte Entwicklungshelfer Mambrú (Benicio Del Toro) ist mit seinem Team vor Ort, um medizinische Nothilfe zu leisten - und die Überreste des Krieges aufzuräumen. Er und sein ruppiger Kollege "B" (Tim Robbins) möchten nach Jahren endlich aus dem Krisengebiet verschwinden. Ganz im Gegensatz zur hochmotivierten Neueinsteigerin Sophie (Mélanie Thierry).

The Warplummers
The Warplummers © Praesens Film

Während sich Mambrù und B mit schwarzem Humor und vielen Witzen den ziemlich chaotischen Tag selbst ein bisschen versüssen, gibt sich die engagierte Sophie alle Mühe, etwas für die Kriegsbetroffenen zu tun und möchte eine verweste Leiche, die das Grundwasser verschmutzt, aus einem Brunnen heben. Doch aller Anfang ist schwer, und das harte Pflaster des Balkans lässt sie in viele Fettnäpfchen treten. Ihre Kollegen sind ihr dabei keine besonders grosse Hilfe und machen sich stattdessen gerne etwas über sie lustig.

Der spanische Regisseur Fernando León de Aranoas zeigt mit A Perfect Day ein Kriegsdrama, das eigentlich mehr Komödie ist. Vier interessante Figuren gespielt von vier ausgezeichneten Darstellern - unter anderem Benicio del Toro und ein enorm witziger Tim Robbins -, eine schwarzhumorige Story mit genialen Einfällen und das im Kontrast stehende Setting machen den Film zu einer ganz besonderen und ganz sicher kurzweiligen "Kriegserfahrung".

Nach einem einfachen Film hört sich A Perfect Day nun wirklich nicht an. Entwicklungshilfe während des Balkankrieges ist alles andere als eine Karussellfahrt, und alleine das triste Setting lässt ein eher düsteres, langfädiges Drama erwarten. Doch dem ist bei weitem nicht so. Fernando León de Aranoas (Amador) Kriegsdrama ist dank klug pointiertem Drehbuch und viel schwarzem Humor von der ersten Minute unterhaltsam und sorgt trotz traurigen Umständen über die gesamte Spielzeit für etliche Lacher.

Mit Benicio del Toro (Fear and Loathing in Las Vegas), Tim Robbins (The Shawshank Redemption), Mélanie Thierry (Babylon A.D.) und Olga Kurylenko (Quantum of Solace) hat der spanische Regisseur ein sehr gut harmonierendes Schauspielerquartett an Bord. Dies liegt aber auch an den schön ausgearbeiteten Charakterzüge der Figuren. Robbins' "B" sticht dabei am meisten heraus. Mit seinem makaberen Sinn für Humor, der dank seinem Charme nie deplatziert wirkt, bringt er die engagierte, aber noch unerfahrene Sophie, herrlich gespielt von Thierry, immer wieder zur Weissglut und kann damit auch beim Publikum punkten. Benicio del Toros Mambrù ist das anstrengende Leben als Entwicklungshelfer anzusehen. Seine Hassliebe zu seiner Arbeit, seine Frauengeschichten und der unerwartete Auftritt seiner vergangenen Flamme Katya machen ihn zu einer Schlüsselfigur.

Die andere "Hauptfigur" liegt tot in einem Brunnen und ist Dreh- und Angelpunkt der Story. Wie holt man in einem Kriegsgebiet einen dicken Toten aus einem Brunnen, und wo zur Hölle kriegt man ein Seil her? Diese und weitere interessante Fragen - wie zum Beispiel: Was tut man wenn mitten auf der Strasse eine tote Kuh liegt? - werden von Fernando León de Aranoas ironisch, intelligent und vor allem kritisch, aber immer mit dem nötigen Schmunzler beantwortet. A Perfect Day ist eine unerwartet witzige Angelegenheit, die trotz Kriegsthematik einen federleichten Eindruck hinterlässt.

/ yan

Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:52