La Passion d'Augustine (2015)

La Passion d'Augustine (2015)

  1. 103 Minuten

Filmkritik: Vive la revolution!

Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.
Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. © filmcoopi

Im ländlichen Quebec leitet Mutter Augustine (Céline Bonnier) eine kleine Klosterschule für Mädchen. Mutter Augustines grosse Leidenschaft ist die Musik. Deshalb bemühte sie sich, dass ihre Schule eine ausgezeichnete Ausbildung in Musik bietet. Als sie in ihrer Nichte Alice (Lysandre Ménard) das musikalische Talent sieht, hofft Augustine, mit ihr den alljährlichen Musikwettbewerb zu gewinnen. Doch die rebellische Natur von Alice, die Augustine sehr an ihre eigene Jugend erinnert, sorgt für einigen Aufruhr in dem ruhigen Kloster.

Was soll ich morgen bloss anziehen?
Was soll ich morgen bloss anziehen? © filmcoopi

Neben den Sorgen um ihre Nichte muss sich Mutter Augustine zudem um die sich ändernde Bildungspolitik Kanadas sorgen, welche die Schulen säkularisieren soll. Und gleichzeitig gerät sie in den Kampf zwischen dem konservativen Vatikan und dem fortschrittlichen Frauenkonvent. Um ihre Schule und vor allem ihren musikalischen Lehrplan zu retten, muss Mutter Augustine zu unkonventionellen Mitteln greifen und dabei sowohl den Bedürfnissen ihrer Klosterschwestern als auch ihrer Schülerinnen entsprechen.

Der Film von Léa Pool überzeugt mit einer charmanten Geschichte, wunderschönen Klavierstücken und viel Witz. Auch als Atheist kann man sich in die Charaktere hineinversetzten und wünscht ihnen ein gutes Ergebnis ihrer kleinen kirchlichen Revolution. La passion d'Augustine ist eine der wenigen Perlen des Kinos, die ohne Tamtam erscheinen und mit Charme in Erinnerung bleiben.

Hin und wieder entdeckt man im Kino kleine, von aussen völlig unscheinbare Perlen. La passion d'Augustine ist eine davon. Nonnen, Kloster, Mädchenschule... Das sind alles Dinge, die nicht unbedingt nach grosser Unterhaltung schreien, ausser Whoopi Goldberg (Sister Act) mischt dabei mit. Doch bei Léa Pools neuestem Film gibt es einiges an Unterhaltung zu bieten: Klaviertöne vom Feinsten, Drama und Witz. Obwohl für die Kirche ernsthafte Angelegenheiten angesprochen werden, wie die Säkularisierung der Schulen und der Kampf des Fortschritts gegen den Vatikan, gelingt es Léa Pool, einen unbeschwerten Blick auf das Ganze zu werfen.

Da viele Dinge in der Geschichte nur impliziert werden, beispielsweise der Grund, weshalb Mutter Augustine zur Nonne wurde, gleitet La passion d'Augustine nicht in eine bittere Tragödie ab. Allerdings sind diverse Implikationen teilweise etwas verwirrend. Was ist genau mit der Mutter von Alice passiert? Wieso taucht plötzlich Alices beste Freundin nicht mehr auf? Solche und weitere Fragen lässt der Film offen. Dadurch scheint die Geschichte nicht ganz durchdacht zu sein, als ob die Autoren vor lauter verschiedener Geschichtsstränge gewisse Geschehnisse mittendrin vergessen hätten.

Die musikalischen und darstellerischen Fähigkeiten der Protagonisten sind einwandfrei. Céline Bonnier gelingt es, das strenge aber einfühlsame Oberhaupt der Klosterschule zu verinnerlichen. Lysandre Ménard als Alice spielt das rebellische Musiktalent überzeugend. Einzig Diane Lavallée als Schwester Lise passt nicht ganz in die Rolle. Die Schauspielerin wirkt viel zu sympathisch und gutmütig, als dass sie in die Rolle der strengen Französischlehrerin passen würde.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

  1. Artikel
  2. Profil

Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 02:07