Our Brand Is Crisis (2015)

Our Brand Is Crisis (2015)

Die Wahlkämpferin
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  2. 108 Minuten

Filmkritik: Der ganz normale Wahlkampfwahnsinn

40th Toronto International Film Festival
Kein Herz und keine Seele
Kein Herz und keine Seele © 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Jane Bodine (Sandra Bullock), Spezialistin für politische Kampagnen, hat sich nach einer beruflichen Niederlage zu viel zurückgezogen. Doch nun wird ihre Erfahrung dringend benötigt. In Boliven verliert der Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo (Joaquim de Almeida) gegenüber seinen Konkurrenten immer mehr an Boden. In Umfragen liegt er schon satte 28 Punkte zurück. Jane soll ihm nun helfen, diesen Rückstand aufzuholen. Doch Jane hat erstmal überhaupt kein Interesse, sich wieder in den Kampagnenwahnsinn zu stürzen.

"Nein, ich kann es nicht, Cap."
"Nein, ich kann es nicht, Cap." © 2015 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Dies ändert sich jedoch, als man ihr mitteilt, dass ihr alter Widersacher Pat Candy (Billy Bob Thornton) für die Gegenseite angeheuert wurde. Da Jane mit Candy noch eine Rechnung offen hat, fliegt sie nach Bolivien, wo sie schnell merkt, dass ihr Klient nicht gerade der grösste Sympathieträger ist. Die einzige Chance, das Rennen zu seinen Gunsten zu entscheiden, ist, eine Krise in den Vordergrund zu stellen, die nur von einem erfahrenen Mann wie Castillo gemeistert werden kann. Doch der mit allen Wassern gewaschene Candy hat für seine Seite noch jede Menge dreckige Asse im Ärmel.

Regisseur David Gordon Green kann sich bei Our Brand Is Crisis nicht wirklich zwischen Tragikomödie und Satire entscheiden. So fehlt es dem Film häufig an Biss. Sandra Bullock und Billy Bob Thornten gefallen jedoch als Strategen, die mit unfairen Mitteln das Rennen für ihre Klienten entscheiden möchten. Ein Film der Marke "Ok".

Our Brand Is Crisis ist die Filmversion der gleichnamigen Dokumentation von 2005. Dort ging es darum, wie US-Amerikaner südamerikanische Wahlen zu Gunsten der Vereinigten Staaten lenkten. David Gordon Green hat daraus nun eine Satire im Stile von Wag the Dog gemacht, die jedoch viel böser hätte sein können und ihr Potenzial fast schon frustrierend wenig zu nutzen weiss. Unterhaltsam ist der Film aber trotzdem.

Die Wahlkampftaktik, welche Sandra Bullocks Protagonistin hier vorschlägt, erinnert an jene von George W. Bush im Jahre 2004. Die USA befanden sich damals in einem Krieg und setzten so lieber auf einen erfahrenen Mann an der Spitze als einen Neuen. Schauplatz ist hier aber wie schon im Dokfilm Bolivien im Jahre 2002. Dabei gefällt vor allem Sandra Bullock als toughe Strategin, die durchaus gewillt ist, dreckig zu spielen. Denn für Saubermänner scheint ein solcher Wahlkampf nichts zu sein. Da wird manipuliert und gelogen, was das Zeug hält.

Als Bullocks Gegenspieler überzeugt Billy Bob Thornton mit Glatze und fiesem Grinsen. Der Film hat seine besten Momente, wenn die beiden Strategen aufeinandertreffen und die Fetzen fliegen. Getan wird dies jedoch nicht mit Fäusten, sondern lediglich mit Worten und einem Lächeln. Leider sind diese Szenen Mangelware. Der Zuschauer steckt ein bisschen im öden Wahlkampf fest und bei den Versuchen von David Gordon Green, Bullocks Figur etwas Tiefe zu verleihen.

Our Brand Is Crisis kann sich da nicht richtig entscheiden, ob er jetzt Tragikomödie oder Satire sein möchte. So gibt es immer wieder Längen auszumachen, die auch nicht durch namhafte Schauspieler in Nebenrollen ausgebügelt werden können. Überhaupt werden Anthony Mackie, Scoot McNairy und auch die wunderbare Zoe Kazan viel zu selten in das Geschehen involviert und verkommen zu Stichwortgebern.

Was man dem Film jedoch zugutehalten muss, ist, dass er sich trotz schwerer politischer Themen eine gewisse Leichtigkeit bewahrt - auch ein Verdienst des verspielten Scores von David Wingo. Das Gefühl bleibt jedoch, dass hier mit einer stärkeren Ausrichtung auf die Satire mehr dringelegen wäre. Dann hätte man sich nämlich auch das kitschige Ende sparen und einen fiesen Schlusspunkt setzen können. So ist der Film dann am Ende doch zu US-amerikanisch - wie der dreckig geführte Wahlkampf im Film.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Englisch, 02:26