L'ombre des femmes (2015)

L'ombre des femmes (2015)

Filmkritik: Liebe Liebenden

"Arbeiten ist schön, ich könnt' stundenlang zusehn..."
"Arbeiten ist schön, ich könnt' stundenlang zusehn..." © Adok Films

Manon (Clotilde Courau) liebt Pierre (Stanislas Merhar). Und Pierre liebt Manon. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team, das sich von Luft und Liebe ernährt. Denn Pierre ist ein talentierter Filmemacher. Und Manon sieht die Erfüllung in ihrem Leben darin, den Mann, den sie liebt, nach allen Kräften bei der Umsetzung seiner Visionen zu unterstützen. Das Paar steckt deshalb in chronischen Geldnöten und ist mit der Miete mehrere Monate in Verzug. Doch wenn man sich liebt, geht ja alles irgendwie.

"You can stand under my umbrella..."
"You can stand under my umbrella..." © Adok Films

Die Harmonie zwischen den beiden beginnt allerdings zu bröckeln, als Pierre bei den Recherchen für einen Dokumentarfilm über einen Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg die Praktikantin Elisabeth (Lena Paugam) kennenlernt und mit ihr eine Affäre beginnt. Diese verliebt sich ziemlich heftig in ihn und will sich bald nicht mehr mit der Rolle der Geliebten zufriedengeben. Pierre hingegen möchte Manon nicht aufgeben. Diese ihrerseits hat sich in Zwischenzeit selbst einen neuen Geliebten angelacht. Ist dies das Ende für die einst perfekte Beziehung?

In Philippe Garrels Schwarzweiss-Romanze sind es leider nur die Protagonistinnen, bei denen die Emotionen hochgehen. Die Zuschauer hingegen bleiben auf Distanz - zu gekünstelt ist der Film, zu wenig tief sind die Charaktere. So bleibt es ein relativ dröges Liebesdrama, das über seine eigene gestelzte Belanglosigkeit stolpert.

Ja, die Liebe. Sie ist schon kompliziert. Sie sorgt dafür, dass man von einem kommunikationsunfähigen Egomanen, wie es Pierre in diesem Film ist, einfach nicht loskommen kann, obwohl man es doch eigentlich möchte. Es ist ein bisschen wie bei Maiwenns Mon roi, der wie auch L'ombre des femmes am Cannes-Filmfestival uraufgeführt wurde: Der Mann ist das Arschloch. Fair enough. Ist ja leider oft genug so passiert. Und vielleicht ist der Film ja auch deswegen in Schwarzweiss, weil er eben bei den Charakteren keine Grautöne zulassen will.

Während Vincent Cassel bei Maiwenn jedoch den charmanten Lausbub gibt, dem man den Erfolg bei Frauen abnimmt, spielt der von Stanislas Merhar verkörperte Protagonist hier die Rolle des introvertierten Denkers. Was genau die beiden Frauen an dem selbstgefälligen Schnösel finden, kann man höchstens erahnen. Dann doch noch lieber Vincent Cassel.

Mit den Schwarzweiss-Bildern und dem allwissenden Voice-over-Erzähler möchte L'ombre des femmes gerne poetisch sein. Möglicherweise will er damit auch an die Klassiker der französischen Nouvelle vague anknüpfen, die sich durch ganz ähnliche Stilelemente auszeichnen. Doch gerade dadurch wirkt der Film über weite Strecken vor allem manieriert - einigen schönen Szenen zum Trotz. In der kurzen Spielzeit von rund 70 Minuten entsteht keine Spannung, und die Emotionen der Figuren springen nur selten auf die Zuschauer über.

Dies kann auch damit zu tun haben, dass die Charaktere seltsam fremd bleiben. Der Mann ist unsympathisch, die Frauen sind besitzergreifend. Und irgendwie sind sie einfach nicht in der Lage, miteinander zu sprechen. So bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass das Zusammenleben als Paar halt manchmal schon ganz kompliziert sein kann. Und dass es in einer Beziehung nur von Vorteil sein kann, immer offen miteinander zu kommunizieren. Aha. Wir werden es uns gerne merken.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:25