Office - O piseu (2015)

Office - O piseu (2015)

Filmkritik: Mit dem Messer geht es besser

Kontrollblick vor dem Besuch der "Ab-18-Seite".
Kontrollblick vor dem Besuch der "Ab-18-Seite". © Studio / Produzent

Ein schreckliche Tragödie passiert in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul: Der unscheinbare Büroangestellte Kim Byung-Guk (Bae Seong-Woo) kommt nach einem harten Arbeitstag nach Hause und tötet während dem Abendessen vor dem Fernsehen seine gesamte Familie mit einem Hammer. Nach der Tat verschwindet Kim spurlos. Die Arbeitskollegen sind schockiert, darunter auch die Praktikantin Lee Mirae (Ko Ah-sung), welche sich eigentlich immer gut mit Kim verstanden hat.

Während die Ermittler unter der Leitung von Detektiv Choi Jong-Hoon (Park Sung-Woong) nach Kim zu suchen beginnen, wird im Büro wieder die Arbeit aufgenommen. Als ein Mitarbeiter dann aber eines Nachts bei Überstunden im Büro ermordet wird, kann es sich beim Täter nur um Kim handeln. Doch im Gebäude ist er nirgends zu finden. Was genau läuft hier, und welche Rolle spielt die Praktikantin Lee Mirae, welche von ihren Kollegen gemobbt wird?

O Piseu ist ein furchtbar schlechter Film über einen Bürokiller. Spannung kommt keine auf, die Ermittler in dem Fall sind selten dämliche Geschöpfe, die genau so lächerlich sind wie die Auflösung, wer sich denn durch die Büroräumlichkeiten gemordet hat. Aus Südkorea kamen schon deutlich bessere Filme.

Das koreanische Kino hat uns seit der Jahrtausendwende mit vielen Filmperlen beglückt. Oldboy, The Host und A Bittersweet Life, die es alle auch in unsere Breitengrade geschafft haben, sind Beispiele für ganz starkes Genre-Kino. Dass auch das Filmschaffen von dort nicht vor Flops gefeit ist, zeigt nun O Piseu, der sich nie für ein Genre entscheiden kann und am Ende einfach nur schmerzhaft doof ist.

Dabei beginnt alles so stimmungsvoll, auch wenn äusserst brutal. Der Mord an einer Familie wird zwar nicht gezeigt, doch der Ton eines Hammers, der auf Körperteile eindonnert, hat ebenfalls eine starke Wirkung. Danach geht es ab ins Büro, wo dann der grosse Teil des Filmes spielt. Hier drosselt Regisseur Won-Chan Hong das Tempo. Wohl auch um die Missstände in südkoreanischen Büros aufzuzeigen, heftet er sich an die Fersen der Praktikantin Lee Mirae, die von ihren Kollegen gemobbt wird. Dabei bekommen wir jedoch überhaupt nichts Neues zu sehen, und da die emotionale Gewalt nie besonders krass wird, schaut man mehr gelangweilt diesem Treiben zu.

Wenn die erste Leiche dann im Büro auftaucht, spielt Won-Chan Hong das Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip durch, verteilt dies aber auf mehrere Tage. Das Momentum geht da völlig flöten. Dafür hat der Film dann genug Zeit, sich auch den Ermittlern zu widmen. Die stellen sich richtig dämlich an und verweilen der gedachten Spannung wegen auch mal eine halbe Stunde der Laufzeit im Liftschacht, der eigentlich ohne Probleme verlassen werden könnte. Mit intelligenten Figuren wäre der Film aber innert einer halben Stunde vorbei.

So bleibt O Piseu ein schrecklich langweiliger Thriller, der überhaupt keinen Drive besitzt und mit seinem Ende dann auch noch Kopfschütteln auslöst. Ganz schnell Oldboy gucken, damit dieser koreanische Schandfleck wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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