The Miracle of Tekir - Miracolul din Tekir (2015)

The Miracle of Tekir - Miracolul din Tekir (2015)

  1. ,
  2. ,
  3. 90 Minuten

Filmkritik: Ganz unverhofft schwanger

11. Zurich Film Festival 2015
Nicht ganz allein auf weiter Flur
Nicht ganz allein auf weiter Flur © filmcoopi

Unverhofft kommt oft: Nicht diesmal, nicht in dem Falle, denn was Mara (Dorotheea Petre) widerfährt, geschieht so wahrlich nicht alle Tage: Obwohl unverheiratet, wird sie auf mysteriöse Weise schwanger. Dies zieht einige Probleme nach sich, da sie, in einem kleinen rumänischen Fischerdorf im Donau-Delta lebend, schnell dem Zorn und Unverständnis der restlichen Dorfbewohner ausgesetzt ist. Diese machen sie wegen der schändlichen Tat - gehen sie doch von einer unehelichen Zeugung des Kindes aus - für den miserablen Fischfang und alles Negative im Dorf verantwortlich.

Dies geht so weit, dass sie Mara wie eine Hexe verbrennen wollen. Einzig der Dorfpfarrer (Bogdan Dumitrache) steht ihr bei. Mara flüchtet in ein nahegelegenes Spa-Hotel, wo unfruchtbare Frauen mit Donau-Schlamm behandelt werden. Hier, im ländlichen Rumänien, wo Aberglaube und Mythologien auf Religion und jahrhundertelange Traditionen treffen, macht sie Bekanntschaft mit der wohlhabenden Stadtdame Lili (Elina Löwensohn), für welche sie fortan arbeiten kann. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ein Werk wie ein Paukenschlag. Allerdings auf einer defekten, alten Pauke. Der Film bleibt dem Zuschauer stets ein Rätsel und wirft mehr Fragen auf, als er beantworten kann. Gewollt oder nicht, erschafft dies eine undurchdringbare Distanz und Belanglosigkeit des Zuschauers dem Film gegenüber. Zu eintönig und langatmig kommt dieser daher, zu naiv agieren und denken die Hauptcharaktere. Optisch gelungen, schauspielerisch emotionslos und kühl, driftet The Miracle of Tekir zu schnell ins Belanglose ab.

The Miracle of Tekir, ein schweizerisch-rumänisches Drama der Regisseurin Ruxandra Zenide, ist erst deren zweiter Langfilm (nach Ryna im Jahre 2005). Es fällt schwer, dieses Werk zu fassen und einzuordnen, da es sehr langsam daherkommt und den Zuschauer nie wirklich in das Geschehen miteinbezieht. Stets bleibt der Film enorm langatmig und monoton, ein Spannungsbogen kann so nie entstehen.

Nichts gegen Filme, bei welchen eine prickelnde, dialogarme Atmosphäre im Vordergrund steht und welche dadurch die Handlung zurückstellen - aber auch das ist hier nicht der Fall: Lange Zeit geschieht wenig bis gar nichts, allzu oft bekommen wir Mara auf dem Weg zu ihrem Schlammloch oder gar einfach die Bewegungen des Schlamms zu sehen. Dieser scheint ein Eigenleben zu führen, brodelt er doch stets wild vor sich hin und führt Mara des Öfteren "Dialoge" mit ihm. Es ist eindeutig zu wenig Tempo im Film, gebremst wird er dann noch durch lange Aufnahmen von öden, braunen Landschaften oder Detailaufnahmen von Mara beim Beten oder Behandeln von Patientinnen mit ihrem Allzweck-Heilmittel.

Sowieso: Irgendwie ist hier alles braun-beige. Das Setting möchte einen märchenhaften Kosmos darstellen, wirkt aber nur eintönig. Auch die Absurdidät der Story vermag dies nicht zu kompensieren, denn weder Setting noch Story muten auch nur entfernt mystisch an. Mehrmals erwischt man sich, wie man auf die Uhr schielt und hofft, dass ein Grossteil der 90 Minuten ins Land gezogen sei. Das ist schade, denn hier wäre einiges mehr möglich gewesen, hätte Ruxandra Zenide für eine angemessene Charaktertiefe und mehr Spannung gesorgt. Aber so lässt einen das Werk dann ziemlich kalt, die Charaktere kommen herzlos und emotional unterkühlt daher, lassen zu wenige Blicke in ihr Innenleben zu, was definitiv zu besserem Verständnis von gewissen Handlungen geführt hätte. Unter Anderem scheint Mara der Pater zum Beispiel sehr verbunden zu sein, die Gründe dafür bleiben aber stets unklar.

Die Themen der unbefleckten Empfängnis und der Wunder sind zentral und werden stark gewichtet, dasjenige der Menschlichkeit fällt daneben ab. Humane Beziehungen scheint es (beinahe) nicht zu geben. Dennoch bleiben am Ende einfach zu viele Fragen offen, welche im Verlaufe der 90 Minuten nicht geklärt werden, dem Zuschauer aber zuvorderst auf der Zunge brennen: Wie kam es tatsächlich zur Schwangerschaft? Was hat es mit dem Pater auf sich? Weshalb glaubt Frau Lili an die Fähigkeiten Maras?

Zumindest optisch gibt der Film etwas her, schöne Aufnahmen der (leider etwas zu monotonen) Landesstreifen wissen zu gefallen, häufen sich dann aber und werden zu fest ins Zentrum gerückt. Untermalt werden die Szenerien meist durch mystisch anmutende Geräusche, der verwendete Soundtrack (er ist eher rar gesät) aber hört sich sehr sphärisch und geheimnisvoll an, was passend ist.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook

Kommentare Total: 2

globinli

Ein ganz spezieller Film, ruhig und doch irgendwie spannend. Das Ganze auf Bulgarisch - mal was anderes. Gäbe von mir 3 bis 4 Sterne. Wegen dem Ende aber nur 2! Wenn ich mir eine Geschichte zu Ende denken will, gehe ich nicht ins Kino, grrr. Hat den ganze Film für mich kaputt gemacht.

yab

Filmkritik: Ganz unverhofft schwanger

Kommentar schreiben

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:52