The Man Who Knew Infinity (2015)

The Man Who Knew Infinity (2015)

Die Poesie des Unendlichen
  1. ,
  2. 108 Minuten

Filmkritik: Slumdog Mathematician

40th Toronto International Film Festival
Mathy Poppins
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Madras, Indien, 1913. Der in ärmlichen Verhältnissen lebende Srinivasa Ramanujan (Dev Patel) hat ein riesiges Talent: seinen Verstand. Scheinbar mühelos ist der 26-Jährige in der Lage, hochkomplexe mathematische Probleme zu lösen, an denen sich schon Generationen von Mathematikern die Zähne ausgebissen haben. Doch seine Möglichkeiten in Indien sind begrenzt. Mit Unterstützung seines Mentors Sir Francis Spring (Stephen Fry) schreibt er deshalb dem renommierten englischen Mathematiker G.H. Hardy (Jeremy Irons) einen Brief mit einer Kostprobe seines Könnens.

Hardy und sein Kollege John Littlewood (Toby Jones) erkennen sofort das immense Talent des jungen Inders und laden ihn ein, mit ihnen an der Cambridge-Universität zu arbeiten. Für Ramanujan geht ein Traum in Erfüllung, sieht er doch endlich die Möglichkeit, seine Werke zu publizieren. Doch in England macht sich erstmal Ernüchterung breit: Der unnahbare Professor verlangt von Ramanujan, dass dieser seine Formeln sauber herleitet, bevor er irgendwas publiziert. Zudem sieht sich der junge Inder mit rassistischen Vorurteilen anderer Professoren konfrontiert, und auch sein fragiler Gesundheitszustand ist Grund für Besorgnis.

Man muss kein Wissenschaftler sein, um The Man Who Knew Infinity zu verstehen. Aber etwas mehr intellektueller Tiefgang hätte diesem geschliffenen Genie-Biopic dann doch gutgetan. Der vorhersehbaren und vor Feelgood-Sentimentalität triefenden Mathe-Esoterik mangelt es zudem an Originalität. Da waren offenbar auch bei der Produktion eher die kühlen Rechner als die kreativen Geister im Spiel.

Wie dreht man einen Mainstream-Film über einen begnadeten Mathematiker? Denn so bahnbrechend dessen Leistungen sein mögen - für 99 Prozent der Zuschauer sind diese kaum nachvollziehbar, und die Formeln stellen lediglich unverständliche Zahlenreihen dar. Wie also vorgehen, beispielsweise im Fall von Srinivasa Ramanujan, der 1920 im Alter von nur 32 Jahren verstarb, aber bis heute als einer der einflussreichsten Mathematiker gilt?

Matt Brown wählt in seinem Biopic den sentimentalen Weg. Er zeichnet den gescheiten Wissenschaftler als einen romantischen Geist, in dessen Kopf die Zahlen rumfliegen, die er aus einer Art göttlichen Eingebung heraus auf Papier festhält wie ein Maler seine Gemälde. Natürlich hat der romantische Mathematiker eine Frau, die er ganz fest liebt, die er aber verlassen muss, um in der grossen weiten Welt seine Erkenntnisse zu verkünden.

Wer wäre für eine solche Rolle besser geeignet als Slumdog Millionaire-Star Dev Patel? Der Schauspieler mit dem konstant verklärten Träumer-Blick geht allerdings ziemlich bald auf die Nerven, genauso wie der anrührende Soundtrack und die malerischen Bilder von Indiens Strand. Hey Leute, wir sind hier im Elendsviertel! Co-Hauptdarsteller Jeremy Irons schliesslich spielt den knorrigen Professor-Mentor im gelangweilten Autopilot.

Auf Autopilot schaltet eigentlich der ganze Film, der in keiner Sekunde Überraschungen bereithält. Immerhin - das muss man ihm zugutehalten - schafft er es zumindest in einem Beispiel die Komplexität von Ramanujans Studiengebiet auf ein für den Nullachtfünfzehn-Zuschauer verständliches Niveau herunterzubrechen. Ebenfalls zufriedenstellend ist die Inszenierung rund um den Cambridge-Campus während des Ersten Weltkrieges. Ansonsten fehlt dem Film aber jegliche Originalität: Ein bisschen Slumdog Millionaire, ein bisschen The Theory of Everything und natürlich reichlich A Beautiful Mind, und fertig ist das Biopic von der Stange. Immerhin weiss man am Ende etwas besser, wie man den komplizierten Namen des Protagonisten aussprechen muss.

/ ebe

Kommentare Total: 3

Rman666999

Wahre Geschichte, welche mich sehr stark an Filme wie die Oscar-Filme "THE IMITATION GAME" oder "A BEAUTIFUL MIND" erinnert. Von der Geschichte her nicht ganz so perfekt erzählt wie die anderen beiden Filme, welche ja weltweit viele Nominationen und Auszeichnungen erhielten, aber dennoch ein Film, welche man sich nur schon alleine wegen seiner unglaublichen Geschichte und den beiden Hauptdarstellern anschauen sollte. Wer die anderen beiden Filme mochte, darf sich hier auf eine ähnliche "Light" Verfilmung freuen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten.

helch

Oh nein, ich habe gerade das Ticket fürs ZFF gebucht. Jä nu, dänn halt!

ebe

Filmkritik: Slumdog Mathematician

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