Louder Than Bombs (2015)

Louder Than Bombs (2015)

  1. , ,
  2. 109 Minuten

Filmkritik: Komplexität durch Verwirrung

Was diese Szene mit der Filmhandlung zu tun hat? Nichts.
Was diese Szene mit der Filmhandlung zu tun hat? Nichts.

Seit dem Tod seiner Ehefrau Isabelle (Isabelle Huppert), einer bekannten Kriegsfotografin, hat sich Gabe (Gabriel Byrne) von seinem 16-jährigen Sohn Conrad (Devin Druid) entfremdet. Dieser, ein introvertierter Einzelgänger, verbringt den grössten Teil seiner Freizeit mit Online-Rollenspielen à la World of Warcraft. Gabes Versuche, mit ihm ins Gespräch zu kommen, scheitern. Auch nicht wirklich hilfreich ist es da, dass sich Gabe ohne Conrads Wissen in eine Affäre mit dessen Lehrerin (Amy Ryan) gestürzt hat.

"Ich hätte vor meiner Zusage vielleicht doch noch mal das Drehbuch studieren sollen..."
"Ich hätte vor meiner Zusage vielleicht doch noch mal das Drehbuch studieren sollen..."

Als ein alter Weggefährte von Isabelle ankündigt, einen Artikel zu schreiben, ist Gabe unter Zugzwang: Denn Conrad weiss noch nicht, dass der vermeintliche Unfalltod seiner Mutter in Wirklichkeit Suizid war. Gabe hofft, dass ihm dies vielleicht sein älterer Bruder Jonah (Jesse Eisenberg) schonend beibringen kann, der in sein Elternhaus zurückgekehrt ist, um seinem Vater beim Ordnen von Isabelles Fotos zu helfen. Allerdings hat Jonah selbst genug eigene Probleme: Schon in jungen Jahren an der Uni erfolgreich, ist er soeben zum ersten Mal Vater geworden. Doch seine Rolle im Leben sucht er noch...

Diesen Film sollte sich niemand anschauen gehen. Es ist verschwendete Zeit. Daher soll hier auch der dramaturgische Höhepunkt verraten werden: Ein Mädchen macht Pipi und der jugendliche Held erlebt daraufhin so etwas wie eine Katharsis. Voilà. Ein Spoiler ist das übrigens nicht. Denn das würde ja bedeuten, dass wenigstens ansatzweise so etwas wie Spannung enthalten sein könnte. Ist es aber nicht. Louder Than Bombs ist prätentiöser Quatsch.

Es gibt Filme, die sind Mist. Aber sie sind dennoch irgendwie sympathisch. Und dann gibt es Filme, die sind Mist. Und sie sind ganz und gar unsympathisch. Louder Than Bombs ist ein Vertreter dieser letzteren Gruppe. Was den Film von Joachim Trier so unsympathisch macht? Die Art, wie er dem Zuschauer die eigene Relevanz ins Gesicht zu drücken scheint. Es sind rund 100 Minuten masslose Selbstüberschätzung.

Mit allerlei Regieschnickschnack versucht der Film, die Tatsache zu kaschieren, dass er eigentlich nicht viel zu sagen hat. Denn die Geschichte über eine zerrüttete Familie ist nicht annähernd so originell, wie sie es gerne sein möchte. Das alleine wäre aber noch nicht zu tragisch: Eine eigentlich simple Geschichte kann schliesslich auch dadurch speziell werden, indem sie raffiniert erzählt wird. Beispiele gibt es genug in der Filmgeschichte - Memento ist nur eines davon.

Doch in diesem Fall ist die Erzählweise weder originell noch clever, sondern lediglich aufgeblasen und ohne jegliches Konzept. Es wird ein Feuerwerk an Ablenkungsmanövern gezündet, um die Aufmerksamkeit von der dürren Story wegzuziehen: seien es wichtigtuerische Voice-overs, seien es bizarre Traumsequenzen, seien es Szenen, die überhaupt nichts mit der Filmhandlung zu tun haben, seien es WTF-Szenen, oder sei es das sekundenlange Verharren der Kamera auf Isabelle Hupperts ausdruckslosem Gesicht. Als ob der Film alleine dadurch an Gewicht gewinnen würde.

Mit Oslo, August 31st hat Joachim Trier einen Achtungserfolg gelandet. Dank diesem hat er nun ein Ensemble aus angesehenen Schauspielern engagieren können. Doch so verlässliche Grössen Isabelle Huppert, Jesse Eisenberg, Amy Ryan oder Gabriel Byrne auch sein mögen - hier irren sie allesamt eher ratlos durch die Handlung, als wüssten sie selbst nicht recht, was sie hier eigentlich verloren hätten. Wenigstens sie tun einem dann doch noch ein bisschen leid.

/ ebe

Kommentare Total: 3

Granunaile

@ Ramen
Die Kommentare von ebe zu anderen Filmen lassen mich sehr vermuten, dass "es" für ihn nicht "zu hoch" war und ebe durchaus die Gabe hat, zu differenzieren und Leistungen anzuerkennen. Ja, sein Nuller als Wertung ist hart. Ich bin nicht so streng. Aber ich gehe mit ebe einig, dass der Film misslungen ist. Er gaukelt Tiefgang vor, verbleibt aber letztlich oberflächlich.

Ramen

Zu komplex für den Autor, warum schaut er/sie sich den Film an, wenn von Vornhinein kar ist, dass es zu hoch ist? Jesse Eisenberg? Gabriel Burne? Bin ratlos!

ebe

Filmkritik: Komplexität durch Verwirrung

Kommentar schreiben