Lolo (2015)

Lolo (2015)

Lolo - Drei ist einer zuviel
  1. 99 Minuten

Filmkritik: Mini Mueter!

40th Toronto International Film Festival
Mr. Smarty pants
Mr. Smarty pants © Impuls Pictures AG

Die neurotische Pariser Mittvierzigerin Violette (Julie Delpy) verbringt ihre Ferien zusammen mit ihrer Freundin Ariane (Karin Viard) in Biarritz. Dort lernt sie den Informatiker Jean-René (Dany Boon) kennen. Obwohl dieser eher ein simples Gemüt ist, verliebt sie sich in ihn, da sie von den ironischen Hipster-Männern in Paris schon seit längerem die Nase voll hat. Jean-René, der in Paris ein wichtiges IT-Projekt laufen hat, zieht schon bald darauf in die Hauptstadt, damit sich die beiden regelmässig sehen können.

Suchbild: Finde den Eisbär.
Suchbild: Finde den Eisbär. © Impuls Pictures AG

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht Violettes 19-jähriger Sohn Lolo (Vincent Lacoste) wäre. Denn dieser teilt seine Mama höchst ungerne mit einem anderen Mann, schon gar nicht mit einem solchen Provinztrottel, wie es Jean-René in seinen Augen ist. Während er Violette gegenüber weiterhin den braven Mama's Boy spielt, torpediert er seinen neuen Nebenbuhler, wo's nur geht: Es beginnt noch harmlos, beispielsweise mit Juckpulver in der Jacke, doch als sich zeigt, dass sich Jean-René nicht so einfach abschütteln lässt, greift Lolo zu drastischeren Mitteln...

Was man auch immer über Julie Delpys Filme sagen kann, unterhaltsam und bekömmlich sind sie meistens. Lolo ist weniger dialoglastig als frühere Filme der Spezialistin für intelligente Rom-Coms. Dafür sorgt der von Cyrus bekannte Plot, der simpel, aber effektiv ist. Dennoch kommen auch Fans der Regisseurin auf ihre Kosten. Denn den Mix zwischen Situationskomik und Satire bringt Julie Delpy sehr charmant hin.

Hatten wir das nicht schon mal? Doch. Vor fünf Jahren machte Jonah Hill als Mamasöhnchen Cyrus John C. Reilly das Leben schwer. Nun präsentiert Julie Delpy die französische Version desselben Plots und betitelt diese - wie auch damals Jay und Mark Duplass - mit dem Vornamen des Protagonisten. Eine billige Kopie? Nein. Natürlich sind die Parallelen zwischen den beiden Filmen unübersehbar, und so supermässig neu war die Idee bereits vor Cyrus nicht. Aber erinnern wir uns zurück: Auch die Plots von 2 Days in Paris oder der Before Sunrise-Trilogie (an der Delpy mitgeschrieben hat) waren für sich alleine genommen nun wirklich nicht gerade der Gipfel des Ideenreichtums. Und dennoch entstanden daraus wunderbare Filme.

Delpy ist ja so etwas wie die französische Version von Woody Allen - einfach in weiblicher Ausführung. Die Pariser Stadtneurotikerin versteht es wie wenig andere, mit zackigen Dialogen und einem Schuss Situationskomik einen selbstironischen Blick auf sich selbst und ihr Umfeld zu werfen. In 2 Days in Paris spielte sie eine Künstlerin, hier nun eine herrlich überspannte Modedesignerin. Der Kontrast zum Landei Jean-René (ein schön tollpatschiger Dany Boon) könnte nicht grösser sein und ist auch häufig Quelle der Komik.

Neu an Lolo im Vergleich zu ihren früheren Filmen ist ein parodistischer oder gar satirischer Ansatz. Gut, zugegeben, ihre Figuren bewegten sich schon immer am Rande der Parodie. Der Charakter des verwöhnten Rotzlöffels Lolo geht nun aber doch deutlich in Richtung Karikatur. Vincent Lacoste spielt den Part mit einer gelangweilten Nonchalance, die zwischendurch allerdings - Satire hin oder her - ein wenig auf die Nerven gehen kann. Ausgeglichen wird dies aber durch eine gesunde Portion Charme, die der Film auch in einigen etwas belangloseren Passagen immer aufweist. Wie leichtfüssig dieser Charme mit der klassischen Situationskomik verknüpft wird, lässt Vorbehalte wegen des nicht sehr innovativen Plots schnell wieder vergessen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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